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Eckernförder Zeitung

30. September 2016 | 06:54 Uhr

Einwohnerversammlung : Kein Lärmschutz auf der neuen Brücke

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ersatz des Rader Bauwerks rückt 16,5 Meter nach Osten / Land lässt offen, ob es für Schall-Abwehr zahlt

Bürgermeister und Einwohner der Gemeinden an der Rader Hochbrücke müssen auch nach Fertigstellung des Ersatzbauwerks mit Verkehrslärm rechnen. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung in Borgstedt klar. Denn das Land, das den Lärmschutz bezahlen müsste, hält sich in dieser Frage zurück. Die Einwohnerversammlung am Mittwochabend stieß auf großes Interesse. Rund 150 Einwohner waren in die Aula der Grundschule gekommen. Sie wollten wissen, wie es mit dem Bau weitergeht, nachdem vor drei Jahren festgestellt worden war, dass die marode Autobahnbrücke abgerissen werden muss.

„Die Brücke hält noch zehn Jahre. Der Bau eines Tunnels als Ersatz ist ausgeträumt“, stellte Bürgermeister Gero Neidlinger zu Beginn der zweieinhalbstündigen Versammlung fest. Das bestätigte auch Mario Schönherr, Projektleiter von Deges. Die Gesellschaft ist für das Projektmanagement des Ersatzbaus zuständig. Der Bau eines Tunnels anstelle der Brücke komme nicht in Frage, weil dafür die Zeit nicht reiche und weil die Kosten bei über 603 Millionen Euro liegen würden, so Schönherr. Die neue Brücke würde etwa 173 Millionen Euro kosten, die Gesamtkosten inklusive der Logistik würden 270 Millionen Euro betragen. „Es gibt bisher eine Brücke, also werden Sie wieder eine Brücke bekommen.“

Die Trassenführung stehe fest. In ähnlicher Form wie bisher solle der Ersatzbau 16,5 Meter östlich der bisherigen Brücke entstehen. Die neue Brücke werde mit einer Durchfahrtshöhe von 42 Metern für den Schiffsverkehr und 224 Metern Stützweite zwischen den beiden Pfeilern am Kanalufer gebaut. Schönherr zeigte auf, dass wegen hoher Windgeschwindigkeiten die Geschwindigkeit auf der bisherigen Brücke häufig von 100 auf 80 oder 60 Kilometer pro Stunde reduziert werden muss. Das verursache durch den Zeitverlust einen hohen wirtschaftlichen Schaden. An der neu zu bauenden Brücke sollen deshalb Windabweiser errichtet werden. „Schneller fahrende Autos verursachen auch mehr Lärm“, wandte ein Einwohner ein. Ziel sei es, mit dem Neubau auch den Lärmschutz zu verbessern, sagte Schönherr. Allerdings sei der Bund bei einem Ersatzbau nicht verpflichtet, zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Da müsste das Land Schleswig-Holstein für die Finanzierung sorgen, meinte der Projektleiter. eike Nadolny, die für das Verkehrsministerium an der Sitzung teilnahm, äußerte sich jedoch nicht dazu.

Wie sehr der Lärm die Anwohner belästigt, machte eine Einwohnerin des Treidelwegs deutlich: „Das ist wie Schlafen bei eingeschaltetem Föhn. Bei Ostwind braucht man gar nicht ins Bett zu gehen.“

Schon im Frühjahr sollen Probebohrungen am Treidelweg und in der Borgstedter Enge durchgeführt werden, um die Gründungen für die Brückenpfeiler zu erkunden. Um Pfeiler auf der Rader Insel errichten zu können, müsste ein Schiffsanleger gebaut werden. Baumaterial könnte nur auf Pontons auf die Rader Insel gebracht werden, sagte Schönherr. Mit dem Bau der ersten Richtungsfahrbahn der neuen Brücke soll 2023 begonnen werden. Nach deren Fertigstellung 2026 soll der Verkehr auf jeweils zwei Fahrbahnen über die Brücke geführt werden. Die alte Rader Brücke wird dann abgerissen und an deren Stelle die zweite Richtungsfahrbahn errichtet. Mit der Fertigstellung wird 2029 gerechnet.

Neidlinger zeigte sich mit der bisherigen Verlauf der Planung zufrieden. „Die Bürgermeister wurden frühzeitig und intensiv eingebunden. Der Umgang mit dem „Schutzgut Mensch“ wird entscheidend für die Akzeptanz sein. Der Lärmschutz während der Bauphase, der Baustellenverkehr und eine Minimierung der Lärmemissionen sind die wichtigsten Punkte.“

Auch Neidlingers Amtskollege Hans Stephan Lütje, Bürgermeister in Rade, will die Einwohner über die Planung informieren lassen. Der Lärmschutz ist für Lütje das zentrale Thema. Zudem ist das östlich der Brücke gelegene Rade von den neuen Erdaufschüttungen bei der Verlegung der Brückenzufahrt betroffen. „Der Damm wird sich verändern“, stellte Lütje fest. 



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