zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Landwirtschaftsserie : Maisaussaat erfordert alle Kräfte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 4: Weidenpflege auf 40 Hektar und Vorbereitung für den Maisanbau auf rund 70 Hektar bilden Arbeitsschwerpunkt im April auf dem Hof Köhn

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Die Zeit drängt. Alle Kräfte und zusätzlich Lohnunternehmer sind im April im Einsatz, um rund 75 Hektar Acker mit Mais zu bestellen. „Der Mais ist absolut eine Arbeitsspitze“, sagt Landwirt Reimer Köhn. Die Böden sind gut abgetrocknet, so dass die großen Fahrzeuge nicht stecken bleiben. Bevor aber im letzten Arbeitsgang die Maissaat mit einer speziellen Drillmaschine in den Boden kommt, waren zahlreiche Vorarbeiten nötig. Bereits im März war Gülle auf die Flächen ausgebracht worden. Es folgte die Einarbeitung des Naturdüngers mit einer Scheibenegge. Jetzt im April erfolgte die Bodenbearbeitung der Äcker mit dem Pflug. In einem weiteren Arbeitsgang wurde der Boden mit der Kreiselegge „glatt“ gemacht. Konnte der Betrieb Köhn diese genannten Arbeitsgänge mit eigenen Mitarbeitern und Maschinen erledigen, so nutzt Reimer Köhn die Dienstleistung des Lohnbetriebs Rüdiger Bahr für die Aussaat des Mais. „Die Drillmaschine ist teuer, und ich brauche sie nur fünf Tage im Jahr“, sagt Köhn, „das rechnet sich nicht“. Mit Dennis Sandhack hat Rüdiger Bahr Reimer Köhn seinen ehemaligen Lehrling geschickt. „In der Branche kennt man sich“, sagt Köhn und hat mit Dennis den Fahrplan für den Tag abgesprochen. Mit 8,5 Stundenkilometer zieht dieser in Blickweite der Mühle Anna seine Bahnen und bringt die Maissaat exakt 5,5 Zentimeter tief in den Boden. „Das muss passen“, sagt Sandhack und freut sich, dass die Nachmessung von Köhn das bestätigt. Zu tief keimen sie zu spät, zu flach keimen sie zu früh, erklärt Köhn. Rund zwei Hektar schafft Sandhack in der Stunde. Köhn legt viel Wert auf eine ordentliche Bestellung der Äcker. „Bei schnell, schnell geht zu viel schief“, dass reduziere nur den Ertrag, sagt Köhn.

Und während sich Köhn noch über den guten Fortschritt bei der Aussaat freut, erreicht ihn ein Anruf von Torben Eller. Er sitzt stundenweise für Köhn im Traktor und pflügt östlich vom Norbyer See. Dort wird später auch Mais gesät. Der Mais sei eine sehr anspruchslose Pflanze, die vor allem auf den leichten Böden steht. Köhn könne auch Roggen säen, aber Mais sei ihm als Futterlieferant für seine Tiere wertvoller. Doch Eller hat schlechte Nachrichten. Ein Bolzen samt Schraube ist an der Pflughalterung abgerissen, und Köhn hat kein Ersatzteil auf Lager. Das kostet Zeit, vor allem, da das Wetter schon bald wieder nass und kalt werden soll. Köhn setzt alle Hebel in Bewegung und telefoniert herum und hofft auf schnellen Ersatz.

Zurück auf dem Hof spricht Köhn mit Martin Buschkowsi. Er ist seit rund eineinhalb Jahren auf dem Hof tätig. Auch er war schon mit der Egge unterwegs. Seine Aufgabe ist aber heute die restliche Weidepflege. Die musste zunächst warten, da der Mai Vorrang hat. Damit das Gras schön kräftig und dicht wächst, muss es gepflegt werden, erklärt Köhn. Zunächst werden die rund 40 Hektar mit der so genannten Schleppe bearbeitet. „Das ist wie ein Vertikutierer im Garten“, erläutert Köhn. Auf einer Breite von sechs Metern verfügt der Stahlrahmen über Dorne und Ringe, die einerseits die Grasnarbe beim Darüberziehen anritzen und so die Grasnarbe belüften. Zudem sorgt das für einen Wachstumsimpuls. Zusätzlich werden Maulwurfhügel eingeebnet. Damit die Lücken im Rasen wieder dicht wachsen und kein Unkraut hoch kommt, werden parallel dazu bis zu 15 Kilogramm Gras-Saat je Hektar mit dem Streuer ausgebracht. In einer erneuten Überfahrt wird der Boden mit einer Walze angedrückt. Etwa ab dem 15. Mai erfolgt dann der erste Rasenschnitt, um damit Futter für die Rinder auf dem Hof zu gewinnen.

Unterstützung bekommt das Ehepaar Köhn auch von den Großeltern Richard (83) und Gerda Köhn (81). Während sich Gerda Köhn unter anderem um etwas Federvieh kümmert ist Richard Köhn über all auf dem Hof unterwegs. Zu tun gibt es immer und überall etwas. Heute sitzt er auf dem Aufsitzrasenmäher und mäht die Rasenflächen am Haus und auf den Hofflächen. Je nachdem ob sein Sohn Reimer den fehlenden Bolzen samt Schraube für den Pflug auftreiben kann, wird er alles stehen und liegen lassen, und mit dem Auto das Ersatzteil abholen.

Im Mai stehen vor allem die erste Grasmahd und die Vorbereitung der Silage an. Außerdem erfolgen noch Pflanzenschutzarbeiten.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 26.Apr.2016 | 06:48 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen