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Eckernförder Zeitung

28. März 2017 | 04:28 Uhr

Wohnen im neuen Quartier : Mieten statt kaufen an der Nooröffnung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Finale Sitzung der interfraktionellen Arbeitsgruppe: An der Nooröffnung soll vorrangig barrierefreier Mietgeschosswohnungsbau entstehen.

Eckernförde | In ihrer vierten und letzten Sitzung hat die interfraktionelle Arbeitsgruppe zur Nooröffnung am Donnerstagabend unter der Leitung von Katharina Heldt (CDU) eine Reihe von Empfehlungen für den Hauptausschuss erarbeitet. Grundlage der Entscheidungen waren die Workshop-Ergebnisse und die Vorschläge von Bürgern in und nach der Einwohnerversammlung. Der Hauptausschuss tagt am kommenden Mittwoch um 17.45 Uhr im Ratssaal und wird eine finale Beschlussempfehlung für die Ratsversammlung am Donnerstag, 8. Juli, um 17.45 Uhr aussprechen. Danach wird der Investorenwettbewerb mit den beschlossenen Vorgaben, Wünschen und Empfehlungen formuliert und für die Ausschreibung vorbereitet. Alexandra Dahmen vom Sanierungsträger BIG Städtebau hatte alle Anregungen und Workshop-Ergebnisse in einer Tabelle zusammengestellt und daraus Anmerkungen und Empfehlungen für die Beschlussfassung abgeleitet. Die Ausschussmitglieder gingen die Liste Punkt für Punkt durch und entwickelten daraus Beschlussempfehlungen. Schlussabstimmung: Sechs Ja-Stimmen für das vorgelegte Konzept, eine Nein-Stimme von Herbert Kreis (Bürger-Forum) und zwei Enthaltungen.

Dem Vorschlag aus der Einwohnerversammlung von Karin Lilie, die sich an der Nooröffnung eine kleine Speicherstadt als Anbindung an die mit Speichergebäuden bestückte Altstadt vorstellen kann, folgte die Arbeitsgruppe nicht. Wenn überhaupt wäre so etwas an der Gaehtjestraße möglich, aber nicht sinnvoll, da man damit die Gestaltungsmöglichkeiten unnötig einschränken würde, erläuterte Alexandra Dahmen. Die Bebauung der Gaehtjestraße sei Bestandteil des Grundkonzepts und müsse erfolgen, wenn auch in niedrigerer und lockererer Bebauung als ursprünglich geplant. Festgelegt wurde eine zweigeschossige Bebauung mit sechs Meter Traufhöhe und Satteldach für eine maritime, hafentypische Nutzung im Erdgeschoss. Die Flächen direkt am Wasser sollen nicht verkauft sondern als öffentliche Fläche und Promenade genutzt werden. Die Eingabe von 181 Bürgern, die sich gegen eine Bebauung der Gaehtjestraße ausgesprochen hatten, wurde diskutiert, fand jedoch kaum Widerhall. „Die Promenade bleibt erhalten, die Aufenthaltsqualität wird dort besser, nicht schlechter“, sagte Frauke Piechatzek (SPD). Die Grundstücke würden verkauft, „da hängen auch Fördermittel dran“. Für die Grünen sei die „Innenstadtverdichtung“ politisches Programm, sagte Edgar Meyn. „Es gibt keine Nooröffnung ohne die Gaehtjestraße und Noorstraße.“

Zentrales Thema war die Bebauung an der Nooröffnung. Die Arbeitsgruppe lässt dabei offen, ob nur ein oder mehrere Investoren zum Zuge kommen sollen.Wichtig sei die Bewertung des Gesamtkonzepts, man könne nicht dem einen Investor den Boden und dem anderen die Sahne überlassen, meinte Edgar Meyn (Grüne). Insgesamt sind an der Nooröffnung vier Baufelder zu entwickeln: direkt an der Wasserfläche (zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss), im Bereich dahinter (drei Vollgeschosse plus Dach), an der Gaehtjestraße (zweigeschossig plus Satteldach) und am Schulweg für den Einzelhandel, listete Bürgermeister Jörg Sibbel auf.

Die Arbeitsgruppe ließ keinen Zweifel daran, dass dort vorrangig Mietwohnungen entstehen sollen, und zwar sämtlich barrierefrei, d.h. mit Fahrstuhl erreichbar. Nach den Eigentumsprojekten Carlshöhe und Hafenspitze müssten nun endlich auch mal die Mieter zum Zuge kommen, sagte Karin Himstedt (CDU). Wenn man die 50 bis 70 Wohnungen auch noch in Eigentums- und Mietwohnungen aufspalte und davon wiederum Mieteinheiten für den sozialen Wohnungsbau rekrutieren müsse, „kann man die Sozialwohnungen an einer Hand abzählen, das kann es nicht sein“, so Himstedt. Sie hätte auch nichts dagegen, wenn alle Wohnungen zur Miete angeboten würden. Edgar Meyn (Grüne) pflichtete ihr bei. Wohnen müsse bezahlbar bleiben, der Anteil sozialer Wohnungsbau auf 25 Prozent der gesamten Wohnungsfläche zu einer Mietobergrenze von 5,20 Euro pro Quadratmeter festgeschrieben werden. „Das ist Stadtteilpolitik“ und dürfe nicht den Investoren überlassen werden. Bürgermeister Sibbel hält eine Unterteilung zwischen Wohneigentum in der ersten Reihe und Mietwohnungen dahinter für „problematisch“, weil sich dadurch eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ an der Nooröffnung etablieren könnte. Oliver Fink (FDP) hingegen bedauerte, dass es damit nicht mehr, wie im Workshop besprochen, zu einer „gesunden Durchmischung von Miet- und Kaufobjekten“ komme. Er hätte es begrüßt, wenn „alle Schichten“ dort leben könnten, „das hätte einen großen Charme“. Herbert Kreis (Bürger-Forum) kritisierte ebenfalls, dass dadurch kaum mehr Wohneigentum an der Nooröffnung möglich sei. „Gerade die Häuser an der Wasserkante müssen doch etwas darstellen“, sagte Kreis. Himstedt und Dahmen betonten, dass die Gestaltungsfragen erst in der Wettbewerbsphase thematisiert würden, jetzt gehe es vornehmlich um die Wohnnutzung.

Über die Bewertungskriterien und deren Gewichtung soll im Hauptausschuss am kommenden Mittwoch entschieden werden.

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erstellt am 04.Jul.2015 | 06:00 Uhr

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