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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 01:04 Uhr

Standmotorentag : Männer, Motoren und Maschinen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Verein für Museum und Chronikarbeit richtet 8. Standmotorentag an der Mühle Anna aus

Rieseby | Die Luft über dem Gelände der Mühle Anna in Rieseby war erfüllt mit Dampfwolken, Stampfgeräuschen und dem Geruch von Schmieröl und -fetten. Der Verein für Museums- und Chronikarbeit Rieseby rund um den Vorsitzenden Karl-Heinz Lappöhn hatte zur alle zwei Jahre stattfindenden Standmotorenschau in ihrer achten Ausgabe auf das Mühlengelände geladen. Insgesamt 30 Aussteller waren mit ihren Maschinen verschiedenster Art und Ausführung angereist, um sie Fachleuten und den mehr als 300 Besuchern zu präsentieren.

Alle zwei Jahre ist Showtime der Motorenveteranen verschiedenster Bau- und Funktionssysteme angesagt. Die ausgestellten Schmuckstücke und Raritäten, die mal als Motor im Fahrzeug, mal als Pumpenantrieb oder ganz puristisch für Antriebe aller Art von den Ausstellern gezeigt wurden, begeisterten die Besucher.

„Das Kind im Mann“, stellte Egon Mordhorst, langjähriger Vorsitzender fest, dies trete bei der Veranstaltung wieder einmal deutlich zu tage. Mit beinah hingebungsvoller Genauigkeit und fürsorglicher Pflege werden die Objekte von den Ausstellern gewartet, wieder instand gesetzt und für eine solche Schau herausgeputzt. Das nötige Fachwissen beziehen die technikbegeisterten Herren entweder aus ihren ehemaligen Berufen, aus dem alten Handwerk oder durch intensives Selbstlernen. Leidenschaft sei im Übrigen das Bindemittel, das alle Dampfmaschinenfreunde auf dieser Ausstellung eint, so Mordhorst. Zumeist sind sie in Vereinen organisiert wie beispielsweise der Verein „Technikgeschichte Schleswig-Flensburg“. So auch Hermann Karstensen aus Niebüll, der als gelernter Elektriker und ehemaliger Telekommunikationstechniker mit seinem großen Verdampfer „MAH 716“ der Marke Deutz aus dem Jahr 1928/1929 vertreten war. Dieser Dampfmotor mit elf Pferdestärken treibt eine große „Niagara“ Pumpe an, die bis zu 3300 Litern pro Minute Förderleistung erbringt. Mit sichtlichem Stolz blickte er immer wieder beim Erklären der Maschine auf den schwarzen, 1380 Kilogramm schweren, gusseisernen Koloss.

Trotz der immer wieder die Veranstaltung unterbrechenden Schauern, ließ es sich Karstensen nicht nehmen, freudestrahlend auf alle Fragen zu antworten. „Das Schöne“, so Karstensen, an diesem Hobby für ihn im Ruhestand sei es, „immer etwas zu tun zu haben.“ So könne er den Motor nach Tagesende nicht einfach in den Schuppen stellen und bis zum nächsten Präsentationstermin warten. Am Tag nach einer Ausstellung warte intensive Pflege und Nachbereitungsarbeit auf ihn, damit „das gute Stück weiterhin so her zeigbar“ bleibe, erklärte er.

Mit gleicher Hingabe aber wesentlich kleinformatiger ging es im Erdgeschoss der Mühle zu. Dort waren Maßstabsgetreue, detailverliebte Nachbauten von Motoren ausgestellt. Uwe Söhl aus Gettorf bekannte sich im Gespräch zu seiner Kinderliebe: „Ich habe mich schon als Kind für Dampfmaschinen begeistert. Insbesondere für die Technik und das Bauen.“ Der ehemalige Kapitän zur See zeigte auf seiner Ausstellungsfläche Schmuckstücke seiner Sammlung und wusste nebenbei noch viel historische Fakten zur Entstehungsgeschichte und Einsatzmöglichkeiten der Dampfmaschine zu berichten. Alles baut er maßstabsgetreu in seiner heimatlichen Werkstatt selbst, zu der seine geschätzte Ehefrau zwar Zugang habe, aber „nix anfassen dürfe“, so Söhl augenzwinkernd.

Vorsitzender Lappöhn und Mitorganisator Peter Märten zogen eine positive Bilanz, wenn gleich sie auf Grund des nassen Wetters weniger Besucher auf dem Mühlengelände zählten, als in den Vorveranstaltungen. Dennoch waren er und die Aussteller zufrieden und freuten sich über das Interesse an den alten Kraftwerken. Anders als gedacht, konnte der Riesebyer Verein aber nicht seinen instandgesetzten Ecke Motor in Betrieb zeigen, so Lappöhn. „Bei einem Probelauf vor der Ausstellung hörten wir ein Klopfen im Ecke Motor“. Bei der Demontage stellten sie ein massiv verschlissenes Pleuellager fest. Um den Motor zu schonen, wurde er nur ausgestellt. In Betrieb erleben konnten Besucher aber einen Ecke Motor, den die Firma Pommering mitgebrachte hatte, so Lappöhn glücklich. Bis 2018, wenn der nächste Standmotorentag geplant ist, soll ihr Ecke Motor wieder schnurren.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 06:23 Uhr

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