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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Künstlerhaus „Otte 1“ : Kunst mit Sprengkraft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anna Baranowski aus Leipzig und Jan Lemitz aus Düsseldorf sind die neuen Stipendiaten im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in der Ottestraße 1. Beide fühlen sich den maritimen Themen verbunden.

Eckernförde | Das hat man selten: Anna Baranowski (33) aus Leipzig ist ihr Stipendiat im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in der Ottestraße 1 mit festen Vorstellungen angetreten. Sie wollte die mächtige Wasserfontäne bei der Sprengung einer Seemine durch die Sprengstoffexperten der Marine in Eckernförde filmen, fotografieren und sie in dem Mittelpunkt ihrer Installation „ticking bomb“ stellen. Die Sprengung als immer noch bedrohliche und aktuelle Erinnerung an die beiden Weltkriege, in denen unzählige scharfe Bomben mit voller Sprengladung auf dem Meeresboden – auch in der Eckernförder Bucht - landeten. „Sinnbildlich repräsentieren diese Detonationen globale Konfliktherde, die weltweit Menschen bedrohen und in die Flucht treiben. Die Druckwelle einer Sprengung steht dabei metaphorisch für die globalen Auswirkungen eines Krieges. In einer vermeintlich friedlichen Zeit, in der die Menschen so gebildet und aufgeklärt wie nie zuvor sind, scheinen sie jedoch nicht aus den grausamen Kriegserfahrungen des letzten Jahrhunderts gelernt zu haben. Eine ästhetische Darstellung der Gewalt in Form von an Springbrunnen erinnernde Fontänen, soll dabei auch die Frage nach der Anziehungskraft und Faszination eines Krieges stellen“, beschreibt die Künstlerin ihr Projekt.

Doch aus der geplanten Arbeit wurde nichts - „bad timing“, sagt Anna Baranowski heute, „ich bin ein Jahr zu spät dran“. Aus Rücksicht auf die Umwelt erfolgen die Sprengungen seit wenigen Monaten nur noch unterseeisch, ohne spektakuläre Fontäne. Ihr Kunstprojekt hat sich damit zumindest vorerst erledigt – es sei denn, ihr wird noch hochwertiges Film- oder Fotomaterial angeboten, das sie für ihr Kunstwerk verwenden kann. Bislang liegt ihr das, trotz Unterstützung durch die Marine, noch nicht vor. Wer über entsprechendes Material verfügt und bereit ist, dieses für künstlerische Zwecke zur Verfügung zu stellen, kann sich über die Homepage www.annabaranowski.de direkt an die Künstlerin wenden.

Stattdessen hat sich die Wahl-Leipzigerin bei ihren Touren durchs Land – sie ist bereits sechs Wochen in Eckernförde – ein anderes Videoprojekt gesucht: „cosmic axis“. Ein in den weiten Strand von St. Peter-Ording gesteckter langer Stab fungiert als Obelisk und nach der ägyptischen Deutung als Antenne, „die die kosmische Energie empfängt und auf die Erde leitet. Diese Manifestation des Heiligen im Profanen ist Kernstück jeder Religion und hatte auch Einflüsse in areligiösen Gesellschaften der Moderne. Der Obelisk steht symbolisch für die Achse der Welt und soll dem Menschen Orientierung im ursprünglich neutralen Raum geben“, betont Baranowski, die sich bei ihrem ersten Besuch im Norden sehr wohl fühlt und die Offenheit der Menschen besonders schätzt.

Ohne konkrete Projektpläne, aber mit vielen persönlichen Erinnerungen im Kopf hat der in Düsseldorf lebende Fotograf Jan Lemitz (45) die erste Phase seines viermonatigen Stipendiums in Eckernförde begonnen. Die ersten vier Wochen dienen der Orientierung und der fotografischen Dokumentation verschiedener Orte in Eckernförde, die als aus seiner Kinderzeit noch gut kennt. Seine Großeltern, das Ehepaar Breuer, lebte in Eckernförde, seine Mutter ist hier aufgewachsen. Und so werden die Veränderungen in der Stadt bei seinem Aufenthalt auch eine wichtige Rolle spielen - man darf gespannt sein.

Darüber hinaus widmet sich der weitgereiste Fotograf – Studium in Brighton – der längere Zeit in Tel Aviv war und in Calais die Geschichte des Kanaltunnels als Prozess der fortwährenden Veränderung – Stichwort Flucht – aufgearbeitet und festgehalten hat, der Nachbereitung seiner jüngsten Arbeiten. Zur Zeit verbringt Lemitz viel Zeit am Schreibtisch für die Postproduktion, um sich dann im Spätherbst erneut in sein Eckernförder Stipendium zu stürzen.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 06:23 Uhr

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