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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 03:06 Uhr

NEUES SCHULKONZEPT : „Kein Kind wird gebremst, keines bleibt zurück“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Fritz-Reuter-Schule entwickelt ein neues Konzept für die Grundschule. Start ist im Schuljahr 2017/18.

Eckernförde | In der Schulwelt ist es immer noch die Norm, dass alle Kinder in der Unterrichtsstunde zum gleichen Zeitpunkt das gleiche Resultat abliefern. Die Folge: Begabte Schüler langweilen sich, verweigern langfristig die Mitarbeit und stören den Unterricht, schwächere Schüler fühlen sich überfordert und ausgegrenzt durch mögliches Sitzenbleiben. Der Lehrer ist angesichts der Situation gereizt und leidet langfristig unter Erschöpfungssyndromen, Eltern klagen über schlechte Unterrichtsformen.

Die Fritz-Reuter-Schule will diese starre Form auflösen. Da in spätestens drei Jahren der Regionalteil ausläuft, muss die Schule sich neu aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie wird zu einer reinen Grundschule. Für diese Schule bereiten Schulleiter Simon Steinmetz und sein Kollegium seit Monaten ein neues Konzept vor, das sie in wesentlichen Zügen von der Waldschule Flensburg übernehmen.

Der jahrgangsübergreifende Unterricht der Klassen 1 und 2 und die Bildung von Lerngruppen statt Klassenverbänden ist die stärkste Veränderung im Schulalltag. „Im Schuljahr 2017/18 sind drei jahrgangsübergreifende Lerngruppen geplant“, sagte Simon Steinmetz am Montagabend auf einer Informationsveranstaltung in der Schule. Der Vorteil: Jeder Schüler könne in seinem eigenen Tempo lernen. „Kein Kind wird gebremst, keines bleibt zurück“, so Steinmetz.

Individuelles Lernen heiße das Zauberwort, erklärte Volker Masuhr, Leiter der Waldschule Flensburg, an der Simon Steinmetz und sein Team in den vergangenen Monaten viel hospitiert haben. Der Lehrer erhalte eine neue Funktion, die des Lernunterstützers. „Aus Hilfe suchenden Schülern werden Helfende, die die Erstklässler in der Lerngruppe unterstützen“, sagte Masuhr. Notenzeugnisse fallen weg, an ihre Stelle tritt der Lernweg, der das Kind die ganze Grundschulzeit über begleitet. Sowohl das Kind selbst als auch die Eltern bekommen, laut Masuhr, auf diese Weise eine stetige Rückmeldung über den Leistungsstand des Schülers.

In Vorbereitung auf die Umstellung im Schuljahr 2017/18 wurden bereits jetzt schon nicht nur in den beiden ersten Klassen der Fritz-Reuter-Schule Lernwerkstätten eingerichtet, so dass für die Kinder in den Fächern Deutsch und Mathe ein differenzierter, individueller Unterricht selbstverständlich ist und sie eigenständiges Lernen lernen. „Wir nutzen das ganze Schuljahr noch als Vorbereitung“, warb Steinmetz bei potenziellen Erstklässlereltern um Vertrauen. „Ihre Kinder sind keine Versuchskaninchen. Wir sind überzeugt, dass das Konzept funktionieren wird“, so der Schulleiter. Das neue Konzept werde dem der Waldschule Flensburg ähneln, aber mit „Fritz-Reuter-Schwerpunkten versehen“.

Auf einen Tipp, gerichtet an die Adresse des Kollegiums, legte der Gast aus Flensburg besonders großen Wert: „Denkt in Konzepten, denkt in Teams.“ Die Bereitschaft, sich zu verändern, werde langfristig nur durch ein tragfähiges Konzept gefördert.

„Wir nehmen die Kinder so, wie sie kommen“, erklärte Masuhr. Unterrichtsentwicklungen, differenzierte Inhalte und differenzierte Bewertungen seien die besten Garantien für eine gelungene Inklusion. Der Fritz-Reuter-Schule bescheinigte Masuhr eine positive Veränderung: „Sie sind dabei, Qualität zu entwickeln.“

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