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Eckernförder Zeitung

26. Mai 2016 | 04:44 Uhr

Borbyer Uferpromenade : Kiosk-Abschied für einen guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Renate Marquardt schließt den Borbyer Kiosk nach 29 Jahren / Benefizaktion am Karfreitag zugunsten der Kinderaugenkrebsstiftung von Dietmar Ruhfus

Eckernförde | Sie hat das Wasser direkt neben sich und Stroh über dem Kopf: Renate Marquardt gehört zur Borbyer Uferpromenade wie der reetgedeckte Kiosk, aus dem heraus sie seit 29 Jahren Kaffee und Süßigkeiten verkauft. Am Ostermontag hat die 63-Jährige ihren letzten Tag in dem Kiosk, danach tritt sie einen Job in Waabs an. Doch zuvor, am Karfreitag, will sie ihren Kunden etwas Gutes tun: Von 10 bis 17 Uhr verkauft sie alle Getränke zum halben Preis. Und dieses Geld spendet sie der Kinderaugenkrebsstiftung, für die der Eckernförder Dietmar Ruhfus seit Jahren aktiv ist.

Seit 1987 arbeitet Renate Marquardt in dem kleinen urigen Gebäude, das der Stadt gehört. „Seit 1991 bin ich aber ganz allein hier“, sagt die Pächterin. „Und zwar an sieben Tagen pro Woche.“ Ihre Kunden kennt sie gut, viele kommen immer wieder. Ob eine Schachtel Zigaretten, ein Becher Kaffee oder eine Tüte Süßigkeiten – Renate Marquardt weiß schon, was ihre Stammkunden wünschen. Lange Zeit hatte sie noch Tische und Stühle vor dem Kiosk stehen. „Da war hier oft open end, und ich hatte bis 23 oder 24 Uhr geöffnet, weil noch richtig viel los war.“ Da sie aber keine Schankgenehmigung hatte, durften die Kunden ihre Getränke und Nahrungsmittel nicht mehr direkt am Gebäude verzehren, sondern mussten einen Abstand von mehreren Metern einhalten. Das war vor zwei Jahren.

Doch nicht das hat Renate Marquardt die Suppe versalzen: „Die Euro-Einführung, die Hartz-IV-Gesetzgebung, die erweiterten Öffnungszeiten der Supermärkte – das macht den kleinen Geschäften zu schaffen.“ Seit man bis 20 oder sogar 22 Uhr einkaufen kann, seien die Kioske nicht mehr die Retter in der Not. „Es lohnt sich einfach nicht mehr“, sagt Renate Marquardt, was sie besonders wegen der vielen Stammkunden bedauert. „Einige kaufen seit zwölf Jahren bei mir ein – Einheimische wie Urlauber.“ Stattdessen wird sie ab April beim Kaufmann Sörensen in Waabs auf 450-Euro-Basis arbeiten. „Ganz aufhören – das ist nichts für mich.“

Millionärin ist Renate Marquardt in den vergangenen 29 Jahren nicht geworden, obwohl die Arbeit nicht leicht war: Jeden Tag auf rund 10 Quadratmeter ohne Bewegungsfreiraum und das 9 bis 13 Stunden pro Tag an sieben Tagen pro Woche ohne Pause und ohne Urlaub. Zumindest nicht bis vor acht Jahren, als Renate Marquardt zum ersten Mal ihren Kiosk schloss, um sich zu erholen. Seither gönnt sie sich maximal drei Wochen im Jahr.

Auf die Frage nach besonderen Momenten denkt sie sofort an die vielen Einbrüche, obwohl es doch eigentlich nicht viel zu holen gab: Des Öfteren waren die Fenster eingeschlagen, Zigaretten und Bier gestohlen. Dreimal sind die Diebe durch das Reetdach und die Bodenluke eingestiegen. „Dann haben wir Stacheldraht um die Dachsparren gewickelt. Das hat sie auch abgehalten. Dafür haben sie den Kiosk dann in Brand gesetzt.“ Das war 1991. Aber auch heitere Erinnerungen wird Renate Marquardt mitnehmen: „Ich hatte einem Kunden ein heißes Würstchen gerade auf die Pappe gelegt, als sein Schäferhund durchs offene Fenster gesprungen kam und sich das Würstchen schnappte.“

Vermissen wird die 63-Jährige die täglichen Gespräche mit den Kunden, aber nicht die Arbeitszeiten: „Wenn man meine Arbeitsstunden umrechnet, habe ich schon 58 Beitragsjahre voll.“ In dieser Zeit sind viele Freundschaften an diesem Kiosk entstanden. Eine davon ist die zu Dietmar Ruhfus, dem Menschen des Jahres 2013 der Eckernförder Zeitung, der sich seit drei Jahren intensiv für die Kinderaugenkrebsstiftung einsetzt. Unter anderem werden von Spendengeldern die Plüschelefanten mit Namen „Elli“ angeschafft, anhand derer die Kinder üben können, wie sie ihr Glasauge einsetzen müssen.

Von 10 bis 17 Uhr gibt es also am Karfreitag, 25. März, alle Getränke am Kiosk zum halben Preis. Die Einnahmen kommen der Augenkrebsstiftung zugute.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 06:46 Uhr

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