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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 22:55 Uhr

Ladendieb zu acht Monaten Haft verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schöffengericht Eckernförde sieht keine positive Perspektive des Angeklagten

Der Angeklagte, der gestern wegen gewerbsmäßigen und räuberischen Diebstahls in einem minderschweren Fall vor dem Schöffengericht stand, ist sowohl dem Amtsgericht in Eckernförde und Kappeln als auch der Zeugin, die in dem Prozess auftrat, hinlänglich bekannt. Auszüge aus dem Strafregister, die Richter Tiedemann dem Gericht vorlas, zeigten ein Leben, das bereits in jungen Jahren von Drogen- und Alkoholkonsum, Ladendiebstählen, Beleidigungen und entsprechenden Verurteilungen geprägt war. Die Zeugin, die stellvertretende Marktleitung eines Lebensmitteldiscounters im Schulweg, kennt den Angeklagten aufgrund seiner vorherigen Besuche im Discounter. „Er ist des Öfteren aufgefallen bei uns im Geschäft“, sagte die Verkäuferin. Die Anklage warf dem 46-Jährigen vor, am 6. Januar 2016 zunächst sechs Flaschen Whisky, ein Deodorant und ein Gesichtspflegeprodukt im Wert von 110 Euro aus dem Discounter entwendet zu haben. Anschließend soll er bei einem zweiten Besuch des Discounters in der Kapuze seines Parkas einen Becher Milchreis und mehrere Becher Joghurt gestohlen haben, wobei die Zeugin ihn entdeckte und ihn zur Rede stellte. Laut Anklage soll er die Verkäuferin (56) als „Schlampe“ beschimpft haben, ihr ins Gesicht gespuckt und sie zur Seite geschubst haben, um dann zu flüchten. Während der Beweisaufnahme stritt der Angeklagte die Tatvorwürfe ab. „Ich hab’ nichts gemacht. Ich hab’ sie nicht bespuckt und von Flaschen weiß ich gar nichts“, sagte er. Der Zeugin warf er Intrigen vor: „Sie ist eine Lügnerin, sie ist auf Täuschung aus.“

Im Laufe des Verfahrens sah das Gericht es als bewiesen an, dass der arbeitsloseAngeklagte, der von der Grundsicherung lebt, seit seinem 26. Lebensjahr Frührentner ist und weder über einen Schul- noch einen Berufsabschluss verfügt, die Whiskyflaschen zwecks Weiterverkaufs zur Finanzierung seines Alkoholkonsums entwendet hat, obwohl den Diebstahl als solches niemand beobachtet hat. Die Zeugin hatte am 6. Januar von der Kasse aus durch das Schaufenster ein Fahrrad gesehen, in dessen Korb die Flaschen lagen. „Es waren Flaschen aus unserem Laden, da nur wir diese Sicherungsverschlüsse haben“, sagte sie. Sie sei nach draußen gegangen, um den Fahrradbesitzer zu ermitteln, was ihr zunächst nicht gelungen sei. Dann habe sie das Diebesgut an sich genommen und dabei das Hundespielzeug entdeckt. Das habe sie auf die Spur des Angeklagten, der einen Hund hält, gebracht, den sie im Laden dann entdeckt habe. „Ich habe gesehen, wie er was in seinen Parka gesteckt hat“, sagte sie vor Gericht aus. An seiner anschließenden Flucht habe sie ihn nicht gehindert: „Ich hab’ ihn laufen lassen, weil er ja hochgradig aggressiv ist.“ Danach habe sie die Polizei gerufen. Der Angeklagte bestritt nicht, dass es bereits im Vorfeld Auseinandersetzungen mit der Zeugin gegeben habe. Immer wieder habe sie ihn und seine Kumpel von dem Gelände auf der rückwärtigen Seite des Marktes vertrieben, da sie wiederholt den Hinweis „Alkoholgenuss auf dem Gelände verboten“ missachtet hatten.

Während der Anwalt des Angeklagten aufgrund der „zweifelhaften Geschichte der Zeugin“ einen Freispuch forderte, „es ist nicht ansatzweise belegt worden, dass der Angeklagte diese Flaschen genommen hat“, forderte die Staatsanwältin fünf Monate für den gewerbsmäßigen Diebstahl und sechs Monate für den räuberischen Diebstahl, die sie zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung zusammenfasste. Eine positive Perspektive des Angeklagten sehe sie nicht. Nur einen Monat nach Verhängung einer Bewährungsstrafe im Dezember 2015 habe der Angeklagte mit den Taten ein „unmittelbares Bewährungsversagen“ gezeigt. Das Gericht schloss sich ihrem Plädoyer an und verurteilte den Angeklagten zu acht Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Richter Tiedemann ermahnte den Angeklagten nach der Urteilsverkündung: „Sie müssen mit dem Trinken aufhören, sonst stürzen Sie ganz ab.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 06:24 Uhr

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