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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 20:52 Uhr

AUFTAKTKONZERT : Kolja Lessing – ein Virtuose an der Violine

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zu Beginn der Saison 2017/18 der Konzertreihe Eckernförde trat am Mittwoch das Göttinger Symphonie-Orchester in der Stadthalle auf. Diese war bis auf den letzten Platz besetzt.

Eckernförde | Fast ist es schon Tradition, dass zum Beginn der neuen Saison der Konzertreihe Eckernförde „Die Göttinger“ kommen. So auch in diesem Jahr – zum ersten Sinfoniekonzert der Winter–Spielzeit 2016/2017 trat am Mittwoch das Göttinger Symphonie–Orchester unter der Leitung von Christoph–Mathias Mueller auf. Mitgebracht hatten die Musiker den großartigen Violinisten Kolja Lessing; geboten wurden in der vollbesetzten Stadthalle Werke aus der Barockzeit (Bach), der Romantik (Schumann) und der Spätromantik (Reger und Sibelius).

Ein Höhepunkt des Abends war die Wiedergabe des Violin–Konzertes in E–Dur (BWV 1042) von Johann Sebastian Bach (1685–1750). Die Streicher des großen Orchesters boten einen leicht gedämpften Klang; darüber schwebte der klare und warme Ton des hochkarätigen Solisten Kolja Lessing. Die unterschiedlichen Passagen gestaltete der ausgezeichnete Solist sehr lebendig, fast „sprechend“ –es gab ein sehr gutes Miteinander mit den Streichern. Das Adagio nahm der Solist sehr einfühlsam und ausdrucksstark – hier waren die tiefen Streicher besonders positiv aktiv, so dass nach den letzten Takten im Publikum eine atemlose Stille herrschte. Das Finale „Allegro assai“ spielte Kolja Lessing sehr virtuos und in großer Form. Für den reichen Beifall bot der Solist als Zugabe das Präludium aus der E–Dur–Partita in E–Dur für Violine solo von Bach.

Anschließend erklang die „Aria für Violine und Orchester“ op. 103a von Max Reger (1873–1916). Die Musik beruhte auf der „Air“ von Bach; man erlebte träumerische Klänge, die Kolja Lessing mit melodiösen Passagen verband. Weich und echt romantisch spielte der hervorragende Violinist das Stück von sieben Minuten Dauer – sehr schöne Solo–Klänge der Oboe erfreuten ebenfalls.
Begonnen hatte das reichhaltige Konzert mit „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ für Orchester in E–Dur op. 52 von Robert Schumann (1810–1856).

Das große Orchester wurde von seinem Dirigenten Christoph–Mathias Mueller sicher geleitet, so dass sowohl zwingende Steigerungen und heitere Passagen als auch straffe Partien zur Geltung kamen. Man erlebte einen guten Austausch zwischen Streichern und Bläsern. Im Scherzo standen stark punktierte Rhythmen neben gesanglichen Passagen – der Gegensatz wurde vom exzellent musizierenden Orchester klar dargestellt. Volle Klänge bestimmten das Finale – die majestätischen Partien wurden stark hervorgehoben. Auch die kanon–artigen Takte erfuhren die erforderliche Aufmerksamkeit, so dass es zu einer farbenreichen Wiedergabe dieses recht unbekannten Schumann–Werkes – mit rauschender stretta am Schluss – kam.

Das Schlusswerk war die viersätzige Suite op. 22 von Jean Sibelius (1865–1957). Sie dreht sich vor allem um Lemminkäinen, der so etwas wie der Don Juan in der Märchenwelt war. Der Dirigent sprach einführende Worte, so dass das Publikum die sehr abwechslungsreichen Ereignisse – Verführung vieler Mädchen und Frauen, Tod des Schwans, eigener grässlicher Tod der Hauptperson Lemminkäinen sowie ihre Wiederauferstehung durch die Mutter – in der Musik nachvollziehen konnte. Denn es gab sehr unterschiedliche Klänge, die stets sauber und exakt dargeboten wurden – obwohl sie wahnsinnig schwer zu spielen waren. Schrille Töne in der 1. Violine wechselten mit wunderschönen Soli des Englisch–Horns beim Dahingleiten des Schwans. Am Ende des 3. Teiles erlebte man ein herrliches Cello–Solo. Den Final–Satz nahm der Dirigent recht flott – insgesamt war es eine sehr abwechslungsreiche Musik, die den Spielern allerhand an Virtuosität, Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft abverlangte. Das Publikum erkannte dies und spendete reichen, berechtigten und lang andauernden Beifall.



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erstellt am 30.Sep.2016 | 06:09 Uhr

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