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Eckernförder Zeitung

24. März 2017 | 23:08 Uhr

WORTE treffen auf bilder und skulpturen : Literatur im Atelier: Künstler lädt Autoren ein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eckhard Kowalke initiert die neue Reihe „Lesung bei Kowalke“. Am 19. Mai liest Anja Röhl, Stieftochter von Ulrike Meinhof, bei ihm.

Eckernförde | Eckhard Kowalke ist extrem umtriebig – vor allem, wenn es um Kunst und Kultur im Eckernförder Raum geht. „Ich habe gleich im Zuge meiner Ankunft zu Beginn der 1990er Jahre in Eckernförde in der Stadtverwaltung nach Künstleradressen gefragt, um mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.“ Zwar existierte schon damals eine breit aufgestellte Künstlerszene im Ostseebad, so Kowalke, doch eine Vernetzung fehlte. „Jeder war eher so ein künstlerischer Einzelgänger“, charakterisiert der mehrfach prämierte und überregional renommierte Bildhauer und Maler den Zustand der damaligen Eckernförder Kunstlandschaft. Kurzerhand beschloss Kowalke, um dem ganzen Missstand Abhilfe zu schaffen, einen eigenen Künstlerverbund ins Leben zu rufen, der heute erfolgreich agiert und im Eckernförder Stadtbild und auf der Carlshöhe seine künstlerischen Synergien präsentiert.

Eine dieser Synergien ist die neu konzipierte Lesereihe „Literatur im Atelier. Lesung bei Kowalke“, zu der der unter anderem mit dem Bundeskunstpreis ausgezeichnete Begründer des neuen magischen Realismus die Tür seines Ateliers in regelmäßigen Abständen öffnet.

Zur Auftaktveranstaltung am Freitagabend hatte Kowalke den Lyriker und Autor Rainer Beuthel eingeladen, den viele Bürger aus seiner Zeit als Bibliothekar in der Eckernförder Stadtbücherei und heute als Ratsherr (Die Linke) kennen. Beuthel präsentierte am Lesepult inmitten Kowalkes zahlreichen groß- und kleinformatigen surreal aufgeladenen Gemälden und Skulpturen sein literarisches Schaffen der letzten 30 Jahre in drei thematischen Blöcken.

Der erste Block setzte sich aus lyrischen und prosaischen Reflexionen über die eigene Autorenposition („Aus meinem früheren Leben als Autor“), das politische Selbst und die eigenen Persönlichkeit auseinander. Im zweiten Block las Beuthel aus seiner Anthologie „Klappsverbrüllt“, die ebenfalls Lyrik und Prosatexte enthält. In Anlehnung an die prägnante, herbe und reduzierte Sprachlichkeit eines Tucholskys oder Brechts nahm Beuthel das interessierte Publikum mit in die Zeit seiner Kindheit, die wie viele andere in seiner Generation von Nachkriegshärte und unverstandener Autorität durch Eltern und Lehrer geprägt war.

Im letzten inhaltlichen Abschnitts las Beuthel aus seinem 2014 erschienen Roman „Ackstraßenmord – oder der verschwundene Brief“, der sich mit der deutschen Kolonialpolitik in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, kritisch auf der narrativen Folie eines kriminalistischen Verbrechens auseinandersetzt. Den Jahrestag des 100-jährigen Gedenkens an den Maji-Maji-Aufstand 1905-1907 und die Teilnahme an einer Konferenz zu diesem Thema nahm Beuthel zum Anlass, sich mit der Geschichte Tansanias näher zu beschäftigen. Seine ausführlichen Recherchen mündeten in eben jenem Kriminalroman. Wie bereits Uwe Timm schon 1978 in seinem thematisch nahestehenden Roman „Morenga“ versucht auch Beuthel, neben der europäischen Erzählhaltung die andere, afrikanische Stimme poetisch zu Wort kommen zu lassen.

Insbesondere der letztere Text regte das Publikum im Nachklang der Lesung zu Gesprächen und Austausch an – ganz nach Eckhard Kowalkes Vorstellung: „Wir werden hier Leute heran holen, die in der aktuellen Kunstszene Rang und Namen haben“ beschloss Kowalke den literarischen Abend und verwies bereits auf den nächsten Abend am Freitag, 19. Mai, an dem sich die Türen seine Ateliers erneut öffnen werden. Dann wird die Autorin Anja Röhl, Stieftochter der Journalistin und RAF-Mitglieds Ulrike Meinhof, am Lesepult sitzen und aus ihrem Text über die Beziehung zu ihrer berühmten Stiefmutter lesen.





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erstellt am 21.Mär.2017 | 06:47 Uhr

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