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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Tag des offenen Stützpunkts : Marine zeigt Einsatz und Technik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Knapp 5000 Besucher kamen zum Tag des offenen Stützpunkts. Die Besucher erlebten unter anderem eine Boardingübung auf dem Tender „Main“ hautnah mit.

Eckernförde | Der Tender „Main“ ist voller Menschen. Um kurz vor 14 Uhr nähern sich plötzlich zwei schwarze Schlauchboote dem Versorger, nur wenige bekommen davon etwas mit. Eine Leiter wird an die Schiffswand gehängt, die schwer bewaffneten Soldaten steigen auf, gehen an Bord, sichern sich gegenseitig ab und steigen hinauf Richtung Brücke. Genau so könnte ein Einsatzszenario für die Boardingkompanie des Seebataillons aussehen. Ihr Job: das Entern feindlicher Schiffe, die Durchsuchung, das Ausschalten von Gegnern und die Befreiung von Geisel. Ein Unterfangen, das nur den absoluten Spezialisten der Eckernförder Boardingsoldaten vorbehalten ist, weil nur sie die Gewähr bieten, dass solche Einsätze erfolgreich verlaufen. Beim Tag des offenen Stützpunkts zeigten sie gestern, wie so ein Einsatz verlaufen kann. Staunend und größtenteils fasziniert verfolgten die Besucher am Oberdeck des Tenders das realistische Szenario.

Dass die Marine in Eckernförde viel zu bieten hat, hat sich herumgesprochen. Bereits am Tag der Marine am 27. Juli strömten die Besucher in den Stadthafen, 3500 waren es im Laufe des Tages. Diese Marke wurde gestern schon um 14 Uhr erreicht, der Andrang wurde im Laufe des Tages immer größer, so dass es am Ende um die 5000 Besucher gewesen sein dürften, die die Marinetore passiert haben. Alle Parkplätze im Umfeld waren besetzt, und der Shuttleservice per Bus und per Barkasse hatte reichlich zu tun. „Ich bin begeistert“, kommentierte Kommandeur Kapitän zur See Bernd Ufermann das große Interesse und die große Resonanz. Für die Soldaten, die auf den Booten, Schiffen und aufgebauten Stationen unentwegt Rede und Antwort stehen mussten, dürften die Begegnungen mit den vielen Zivilisten eine willkommene Abwechslung im Marinealltag gewesen sein.

Wie nicht anders zu erwarten, standen die U-Boote besonders im Blickpunkt. Zwei Boote der Klasse 206A konnten besichtigt werden – von jedermann, aber nicht von allen. Denn die enge Röhre ist nicht für Massenführungen geeignet, sondern erlaubt nur kleine Besucherzahlen. Und diese Plätze wurden verlost. Der Andrang war enorm. Die Besatzung selbst spielte die Losfee, die gezogenen Besuchernamen wurden ausgerufen, das Los übergeben und schnell ging’s danach Richtung Liegeplatz. Zutritt gab’s nur einzeln, und so bildeten sich auch dort vor der Gangway zu den beiden U-Boote kleine Warteschlangen. Enrico Schmidt (11) aus Wentorf bei Hamburg hatte Glück, durfte an Bord. Gewonnen hatte eigentlich sein Vater Sascha, doch er ließ seinem Sohn, der an Technik interessiert ist, den Vortritt.

Alte und neue Technik war auf dem Stützpunkt überall zu finden. Da waren die 100 alten militärischen Kraftfahrzeuge vom kleinen Iltis über US-Tieflader bis hin zum österreichischen Schützenpanzer, Baujahr 1960, mit Platz im Mannschaftsraum für zehn Soldaten. Alles in Privatbesitz, selbst der Schützenpanzer, der Marc Göhring aus Frankfurt a. M. gehört. Der 46-Jährige hat das gute Stück vor etwas mehr als einem Jahr erworben, welchen Preis er dafür gezahlt hat, wollte er nicht verraten. Er fährt seinen Panzer auf speziellen Veranstaltungen auf abgesperrtem Gelände, vorzugsweise auch auf Truppenübungsplätzen. Das Kettenfahrzeug ist demilitarisiert, verfügt über keinerlei Waffen und die Panzerung ist geschwächt. Nach Eckernförde wurde er mit einem militärischen Speziallaster transportiert, der wiederum einem Kollegen aus dem Militärfahrzeugforum gehört – einer hilft dem anderen. Derzeit findet in Boostedt bei Neumünster ein bundesweites Treffen der Militärfahrzeugfans statt.

Während dicht über dem Marinehafen eine Transall aus Hohn die Marine grüßte, drängten die Besucher an Bord der Boote und Schiffe. Auf dem Tender „Main“ war vor allem der Torpedoklarmachraum (TKR) umlagert. Versorgungsmeister Oberbootsmann Artjom Morev und seine Kollegen erläuterten, wie die 16 zwischen 1220 und 1771 Kilo schweren Torpedos gelagert und auf See in die U-Boote verladen werden. „Die Torpedos erreichen mit 30 bis 40 Knoten ihr Ziel, wobei meistens zwei bis drei Torpedos auf ein Ziel abgefeuert werden. Da kommt kein Schiff weg“, sagt der Versorgungsmeister. Während an der Pier die Marinetaucher dicht umringt waren und zu Demonstrationszwecken auch ins Wasser gingen, gab es an Bord des Minenjähers „Dillingen“ Einblicke in die Drohnentechnik. Die mit Sonar, Kamera und Scheinwerfer ausgestattete Drohnen kommen nicht nur in der Luft, sondern auch unter Wasser zum Einsatz. Die seit 2005 an Bord eingesetzte Minenjagddrohne „Seefuchs“ – Materialwert ab 20  000 Euro aufwärts – gibt es gleich in zwei Ausführungen – die eine spürt Minen auf, die andere sprengt sie.

Die Marine hat gestern neben dem Info- und Aktionsprogramm auch für Unterhaltung – unter anderem mit der Band „Stromabnehmer Schultze“ –, Spielangebote für Kinder und Verköstigung der Gäste gesorgt.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 06:20 Uhr

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