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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 11:47 Uhr

Bürgermeisterwahl : Mit kritischen Begleitern und viel Musik zur Wahl

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bürgermeisterkandidat privat: Für Carlo Ehrich spielt die Familie und die Musik eine entscheidende Rolle

Altenholz | Am 6. November steht der Bürgermeister zur Wahl. Carlo Ehrich hat das Amt sechs Jahre lang ausgefüllt, möchte gern weiter machen und kandidiert erneut. In zwei Vorstellungsrunden stand er den Bürgern in den Ortsteilen Stift und Klausdorf bereits Rede und Antwort, nun stellte er sich den Lesern der EZ noch einmal vor.

Seine Vita ist vielen bereits bekannt: Bevor er 1985 die Karriere im allgemeinen gehobenen Verwaltungsdienst mit einer Ausbildung im Kreis Steinburg begann, hatte er den Wunsch zur Polizei zu gehen. „Das war etwa im elften Jahrgang, die Idee war geprägt durch viele Krimiserien“, erinnert der 51-Jährige sich. Auch die Ausbildung zum Lehrer für Deutsch und Geschichte stand kurz zur Auswahl, aber die Aussichten standen 1984 nicht gut für Lehramtsstudenten. Nach dem Grundwehrdienst bewarb er sich bei der Kreisverwaltung. „Die Aufgabe hat mich wirklich interessiert und am Ende hat sich die Berufswahl für mich als Glücksfall herausgestellt“. Er habe den Beruf immer mit Freude ausgeübt, sagt er. Nach 18 Jahren suchte er trotzdem nach einer neuen Herausforderung und fand die Ausschreibung für den Büroleiterposten in Altenholz. Die Gemeinde hatte er schon während des schulischen Teils seiner Ausbildung an der Verwaltungsfachschule kennen gelernt und mochte die Region. Ehrich bewarb sich und konnte sich in einem mehrteiligen Auswahlverfahren gegen 39 weitere Bewerber durchsetzen.

Ehrich mag den Umgang mit Menschen und der nahm mit dem Posten als Büroleiter natürlich zu. Die Arbeit in Kuratorien, Ausschüssen und Arbeitsgruppen wurde mehr. „Ich habe immer den Kontakt zu den Menschen gesucht und trete ihnen wertschätzend gegenüber. Ich kann gut zuhören“, sagt er von sich. Als weitere Stärke sieht Ehrich, gerade in seinem Beruf, die Fähigkeit mit Sprache umgehen zu können. „Es liegt mir, abstrakte Sachverhalte so rüberzubringen, dass die Leute sie verstehen“, sagt er. Das kann er im Ratssaal oft anwenden. „Ich freue mich immer, wenn der Saal gut besucht ist und die Menschen Interesse daran haben, was in ihrer Gemeinde passiert“, sagt er .

Aber der Beruf fordert ihn auch. Ganz wichtig ist ihm dann, die Familie, seine Frau Marion (57), die er in diesem Jahr am 16. Juli auf Gut Projensdorf geheiratet, und Sohn Jan (26) als Rückhalt zu haben. Jan ist nach dem Bachelor in Phsyik für den Masterstudiengang nach Göttingen gezogen. „Eine tolle Stadt, studentisch geprägt“, sagt Ehrich. Ein paar Mal war er mit seiner Frau schon da. Sie ist Lehrerin und hat vor fast vier Jahren den Posten der Schulleiterin an der Isarnwohld-Schule in Gettorf übernommen. „Sie ist eine gute, eine kritische Begleiterin“, sagt er über sie. Er bespreche viel mit ihr und sie gebe ihm ehrliche Rückmeldung – „das ist mir sehr, sehr wichtig“.

Neben Göttingen hat es ihm noch eine andere Stadt besonders angetan: Er liebt Berlin. Und er mag Föhr „Das reicht für mich eigentlich an Urlaubszielen“, sagt er und muss lachen. Um die Urlaube kümmert sich deshalb auch seine Frau, aber er ist offen für Neues. Inzwischen hat er die Toskana lieben gelernt: „Die Menschen, die Sprache, die Landschaft, der Wein – traumhaft“. Er war mehrmals auf Mallorca und im Sommer in St. Petersburg, Tallinn und erneut zum Besuch in Altenholz´ Partnergemeinde Paldiski in Estland. Auch der nächste längere Urlaub soll in die Toskana gehen – oder nach La Gomera „Das Klima soll toll sein, das würden wir gern kennen lernen.“

Carlo Ehrich läuft gern, schon sechs Mal ging er beim Marathon in Hamburg an den Start. Aber für regelmäßige und längere Übungsläufe fehlt im Moment die Zeit. Ähnlich sieht es mit dem Lesen aus. Ein Buch durchzulesen – das klappt zur Zeit nur im Urlaub. Auch im Garten findet der Bürgermeister Entspannung. 2006 ist er mit der Familie in die Peerkoppel gezogen. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und genießen die Ruhe“. Auch wenn er nach den Ideen seiner Frau angelegt wurde, ist der Garten doch eher sein Reich. „Ich mag das Rumpuzzeln. Abends gehe ich immer noch mal rum, schneide Rosen oder sammel Schnecken“, so Ehrich.

Eine große Rolle spielt die Musik in Ehrichs Leben. Er hat viele CDs, „echte Platten“ aus Vinyl und mag viele Stilrichtungen.

Als echter Fan bezeichnet Carlo Ehrich sich, wenn es um Heinz Rudolf Kunze geht. „Ich kenne keinen anderen Musiker, der Texte in deutscher Sprache schreibt und dabei so kritisch und unkommerziell ist. Wer ein Lied über Kafka schreibt und es auch noch auf Konzerten spielt, der nimmt keine Rücksicht darauf, was die Leute hören wollen“, sagt er. Schon unzählige Male hat er Konzerte und Lesungen von Kunze besucht. Nach einer Lesung ist Ehrich bis zum Schluss geblieben, um sein Buch signieren zu lassen, und kam mit dem Künstler ins Gespräch. „Unvergessen – wir haben uns in der Traumfabrik zusammengesetzt und bestimmt zwei Stunden gesprochen“, erinnert er sich gern. Auch Bob Dillan hat er schon mal live gesehen und findet, es gut, dass er gerade mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. „Das ist angemessen. Ich kann den Disput, darüber dass ein Lyriker den Preis bekommt, nicht verstehen“, sagt er.

Carlo Ehrich hört nicht nur zu Hause gern Musik. Er schwärmt davon, auf Konzerte zu gehen – „zur Erbauung“. So entspannt will er auch in das Wahlwochenende starten. Mit einem Freund fährt er zu einem Musikfestival an den Weißenhäuser Strand und will sich Wilco und Dinosaur Jr. anhören. Erst am Sonntag kommt er zurück. „Wieso nicht? Bin doch rechtzeitig wieder da, um meine Stimme abzugeben und das Ergebnis zu erfahren“, sagt er und lacht.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 06:47 Uhr

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