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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Ernteumzug : Mahnung an die Verbraucher

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Abschlussveranstaltung am Innenhafen / Scharfe Kritik an „Billig um jeden Preis“

Eckernförde | „Sie kommen!“ Alarm auf dem Wochenmarkt: Blasmusik von den „Drums and Pipes“ und dem Schützenbläsercorps Kappeln kündigte unüberhörbar den Umzug der Landleute in der Fußgängerzone an. Menschen, Pferdewagen, seltene Oldtimer und Trecker-Veteranen sowie neuzeitliche High-Tech-Zugmaschinen zogen durch die Stadt. Organisiert vom Kreisbauernverband Rendsburg-Eckernförde und der Pommerschen Landsmannschaft zeigten bunt geschmückte Themenwagen alles, was die Landwirte bewegt: Bauernverband, Landjugend, Energie, Ernährung, Müsli und Milch, Landfrauen. Dabei zeigten sie auch den Wandel der Technik: Dreschen, früher und heute, mit landwirtschaftlichen Geräten. Was damals nur mit vielen Menschen zu schaffen war, erledigen heute große Maschinen. Teils Ungetüme, haushoch, und mit Riesenkräften ausgestattet, ersetzen sie menschliche Arbeitskraft. Geradezu zierlich wirken dagegen die kleinen Zugmaschinen von früher.

Deutlich wie selten, wurde damit den „Stadtmenschen“ der Wandel auf den Feldern und Höfen gezeigt. Es war auch der dringend erforderlicher Fingerzeig, dass am Anfang der Nahrungskette immer noch arbeitende Menschen stehen, die mit vollem körperlichen und finanziellen Einsatz Lebensmittel in großer Menge, guter Qualität und preisgünstig erzeugen. Gutes Essen, reichlich und preisgünstig, gehört zu den Selbstverständlichkeiten. Das Überleben in Sicherheit weniger. Finanziell ist das Risiko für Landwirte erheblich gestiegen. „Romantik hat es auf den Bauernhöfen nie gegeben“, erklärte Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbandes und Kreisvorsitzender von Rendsburg-Eckernförde, auf der Abschlussveranstaltung am Innenhafen. „Der Landwirts-Beruf hat sich grundlegend verändert. Er ist heute vergleichbar mit der Führungsposition eines mittelständischen Betriebes, allerdings auf eigenes finanzielles Risiko, abhängig vom Wetter und mit 24 Stunden Bereitschaftsdienst im ganzen Jahr.“

In der Abschlussveranstaltung wurde auch deutlich, dass hinter allen Körnern fürs Brot und Steaks für die Pfanne Menschen stehen, die sich ganz ihrem Beruf verschrieben haben. Zusätzlich ackern sie auch noch gegen Weltmarktpreise. Zu größten Teilen werden ihre Erzeugnisse nicht mehr direkt verkauft. Zwischenhändler verdienen mit, so dass hohe Qualität nicht immer mit hohen oder auskömmlichen Preisen honoriert wird. Die Milchkrise machte das deutlich.

Im Gottesdienst wies Propst Sönke Funck auf das Problem hin. „Wer kärglich sät, wird kärglich ernten“ heißt es in der Bibel. Nur, dass heutzutage viel zu oft reichlich gesät und dennoch nur kärglich geerntet werde. „Es darf Schluss sein mit dem „mehr“ und „billiger“ zu jeder Zeit“, sagte Funck. „Die Zeiten von guter Ernte und gutem Gewinn sind wegen des Weltmarktes längst vorbei“, ergänzte Klaus-Peter Lucht und wies mit „Stadt und Land, Hand in Hand“ auf die gegenseitige Abhängigkeit von Erzeugern und Verbrauchern hin.

Erstaunen beim Publikum darüber, dass die Erntekrone aus Brandschutzgründen nicht im Rathaus aufgehängt werden dürfe. Stattdessen erhielt Bürgermeister Jörg Sibbel nach seinem Bekenntnis zur Landwirtschaft einen Flechtkorb mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Dieser werde einen Platz im Bürgermeister-Büro finden. Die Erntekrone hingegen ist nun auf dem Hof des neuen Kronenbauernpaars Katina und Tobias Hansen in Kosel zu bewundern.  

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