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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

Lange Nacht der Kunst : Kunst in ihrer vielfältigsten Form

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die „Lange Nacht der Kunst“ sorgt für Kunsterlebnisse in Ateliers, im Museum und in der Nicolai-Kirche. Kulturprogramm bis Mitternacht.

Eckernförde | Die Novembernächte sind lang und dunkel. Sonne vorüber, Weihnachtszeiten noch in der Ferne – was kann einem Herz und Seele da besser wärmen als das alljährliche Programm der „Langen Nächte“? Mit einem erfreulichen und anspruchsvollen Angebot lockt die Kulturbeauftragte der Stadt Eckernförde, Andrea Stephan, die Kunst- und Kulturinteressierten an jedem Sonnabend hinter dem Ofen hervor. Vier Wochen lang heißt es „Kultur live“, bietet aufeinander folgend Kunst, Literatur, Musik und Theater/Tanz an. Alle Besucher können sich bei den Malern und Bildhauern in den Ateliers umsehen, mit Farben und später Klängen, angenehmen Worten und Tanz den November-Blues vergessen, sich selber mit Schönem und Interessantem Gutes tun.

Die erste „Lange Nacht“ war am Sonnabend der Kunst vorbehalten. Ateliers, Museum, Kirche, alle hatten geöffnet, und die Besucher kamen – wie so oft ein wenig zaghaft zu Beginn, aber im Laufe des Abends – manche Ateliers waren bis 24 Uhr auf Besuch eingestellt –, erlebte man immer mehr Begegnung, Austausch, Anteilnahme, Auseinandersetzung mit den Spielarten der bildenden Kunst. Malerei, Grafik, Skulpturen, Lichtinstallation, Schattenspielpuppen sprachen alle ihre eigene Sprache. Konnte man sie verstehen, blieb man im Schauen versunken – verzaubert, fasziniert, staunend. Man hatte den Zugang gefunden und fühlte sich bereichert.

Judith Voce hat ihr kleines Atelier unterm Dach im Veilchenweg. Man findet die Biologin dort zwischen ihren Zeichnungen, Aquarellen, Acrylbildern, und schnell wird klar: Sie hat ein Herz für Tiere. Haie, Pferde, Kühe bevölkern den Raum – vor allem aber ist es die Familie der Großkatzen, die sie begeistert. Ganz Ex-Biologin – inzwischen konzentriert sie sich auf Malen und Schreiben –, holt sie Schautafeln herbei. „36 Arten – aber die Hauskatze gehört eigentlich nicht dazu“. Dafür malt und zeichnet sie Katzen, fördert das „Projekt Felidae“ und liebt ihre beiden bildschönen Kater. Die andere Hälfte in ihrem Herzen schlägt für „Fantasie-Art“. Demnächst erscheint ihr Buch mit Texten und Bildern zu diesem phantastischen Thema.

An der Galerie 66 vorbei – „Restaurieren“ fiel wieder aus – ging‘s zum Museum. Dort öffneten Künstler, die mit Arbeiten in der aktuellen Ausstellung von „multiple art“ vertreten sind, ihre Koffer. Was hatten sie mitgebracht? Dinge aus ihren Ateliers, Sachen, die Kunst-Geschichten erzählten, zum Teil verwunderliche wie auch spaßige Erinnerungsträger. „Geburtstagskind“ Prof. Bernhard Schwichtenberg, liebenswerter Erzähler, hätte an diesem Abend mit seinen Anekdoten und Kunstgeräten Stunden füllen können. Aber andere kamen auch noch zu Wort und geöffneten Koffern.

Wie kam man in die Nicolai-Kirche nur hinein? Hohe Gitter, Verkleidungen à la Christo, aber das Nordtor war ja offen. Farbe und Klang, eine Lichtkonzertinstallation ganz eigener Art konnte einen dort gefangen nehmen. In der dunklen Kirche setzen kräftige Farben Akzente, krochen gelb-grün in Mauernischen, hüllten den Altarraum in feuriges Rot, verblassten in hellem Blaugrau. Was man bei Ton und Farbe empfand, welche Bilder sich einstellten, das kam wohl auf den jeweiligen Adressaten an. Gerald Eckert und Beatrix Wagner untermalten akustisch, was Gisela Meyer-Hahn mit Licht auf den kirchlichen Malgrund zauberte. „Aux mains de l‘espace“ hieß das Erlebnis und setzte vermutlich bei vielen Zuhörern in der Tat Weltraum-Assoziationen frei.

Auf der Carlshöhe war große Ateliernacht. Kaum ein Fenster, das nicht nach draußen leuchtete, kaum ein Arbeits- und Ausstellungsraum, der nicht aufgeschlossene Besucher herein zog. Allein hier hätte man den ganzen langen Abend verbringen können und dabei doch nicht alles gesehen. Ein spannender Raum bei Birgit Lindemann und Kai Feddersen: In Malerei und Skulptur sehen einem Menschen entgegen, so naturgetreu und detailverliebt, dass man die Plastiken berühren möchte. Nein, getäuscht – wirklich nicht lebendig!

Sehr lebendig geht es dagegen bei Joanna Freund zu, Tochter des Puppenspiel-„Großmeisters“ Ralf Rahier und seiner Frau Sabine Freund. Joanna (16), Schülerin, hat für ihre Abschlussarbeit ein Schattenspiel gestaltet, das in seiner anmutigen feinen Spielweise verzaubert. Die Geschichte von Maus, Nilpferd, Vogel Strauß – von Treppen, Leitern und situationsangepasster Musik muss man selbst gesehen haben, um zu wissen, was da Vorzügliches entstanden ist. „Wo ich das gelernt habe? Schließlich habe ich Erfahrungen als ‚Puppenspielerkind‘“, meint Joanna lächelnd.

Nach Abendstunden beginnt nun wirklich die „Lange Nacht“, und in den Ateliers auf Carlshöhe gibt es angeregte Gespräche zu später Stunde. Im großen Arbeitsraum von Margit Buß geht es um die Sinnhaftigkeit abstrakter Malerei - spannende Themen.

Da reichte keine eine „lange Nacht“. Beim nächsten Mal geht es sicher auch zu Ingrid Streiber, zu Krauses „Künstlerwerkstatt“, Norbert Webers Artothek und all den anderen Orten, an denen man sich mit Form und Farbe wärmen und freuen kann, dabei auf Menschen trifft, die eine sensible Sprache sprechen.

>12.11.: „Lange Nacht der Literatur“


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erstellt am 07.Nov.2016 | 11:32 Uhr

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