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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 19:33 Uhr

Mit dem „Taxi“ auf den Kartoffelacker

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sonderanfertigung ermöglicht Rollstuhlfahrern einen Feldbesuch / Erklärungen über die Kartoffel von A wie Anbau bis Z wie Zubereitung

Es gibt Fragen, über die wundert sich Carsten Fedder inzwischen nicht mehr. Zum Beispiel, wenn sich Verbraucher im März erkundigen, wann es die ersten Frühkartoffeln gibt. „Da stellt man fest, dass der Zyklus der Jahreszeiten für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich ist“. Das möchte der Landwirt auf Gut Schirnau bei Bünsdorf ändern. „Wir wollen den Menschen zeigen, wie wir Lebensmittel produzieren“, erklärt er. Unter dem Motto „Vom Feld zum Kochtopf“ können sich Schulklassen aber auch Privatpersonen informieren. Nur – für einige von ihnen ist der Weg zum Acker zu weit. Nämlich dann, wenn sie im Rollstuhl sitzen oder Gehbehinderungen haben. Um auch dieser Gruppe einen Feldbesuch zu ermöglichen, kam Familie Fedder der Gedanke zu einem barrierefreien Transportmittel: dem Ackertaxi.

„Bei uns haben Sie immer ein Dach über dem Kopf“, lud Carsten Fedder gestern zahlreiche Besucher aus der Region zur Jungfernfahrt ein. Und der Einstieg ist auch einfach. Verwendet wurde ein handelsüblicher Hänger, der absenkbar ist (Aufstiegshöhe zwanzig Zentimeter) und mit dem ansonsten landwirtschaftliche Geräte transportiert werden. Mit Unterstützung von Sponsoren erhielt er einen Aufbau, ein abnehmbares Dach und Bänke.

„Wir fahren ausschließlich auf Privatgelände“, erläutert Fedder den Einsatz auf dem 220 Hektar großen Gut. Vom Hof aus führt der Weg durch sattgrüne Weizenfelder (rund 120 Hektar Winterweizen). Linker Hand blüht der Raps, der auf 65 Hektar angebaut wird. Dann folgen die Kartoffelacker: Mit 24 Hektar nicht die größte Fläche, aber die Kartoffeln vermarktet Gut Schirnau selbst. Sieben Kräfte aus der Region haben hier einen Voll- beziehungsweise Teilzeit-Job während des ganzen Jahres. Bevor die Kartoffeln geerntet, sortiert, aufbereitet, abgepackt und an den Einzelhandel ausgeliefert werden können, müssen sie jedoch erst angepflanzt werden.

Manchmal fragen Besucher den Landwirt nach Samenkörnern. Der weiß nicht, ob er darüber lachen oder weinen soll. Denn: Eine Kartoffel in die Erde stecken („setzen“ sagt der Fachmann) genügt. Das geschieht Mitte April. „Ab Juli können wir dann die ersten Frühkartoffeln ernten“, sagt Fedder. Von Mitte Juli bis Mitte September werden Kinder mit dem Acker-Taxi aufs Feld gefahren. „Dort können sie Kartoffeln ausbuddeln“, erklärt der Landwirt, „und danach in unserer Kochschule zubereiten“. Und anschließend essen. Auf diese Weise erfahren die Kinder den Kreislauf „vom Feld zum Kochtopf“. Kreispräsident Lutz Clefsen war jedenfalls begeistert: „Ich komme mit meinen Enkeln wieder“, versprach er.


> Nächster Kurs in der Kochschule Gut Schirnau am Mittwoch, 29. Juni: Grillsaison. Kartoffel-Testessen am Donnerstag, 22. September. : www.gut-schirnau.de

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erstellt am 27.Mai.2016 | 06:46 Uhr

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