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Eckernförder Zeitung

30. Juli 2016 | 16:56 Uhr

Klimale 2015 in Eckernförde : Klimawandel zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Klimale 2015 als Festival mit Kunst, Vorträgen und kreativen Mitmachangeboten weist auf Klimawandel hin. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen wird das Thema noch bis heute Nachmittag anschaulich dargestellt.

Eckernförde | Als Bürgermeister einer ehemaligen Bundesumwelthauptstadt hatte Jörg Sibbel gestern bei der Eröffnung der Klimale mehr zu sagen als nur die üblichen Grußworte. „Ich vermisse den ernsthaften Willen, den Energieverbrauch zu drosseln“, sagte er zu den nationalen und internationalen Bemühungen. „Meist ist es nur eine Verlagerung auf andere Energiequellen. In Wirklichkeit steigt der Energiebedarf an, auch für künstlich erzeugte Bedürfnisse wie zum Beispiel elektrische Pfeffermühlen.“

Doch das war es dann mit kritischen Tönen, denn man wolle mit dem Festival aus Kunst, Vorträgen und Mitmachangeboten ohne den erhobenen Zeigefinger auf den Klimawandel und eine nachhaltige Küstenentwicklung hinweisen. Endzeitstimmung wie beim Waldsterben sei fehl am Platze.

Organisator der Klimale ist das Klimabündnis Kieler Bucht, dem 20 Küstengemeinden von Hohwacht bis Kappeln angehören, ebenso wissenschaftliche, touristische und Umwelt-Organisationen sowie Unternehmen und engagierte Bürger. Zum zweiten Mal findet die Klimale statt, diesmal in Eckernförde. Dazu haben sich rund ums Ostsee Info-Center Organisationen, Künstler, Geschäftsleute und Wissenschaftler versammelt, die alle auf ihre Weise zum Klimaschutz beitragen wollen und die sich auch heute noch bis 20 Uhr präsentieren. Workshops und Vorträge gehören dazu, Forschungsvorhaben, Speisestände, Musik, Installationen und vieles mehr.

Ein Thema begegnet dem Besucher immer wieder: die Verwendung von Seegras, das normalerweise entsorgt wird, um den Strand sauber zu halten. Jörn Hartje aus Westerau bei Lübeck handelt mit dem Naturprodukt. Er kauft Seegras aus Dänemark und verkauft es als Dämmmaterial weiter. Warum aus Dänemark? „Wichtig ist die Qualität des Seegrases ohne Sand und Müll“, sagt er. Das bekomme er dort. „Seegras als Dämmmaterial hat keine Zusätze, schimmelt nicht und ist nicht brennbar.“ Ob er auch schon mit Eckernförde Kontakt aufgenommen hat? Nein, die nähere Umgebung sei für ihn interessanter, aber oft stimme die Qualität nicht, da die Strandreinigungsmaschinen auch anderen Müll aufnehmen und mit dem Seegras mischen.

Deshalb geht Kristian Dittmann von der Strand-Manufaktur aus Schwackendorf selbst an die Strände der Region, sammelt das Seegras mit der Schubkarre ab, wäscht und trocknet es und nimmt es als Kissen- und Matratzenfüllung. Das „reine Naturprodukt“ erlaube eine bessere Durchlüftung und vermindere das Schwitzen.

Eva Bäumler von der Kunsthochschule Berlin Weißensee hat mit ihrem Projekt „Ostseeflora“ eine andere Idee: Das Seegras vor Ort zu einer natürlichen Strandmöblierung zu formen oder als Dünger für Schatten spendende Pflanzen wie den Meerkohl zu verwenden.

Doch nicht alle Menschen glauben an den von Menschenhand gemachten Klimawandel. „Das ist Kopf in den Sand stecken“, sagt der Klimale-Gründer Professor Horst Sterr vom Geographischen Institut der Universität Kiel. Milliarden Tonnen an Treibhausgasen seien seit Beginn der Industrialisierung in die Atmosphäre entwichen. „Und wir wissen, dass sie die Atmosphäre und die Meere erwärmen.“ Die durchschnittliche Temperatur der Erde sei in den vergangenen 100 Jahren um über ein Grad angestiegen. Zwar gebe es auch eine natürliche Erwärmung – die jedoch spiele sich über Jahrtausende ab und nicht über so kurze Zeit. Dabei wirkten die Meere zurzeit wie ein Puffer. „Aber irgendwann wird die von den Meeren absorbierte Energie wieder in die Atmosphäre abgegeben.“

Und es komme noch dicker: „In Asien wird es in den kommenden Jahrzehnten zu einem verstärkten Energiebedarf kommen.“ Es sei also Zeit zu handeln, so der Wissenschaftler.

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erstellt am 15.Jul.2015 | 06:01 Uhr

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