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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:32 Uhr

Freundeskreis Asyl : Kulinarisches Dankeschön für die Flüchtlingsbegleiter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In Altenholz grillt der Bürgermeister für die ehrenamtlichen Helfer.

Altenholz | Etwa 50 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer waren der Einladung der Gemeinde zum Grillfest am Eivind-Berggrav-Zentrum gefolgt. Bürgermeister Carlo Ehrich stand persönlich am Grill. Mit diesem Abend wolle die Gemeinde den Flüchtlingshelfern Danke sagen, erklärte er. „Wir hätten das, was in den letzten eineinhalb Jahren in Altenholz passiert ist, nie ohne Sie geschafft.“

Unter den Ehrenamtlichen sind auch Mareike Falk, Dr. Karen Weisheit und Ingrid Neuweiler. Mareike Falk (24) ist Mediengestalterin und nach einem Auslandsjahr in Schweden erst seit wenigen Monaten wieder zurück, aber schon voll in der Flüchtlingshilfe engagiert. Sie gibt drei jungen Männern aus Syrien und dem Irak dreimal die Woche Deutsch-Unterricht. Probleme, sich als Frau Respekt zu verschaffen hat sie nicht. Manchmal sprechen ihre Schüler zu viel arabisch untereinander. Da muss sie einschreiten, denn der Unterricht läuft bewusst einsprachig in deutscher Sprache. Auch haben sich bereits freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Aktuell organisiert Falk die Beteiligung einer Altenholzer Flüchtlingsmannschaft am Drachenbootrennen am 10. September in Kiel. Gewinnen wird die Mannschaft sicher nicht, nach lediglich zwei Trainingseinheiten. Es geht vielmehr um Abwechslung in einem relativ eintönigen Alltag, um Spaß, um Kräftemessen, um das Dabeisein.

Dr. Karen Weisheit (52) sitzt für die CDU in der Gemeindevertretung und ist dritte stellvertretende Bürgermeisterin. Sie hat vor etwa eineinhalb Jahren einen Aufruf gelesen, dass ehrenamtliche Deutsch-Lehrer gesucht werden. Seitdem ist sie dabei und organisiert ihre privaten Termine um den dreimal wöchentlich stattfindenden Deutsch-Unterricht herum. Ihre Schüler kamen schon aus vielen Ländern – aus Eritrea, Syrien, Irak, Albanien, Kosowo. Immer wieder gilt es sich einzustellen, auf die verschiedenen Kulturen und die unterschiedlichen Bildungsbiographien. Zu ihren Schülern gehörten Analphabeten ebenso wie Akademiker. „Wer schon einmal eine Fremdsprache gelernt hat, ist klar im Vorteil. Deutsch ist eben auch eine schwere Sprache“, sagt sie. Zur Zeit unterrichtet sie einen jungen Mann aus Afghanistan. Was Dr. Karen Weisheit besonders schätzt, ist, dass sie bei ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommt. Das Thema Flüchtlinge ist dann nicht mehr abstrakt. Gesichter, Geschichten, Menschen stehen dahinter. Menschen, die ihr ganz viel zurückgeben.

Ingrid Neuweiler (73) engagiert sich als Alltagsbegleiterin. Sie ist über den Seniorenbeirat zur Flüchtlingsbegleitung gekommen. Für dieses Ehrenamt bringt die rüstige Rentnerin allerbeste Voraussetzungen mit. Bis zu ihrer Pensionierung war sie gesetzliche Betreuerin beim Amtsgericht Kiel. Vorher hat sie zehn Jahre in Saudi-Arabien gelebt. Ihr Ehemann war dort als Ingenieur tätig. Sie selber war Schulsprecherin der deutschen Schule. Sie ärgert sich heute ein wenig, dass sie damals nicht arabisch gelernt hat. Das sei allerdings auch schwierig gewesen, denn die Einheimischen wollten keinen Kontakt mit den Ungläubigen. Dennoch – ein paar Worte arabisch spricht sie. Zurzeit begleitet sie ein junges Ehepaar, das vor Kurzem angekommen ist. Die junge Frau kommt aus Syrien, ihr Ehemann aus dem Irak. Kennengelernt haben sie sich in einem türkischen Flüchtlingslager. In der Türkei haben sie geheiratet, eine echte Liebesheirat, wie Ingrid Neuweiler betont. Die beiden sind inzwischen in eine kleine eigene Wohnung gezogen. In wenigen Tagen kommt ihr erstes Baby zur Welt. Ingrid Neuweiler hat alles organisiert, auch einen Dolmetscher. Ihr Mann fährt das junge Ehepaar in die Klinik, wenn es soweit ist. Ein bisschen aufgeregt ist sie schon, so als wäre es ihr eigenes Enkelkind, das da zur Welt kommt.

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