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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Landwirtschaft : Klar Schiff auf dem Hof Köhn

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 11 der Landwirtschaftsserie: Zeit für Knickarbeiten sowie Maschinenpflege und -wartung / Erleichterung über höheren Milchpreis

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Es wird ruhiger auf dem Hof Köhn in Mohrholz. Auf den Feldern geschieht nichts mehr, alle Saaten sind in der Erde, die Zwischenfrüchte sind aufgelaufen und haben die Äcker begrünt. Die Hände in den Schoß legen kann Familie Reimer Köhn aber nicht. Der November wird zur Knickpflege und Holzbergung genutzt. Rund zwei Kilometer Knick werden auf den Stock gesetzt. Für die Sträucher wird eine Astschere eingesetzt, die schafft Stämme bis 35 Zentimeter Durchmesser. Alles, was darüber ist, „das ist Handarbeit“, sagt Reimer Köhn. Auszubildender Tobias Bandholz hat eine Eiche gefällt und zerlegt den Baum nun in handliche Stücke. Alle sieben bis zwölf Jahre erfolgt der Schnitt, bei dem etwa alle 50 Meter ein starker Baum als Überhälter erhalten bleibt. Das Holz wird auf dem Hof als Brennstoff für die holzbefeuerte Heizung benötigt. Wenn das Wetter jetzt nass und kalt bleibt, dann wird in einer Halle das Holz gespalten und eingelagert. „30 bis 50 Festmeter Holz brauchen wir im Jahr, da gibt es viel zu tun“, sagt Köhn.

Rund zehn Tage waren Köhn und seine Mitarbeiter auch damit beschäftigt, Nachpflanzungen auf etwa zweieinhalb Kilometern neu aufgesetzte Knicks vorzunehmen. Vor etwa vier Jahren hatten sie einige Knicks umgesetzt, um einen Schlag mit 16 Hektar Fläche, der bislang sechs Teilstücke hatte, zusammenzufassen. Zehn bis 20 Prozent der neugepflanzten Knickgehölze wurde jetzt ersetzt und Eichen, Buchen, Eschen und Schwarzdorn gepflanzt. Das machten sie gerne, so Köhn, denn das Holz werde bei ihnen ja auch gebraucht.

Klarschiff machen auf dem Hof und die Maschinen säubern, Fristenarbeiten an den Treckern erledigen und bei Bedarf Reparaturen erledigen, dass fordert das Team im November ebenfalls. Mitarbeiter Rüdiger Burkowsky hat sich die Drillmaschine vorgenommen. Mit einem Hochdruckreiniger werden die Bauteile gereinigt. „Das dauert gut zwei Stunden“, sagt er. Bei der Kälte und dem feinen Wasserdampf ist die Arbeit nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Später werden alle Bauteile und Fahrzeuge mit Ölwachs für den Winter konserviert. Bei der Durchsicht der sieben Schlepper auf dem Hof stellten sie auch fest, dass bei einem der großen 200-PS-Schlepper ein Schlauch am Motorraum im Laufe des Jahres unbemerkt abgegangen war und der Motor Staub einsaugte. Der Motor ist kaputt, Köhn rechnet mit einem fünfstelligen Betrag für Ersatz. Unerwartete Ausgaben mag Köhn nie, in diesem Jahr aber noch weniger. Zu sehr drückte der niedrige Milchpreis auf die Erlöse des Hofs. Nun endlich sei der Preis wieder auf 30 Cent je Kilogramm gestiegen. Jeder Cent mehr Milchgeld bedeuten rund 1500 Euro im Monat mehr für den Betrieb. „Wir sind alle über die Milchpreiserhöhung erleichtert“, sagt Köhn und hofft, dass sich der Preis weiter stabilisiert, gerne noch ein paar Cent höher.

Läuft es bei der Milch wieder etwas besser, macht der Raps Sorgen. An einigen Schlägen hat Köhn Pilzbefall mit Kohlhernie festgestellt. Dabei entwickelt sich die Wurzel der Pflanze schlecht, so dass ein Totalausfall möglich ist. Die Ursache sieht er darin, dass es im September viel zu nass und gleichzeitig zu warm war, so dass sich der Pilz im Boden gut verbreiten konnte. Wenn der Winter nun mild sei, könnten die Pflanzen teilweise neue Wurzel bilden, so dass die Pflanze, wenn es im Frühjahr nicht zu trocken werde, dennoch aufwachse. Wenn nicht, dann wird Köhn umbrechen. Künftig wird er wohl die Fruchtfolge strecken und statt alle drei Jahre Raps dies auf vier oder fünf Jahre ausdehnen.

Als Reaktion auf die vermehrt auftretende Geflügelpest werden die knapp 350 Hühner auf dem Hof besonders geschützt. Einzig Hofsenior Richard Köhn darf den Stall betreten. Vor und nach dem Betreten wechselt er die Schuhe und wäscht die Hände. In dieser Woche werden sie noch eine Schuhdesinfektionswanne vor dem Stall einrichten. Der Höhepunkt der Krise ist noch nicht erreicht, davon geht Reimer Köhn aus.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 06:02 Uhr

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