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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 00:58 Uhr

WUNSCH DES SENIORENBEIRATS : Kommt das Seniorenticket für den Stadtverkehr?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Antrag des Seniorenbeirats im Sozialausschuss wird nach der Sommerpause erneut beraten. Die Frage des Einstiegsalters und der sozialen Bedürftigkeit stehen zur Diskussion.

Eckernförde | Renate Gorny hat eine Vision: Alle Senioren der Stadt Eckernförde ab 60 Jahre erhalten ein Seniorenticket für den Stadtbusverkehr, das ihnen einen verbilligten Tarif ermöglicht. „Die Renten vieler Senioren sind nicht üppig. So ermöglichen wir ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben“, erklärte die Vorsitzende des Seniorenbeirats Eckernförde ihren Antrag auf der Sitzung des Sozialausschusses am Dienstag im Ratssaal. Nach Ansicht des Seniorenbeirats sorgt ein Seniorenticket zudem für eine bessere Auslastung der Busse und eine geringere Verkehrsdichte. Sie könne sich auch sehr gut eine zeitliche Begrenzung des Tickets auf bestimmte Stunden am Tag wie in Neumünster vorstellen, so Gorny. Bevor die Stadt viel Geld in ein Gutachten hinsichtlich der Kosten investiere, könne ein Probejahr erste Ergebnisse zeigen, schlug die Seniorenbeiratsvorsitzende vor.

Unter dem Vorsitz von Heinz-Michael Kornath (CDU) entwickelte sich in dem Ausschuss eine Diskussion, die zum einen das Alter der Senioren thematisierte und zum anderen die Zielgruppe an sich. Renate Gorny machte deutlich, dass der Seniorenbeirat die „Rentner als eine Gruppe sehen möchte“, unabhängig vom Einkommen. Oliver Fink (bürgerliches Mitglied, FDP) unterstützte die Zielrichtung des Antrags, lehnte aber das Einstiegsalter ab 60 Jahre für den Erhalt eines Seniorentickets ab: „Da sind viele noch berufstätig.“ Er wies darauf hin, dass es gerade in Eckernförde viele wohlhabende Senioren gebe. Aus diesem Grund und angesichts der anstehenden Haushaltskonsolidierungen müsse man eine Regelung treffen, „die sich an der sozialen Bedürftigkeit orientiert und nicht am Alter“, so Fink. Laut Ordungsamt leben in Eckernförde 7818 Personen ab 60 Jahre, 6270 sind 65 Jahre und älter. Transferleistungen nach SGB II erhalten 251 Männer und Frauen über 60 Jahre, 132 sind 65 Jahre und älter. Jenny Kannengießer (Die Grünen) stimmte Fink zu. „Wohlhabende Senioren kaufen in Eckernförde Häuser von Familien auf – die sollten kein Seniorenticket bekommen“, so die Ratsfrau. Für die Seniorenbeiratsvorsitzende kommt eine Regelung nach der Bedürftigkeit nicht infrage. „Wir wollten die Alten nicht als arm darstellen und gerade nicht auf die soziale Schiene“, sagte sie. „Gerade die Senioren sind es, die sich genieren, in die Ämter zu gehen und sich eine entsprechende Bescheinigung zu holen“, erklärte Gorny. „Als Rentner als sozial schwach dargestellt zu werden, geht gar nicht“, stellte sie klar.

Für Die Linke erklärte Rainer Beuthel, dass seine Fraktion eigentlich das Sozialticket bevorzuge, in dem das Seniorenticket integriert sei. Für eine Entscheidung brauche man noch mehr Fakten. „Den Bedarf sehe ich, aber jetzt eine Entscheidung zu treffen, ist noch viel zu früh“, sagte Ratsherr Wilhelm Heesterberg (SPD). Zunächst müssten die Haushaltskonsolidierungen vorangetrieben werden.

Eine deutliche Unterstützung erhielt der Antrag des Seniorenbeirats von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Eckernförde, Katrin Christine Blum. Das Einstiegsalter für das Ticket sei diskussionswürdig, aber nicht die Idee. „Altersarmut ist ein Problem von Frauen“, so Blum. Ein wichtiger Aspekt sei auch die Tatsache, dass viele Frauen dieser Generation gar keinen Führerschein haben. Nicht zu vergessen der psychosoziale Aspekt: Ein Seniorenticket helfe ihnen, nicht den ganzen Tag allein im Haus verbringen zu müssen.

Nach Darstellung von Gorny sollen auch Senioren, die Eckernförde besuchen, in den Genuss des verbilligten Tickets kommen dürfen. Auf 8000 bis 20  000 Euro schätzte der Vorsitzende Kornath die Kosten für die Stadt, sollte sie sich für die Einführung eines Seniorentickets entscheiden (ein einfaches Monatsticket kostet zurzeit 40 Euro). Seine persönliche Anmerkung: „Im Bereich Senioren machen wir nicht so viel.“ Er bat die Fraktionen, die Vorlage des Seniorenbeirats zu beraten, um sie nach der Sommerpause erneut im Sozialausschuss zu diskutieren.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 05:32 Uhr

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