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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 10:05 Uhr

Deutliche Worte an den Sparkassen-Vorstand : Landrat watscht Förde-Sparkasse ab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rolf-Oliver Schwemer kritisiert Filialschließungen vor dem Kreistag: Bankvorstand handele ohne Strategie

Eckernförde | Die Kritik an den vergangene Woche angekündigten Filialschließungen der Förde-Sparkasse reißt nicht ab. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer hat den Vorstand der Bank gestern vor dem Kreistag mit deutlichen Worten gerügt. Er könne „das jetzt vorgestellte Schließungskonzept nicht mittragen“, sagte er. Das Kieler Geldinstitut hätte sein Vorhaben besser erklären müssen. Zudem beklagte der Landrat, dass die Förde-Sparkasse offenbar überhaupt kein Konzept habe, wie sie ihren Aufgaben künftig im ländlichen Raum nachkommen wolle. Diese Versäumnisse lastete Schwemer den Vorstandsmitgliedern Götz Bormann (Vorsitzender), Ulrich Boike, Dr. Martin Skaruppe und Wilfried Sommer schwer an.

Die Förde-Sparkasse hatte in der vergangenen Woche angekündigt, im November fünf ihrer 83 Filialen zu schließen (wir berichteten). Drei weitere sollen zu Selbstbedienungsfilialen umgebaut werden. Neben Kiel (eine Filiale) und dem Kreis Plön (vier Filialen) ist der Altkreis Eckernförde mit drei Außenstellen – Eckernförde-Nord (Ostlandstraße), Karby und Osdorf – stark betroffen. Deshalb hagelte es Kritik. Nicht nur aus den Reihen der Kreis-Politik, sondern vor allem von den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen Eckernförde, Osdorf und Karby.

In seinem Verwaltungsbericht vor dem Kreistag äußerte Rolf-Oliver Schwemer durchaus Verständnis dafür, dass die Förde-Sparkasse ihr Filialnetz unter die Lupe nehme, das sei Teil einer Entwicklung der gesamten Branche. Zu den Gründen zählen ihm zufolge geschrumpfte Margen wegen der Niedrigzinsphase, steigende Eigenkapitalanforderungen in Folge der Finanzmarktkrise und geändertes Kundenverhalten. Das müsse er als Mitglied sowohl der Zweckverbandsversammlung als auch des Verwaltungsrates der öffentlich-rechtlichen Förde-Sparkasse würdigen. „So schmerzhaft der Verlust einer Filiale für eine kleinere Gemeinde sein mag.“

Der Vorstand hätte Schwemer zufolge viel mehr für die Akzeptanz seiner Entscheidungen tun müssen. „Gelegenheiten dazu bestanden beispielsweise in den Sitzungen der Verbandsversammlung und des Hauptausschusses des Kreises Rendsburg-Eckernförde.“ Schwemer erinnerte den Vorstand daran, dass die Förde-Sparkasse als öffentlich-rechtliche Bank in kommunaler Trägerschaft eine besondere Verantwortung habe. Sie müsse zwar im Wettbewerb mit anderen Banken bestehen können, ihr Hauptzweck seien jedoch nicht Rendite und Gewinn. Ihr öffentlicher Auftrag sei es, besonders Bevölkerung und mittelständische Wirtschaft auf dem Land mit Geld und Krediten zu versorgen. „Es reicht folglich nicht, Filialen nur in den Städten vorzuhalten“, so Schwemer. Das Regionalprinzip verbiete es der Sparkasse, sich nur „auf attraktive Ballungsräume oder gar auf Kapitalmärkte“ zu konzentrieren. Damit sendete der Landrat die Mahnung nach Kiel, nicht das platte Land im Kreis Rendsburg-Eckernförde zu vergessen. Der Vorstand hätte sich klar zum Regionalprinzip bekennen müssen. „Als Landrat vermisse ich auch Erklärungen des Vorstandes, wie die Förde-Sparkasse dauerhaft eine Präsenz in der Fläche sicherstellen möchte. Das Schließen einzelner Zweigstellen mag notwendig sein. Es ersetzt aber keine Strategie, wie eine zukünftige Standortstruktur in den ländlichen Regionen aussehen soll“, so Schwemer. Seit Jahren betreffe der Rückzug aus dem Filialgeschäft überproportional den Kreis. Besonders bemängelte er, dass das Netz aus Geschäftsstellen mit umfassendem Beratungsangebot „in unserem Kreis schon heute wesentlich dünner erscheint als in der Landeshauptstadt Kiel oder auch im Kreis Plön“. Wenn es so weiter gehe, befürchtet Schwemer „großflächig weiße Flecken auf der Sparkassenlandkarte, die zwar von der Förde-Sparkasse als Geschäftsgebiet für sich beansprucht, faktisch aber gar nicht mehr bearbeitet werden“. Er vermisse darüber hinaus einen Plan, wie in die Standorte im Kreis investiert werden soll. „Deshalb kann ich als Landrat das Schließungskonzept nicht mittragen.“ Es „erscheint nicht ausgewogen, um den Unterschied zwischen Stadt und Land angemessen Rechnung zu tragen“.

Schwemer blickte aber auch nach vorn: Er habe den Vorstand gebeten, die Bargeldversorgung per „Cashback-System“ über den Einzelhandel vor Ort zu erhalten.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 06:29 Uhr

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