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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 18:51 Uhr

Pilotprojekt : Kartoffelernte auf dem Dach des Ostsee Info-Centers

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Claus Müller und Rüdiger Ziegler erforschen sinnvolle Verwendungsalternativen für Seegras.

Eckernförde | Die Kartoffelernte auf dem Dach des Ostsee Info-Centers (OIC) ist gestern bescheiden ausgefallen. Moment – Kartoffeln auf dem Hausdach? „Wir erforschen die sinnvolle Verwendung von Seegras und Treibsel“, erklärt OIC-Leiter Claus Müller. Alle Seebäder mit Stränden hätten dasselbe Problem: „Die Seegrasentsorgung ist ein Kostenfaktor. Deshalb wollen wir Alternativen aufzeigen, was man mit Seegras statt der Entsorgung Sinnvolles anfangen kann.“ Matratzenfüllungen und Dämmmaterial sind schon aus Seegras hergestellt worden, aber das rechnet sich laut Claus Müller nicht mehr. „Seegrasdämmung ist mittlerweile dreimal so teuer wie Steinwolle.“ Deshalb das Pilotprojekt des OIC unter der Leitung von Claus Müller und dem freischaffenden Landschaftsarchitekten Rüdiger Ziegler: „Früher haben die Kleingärtner das Seegras abgeholt und die Dämme für die Spargelzucht damit gefüllt. Jetzt wollen wir wissen, ob auch andere Pflanzen darin gedeihen können.“

Kürbis, Salat, Spargel und Kartoffeln – ist das Seegras vielleicht das verkannte Universalgenie, das den Nutzpflanzen genauso viele Nährstoffe bieten kann wie die Muttererde? „Seegras hat drei Vorteile“, erklärt Claus Müller. „Es ist nährstoffreich, durch den leichten Salzgehalt hält es Schnecken fern, und es hält die Feuchtigkeit.“ Doch nach der Kartoffelernte auf dem Dach des OIC musste zumindest eine dieser Annahmen revidiert werden. Im April wurden die Kartoffeln in Seegras gepflanzt. Gestern dann die Ernüchterung: Die neuen Kartoffeln fielen sehr klein aus. Eine Erklärung hatte Rüdiger Ziegler gleich parat: „Das Seegras ist oben schön feucht und unten knochentrocken.“ Es hat seinem Ruf als gutes Dämmmaterial also alle Ehre gemacht. „Auch hat es sich unten zu stark verdichtet.“

Das Fazit: Als Ersatz für Muttererde eignet sich Seegras offenbar nicht, aber stattdessen vielleicht als Dünger oder zum Mulchen. „Seegras wird vom Boden sehr gut aufgearbeitet, besonders Lehmböden werden dadurch aufgelockert“, erläutert Rüdiger Ziegler. Claus Müller: „Die Würmer lecken sich die Lippen danach.“ Das alles soll in Zusammenarbeit mit dem Umwelt-Info-Zentrum in weiteren Projekten erforscht werden, für die Fördergelder eingeworben werden sollen.

Dass Seegras durchaus mehr als nur ein lästiger Ballast ist, zeigt das erfolgreiche Projekt der Seegrasdüne: Vor zwei Jahren ist ein Teil des angespülten Treibsels mit Zustimmung von Küstenschutz- und Umweltbehörde am Strand vergraben und als neue Düne mit Sand aufgefüllt worden. Der Bewuchs gedeiht dort prächtig.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 05:29 Uhr

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