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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 18:59 Uhr

Abgefahren : Lego-Freak mit ausgefallenen Ideen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Martin Hüdepohl kreiert aus kleinen Legosteinen funktionierende Waffen für den Hausgebrauch und neuerdings Sex-Toys.

Eckernförde | Generationen von Kindern haben in Legosteinen gewühlt und aus roten, blauen, grünen, weißen, kleinen, großen, langen, dünnen oder dicken Steinen Häuser, Autos, Helikopter und noch vieles mehr gebaut. Meist nach Anleitung, manchmal auch in freier Konstruktion.

Unter ihnen war und ist immer noch Martin Hüdepohl. Allerdings in einer sehr speziellen Disziplin – er baut Waffen aus Legosteinen. Schon als Kind lagen ihm Pistolen und Gewehre mehr als Gartenhäuschen und Flugzeuge, nicht immer zum Gefallen seiner Eltern. Die kindliche Leidenschaft für Lego-Waffen ist geblieben, die Ausführung allerdings hat der 35-Jährige extrem professionalisiert. Er baut seit einigen Jahren hochkomplexe Eigenkreationen, die in keiner Bauanleitung zu finden sind. Außer in seiner eigenen. Der Eckernförder, der seit einigen Jahren in Hamburg lebt und nach seinem Abitur an der Gesamtschule und seinem anfänglichen Elektrotechnikstudium nun als selbstständiger Programmierer, Lektor, Buchautor und Erfinder sein Geld verdient, hat seine Leidenschaft für selbstentwickelte Lego-Waffen entdeckt und US-Verlage gefunden, die seine Baupläne veröffentlichen.

Seinen drei bisherigen Büchern folgt jetzt „das ultimative Buch“ mit dem Titel „Elite Weapons for Lego Fanatics“. Eine Bauanleitung, verbunden mit einer selbstkomponierten, comic-artig aufgemachten Foto-Story: Eine Soldatin – als Fotomodell diente übrigens seine Nachbarin, eine Modedesignstudentin – wird vom Weltraumkommando auf den fernen Lego-Planeten geschickt, um dort die Mutanten mit selbst zusammengebauter (Lego-)Ausrüstung zu bekämpfen – eine Story ohne Blutvergießen und mit Happy End: Die Soldatin und die Mutanten verbrüdern sich am Ende. Wer nachempfinden möchte, wie daraus 356 Seiten werden konnten und wie man aus 1610 Legosteinen das derzeit wohl größte Lego-Maschinengewehr mit 12 Schuss (Lego-)Munition baut, findet in dem Buch die passenden Antworten. Auch ein Video soll dazu entstehen.

Zugegeben, „Mainstream“ ist Martin Hüdepohls Auftritt nicht, eher unkonventionell und ziemlich schräg. Hinter seinem Enthusiasmus steckt allerdings nicht etwa eine unreflektierte Waffenliebhaberei, sondern ein hohes Maß an Kreativität und Leidenschaft für die kleinen Steine mit dem großen Konstruktionspotenzial. „Waffen interessieren mich nur im Geiste und in der künstlerischen Auseinandersetzung“, sagt der hochgewachsene Lego-Freak mit dem Hang zu ausgefallenen Ideen. Seine 13 Modelle in dem neuen Buch von der kleinen „Nice – 1“ bis zur „gigantisch großen Dinosaur Superior“ sind alles Unikate und funktionstüchtig. Auch das Design der Waffen ist „made by Hüdepohl“. Sicher nicht jedermanns Sache, aber in jedem Fall bemerkenswert, was aus den Steinchen so alles entstehen kann. Nachbauten realer Waffen oder „Knarren“, wie er auch gerne sagt, findet Hüdepohl eher fad. Aber es scheint eine Nachfrage dafür zu geben, und daher hat er auch eine Replika von Heckler & Kochs Sturmgewehr G3 mit ins Programm genommen. Ansonsten aber setzt er durchweg auf Eigenkreationen, mit der der Lego-Tüftler „ein Genre begründet“ hat, wie er sagt. In Zahlen: 13 Modelle, 700 Konstruktionsschritte, 6000 verbaute Teile.

Hüdepohl, der auch andere Dinge wie zum Beispiel Gürtel als Halter für PET-Flaschen kreiert und damit schon in der MDR-Reihe „Einfach genial“ vertreten war, hat seinen Blick neuerdings auch auf die Erotik-Branche geworfen. High Heels und andere Accessoires aus Lego – ebenfalls unkonventionell und schräg. Daraus ist ein Buch mit dem Titel „Lady’s Lego Love Toys“ entstanden, für das der Autor noch einen Verlag sucht. Mittlerweile hat der gebürtige Eckernförder auch eine Agentin, die ihm den Weg zur Erotik-Messe „Venus“ ebnen soll, wo er seine Kollektion vorstellen möchte.

Das große Ziel von Martin Hüdepohl ist es, mit seinen Fähigkeiten selbst Teil der offiziellen Lego-Welt zu werden. Eine erste Bewerbung in der Konzernzentrale im dänischen Billund ist allerdings gescheitert, weil die Zielgruppen nicht kompatibel waren. Martin Hüdepohl wird weiter am Ball bleiben, um irgendwann als Mitarbeiter in die „heiligen Hallen Billunds“ einziehen zu können.

Entmutigen lässt sich der kreative Kopf jedenfalls nicht. Martin Hüdepohl wird weiter kreativ mit den genoppten, kleinen Bausteinen arbeiten, die nach wie vor eine große Faszination auf ihn ausüben. Mal abwarten, auf welche Ideen er dabei noch kommt.

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erstellt am 15.Jul.2016 | 06:01 Uhr

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