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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 23:15 Uhr

Landwirtschaft in der Krise : Milchbauern vergeben kaum noch Aufträge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Lohnunternehmer Rüdiger Bahr baut andere Sparten aus / Aufträge von Milchbauern brechen weg

Waren Bagger und Mitarbeiter des Lohnunternehmens Bahr aus Tingborn in den Vorjahren im Frühjahr pausenlos auf den Äckern unterwegs, um Drainagen zu erneuern oder Weiden zu entwässern, so ist dieser Betriebszweig 2016 stark weggebrochen. „Wir haben fast keine Aufträge mehr bei Milchviehbetrieben“, stellt Firmeninhaber Rüdiger Bahr fest. Seitdem der Preis für Milch rapide sinkt, plagen auch den Lohnunternehmer Umsatzeinbußen.

Viele Milchviehbetriebe müssen aufgeben. Ihre Rinder verkaufen sie an die wenigen Großen. Auch landwirtschaftliche Flächen werden oft an die großen Landbesitzer verpachtet, so Bahr. Fallen auf diesen Flächen Drainagearbeiten an, dann werden die in Eigenregie der Höfe und Güter ausgeführt, so Bahrs Erfahrung. Es werde nur selten etwas vergeben. Auch das Häckseln des Weidegrases als Rinderfutter oder im Herbst von Mais als Futter oder für Biogasanlagen, Arbeiten, die sie oder die anderen Lohnunternehmer bisher als Dienstleistung erbrachten, entfallen. Für sein Unternehmen bedeutet das, dass deutlich weniger Aufträge reinkommen. Landesweit werde von einem Umsatzrückgang von rund 20 Prozent bei Lohnunternehmen gerechnet, die nur für Milchviehbetriebe arbeiten, berichte Bahr.

So hoch sind Bahrs Einbußen nicht. In 2015 registrierte er gut drei Prozent Einbußen. In diesem Jahr muss er vermutlich mit zehn bis 15 Prozent Umsatzrückgang in dem Geschäftsfeld rechnen. Der Lohnunternehmer hat reagieren müssen. Zusätzlich zu den landwirtschaftlichen Dienstleistungen bei Feldarbeit und Ernte, hat sich Bahr verstärkt um öffentliche Aufträge für Tiefbauarbeiten gekümmert, damit seine zwei Rad- und drei Raupenbagger nicht stillstehen. Auch die Auslastung im privaten Baubereich konnte verbessert werden. Außerdem sind seine Fahrzeuge und insgesamt sieben Mitarbeiter auf Pferdehöfen und bei zwei Biogasbetrieben im Einsatz. Für 2016 hat der Unternehmer ein gutes Gefühl, die Einbußen gut kompensieren zu können und die Mitarbeiter zu halten. Das tun sie jedes Jahr, denn auch über Winter werde keiner entlassen. „Das ist einfach ein ganz tolles Team mit viel Erfahrung, die gut zusammenarbeiten“, sagt Margaretha Bahr. Ihre weiteren Betriebszweige außerhalb der Landwirtschaft ermöglichten das.

In die Glaskugel schauen, wie die Jahre ab 2017 werden, ob sich die ernste Lage der Milchbauern noch verschlechtert, können sie nicht. Auf Dauer sei es jedoch unwirtschaftlich, bei sinkenden Einnahmen und konstanten fixen Kosten das Modell fortzusetzen. Bereits jetzt verzichten sie auf größere Investitionen, unter anderem in den Fuhrpark, der sieben Schlepper, drei Gras- und Maishäcksler, drei Mähdrescher und sechs Anhänger verschiedener Aufbauten umfasst. Um Kosten zu sparen versuchen sie Reparaturen selbst zu erledigen. Dass ihr Verhalten auf die nächste Ebene, also Landmaschinenhandel und Reparatur, Auswirkung habe, sei ihnen klar. So zieht die Krise der Milchwirtschaft ihre Kreise, die immer größer werden.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 06:55 Uhr

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