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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 01:35 Uhr

Filialschließung : Karby verliert an Lebensqualität

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nordgemeinden enttäuscht von der Förde Sparkasse und der Schließung der Filiale Karby / Kunden noch ratlos und geschockt

Karby | Viel Zeit zum geschockt sein hatten die Karbyer nicht, nachdem Anfang Oktober bekannt wurde, dass die Filiale der Förde Sparkasse im Ort zum 19. November geschlossen werden soll. Auf Initiative von Karbys Bürgermeister Klaus-Dieter Moese wurden innerhalb von vier Tagen rund 200 Unterschriften gegen die Schließung und Reduzierung des Angebotes auf zwei Automaten gesammelt und dem Bankvorstand übergeben. Er und seine Bürgermeisterkollegen aus Brodersby, Dörphof und Winnemark führten Gespräche mit dem Vorstand in der Amtsverwaltung Schlei-Ostsee, und doch war alles vergebens, wie Moese nun resigniert einräumt. „Unsere Bedenken wurden nicht ernst genommen“, sagt er im EZ-Gespräch und weiß seine Bürgermeisterkollegen hinter sich. Sie hätten nicht mal eine Chance gehabt, mit dem Vorstand in irgendeiner Weise über die Schließung zu verhandeln. „Die Entscheidung zur Schließung stand fest“, sagt Moese enttäuscht.

In einem Brief an die Geschäftsführung drücken die Bürgermeister ihre große Enttäuschung aus. Moese: „Der Rückzug aus der Fläche widerspricht dem, was die Sparkassen bisher ausgemacht hat: Ein Dienstleister vor Ort. Es widerspricht auch dem Prinzip der kommunalen Trägerschaft, die nicht allein durch eine zentrale Landeshauptstadt Kiel dominiert werden darf.“ Vielmehr müsse sich der Vorstand um eine ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise, auch in der Fläche, kümmern. Wenn private Banken sich aus der Fläche verabschiedeten, sei das auch schlimm, aber sie hätten auch nicht den öffentlichen Auftrag, die Bürger mit Bargeld und Bankdienstleistungen in der Fläche zu versorgen, so der Bürgermeister. Diese Aufgabe habe die Sparkasse.

Bei den Gesprächen hätte der Sparkassenvorstand nur Zahlen und wirtschaftliche Aspekte vorgestellt, nicht aber die Menschen und Kunden im Blick gehabt, die nun von der Schließung betroffen sind, macht der Bürgermeister seine Ansicht deutlich. Der Hinweis des Geldinstitutes, es bliebe ja noch SB-Technik (Selbstbedienungstechnik) in Karby erhalten, sei wenig hilfreich, so Moese. Es sei doch wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch diese nicht mehr wirtschaftlich sei und abgebaut würde.

Für die Bürger aus Nordschwansen ist der Weg zur nächsten Filiale der Förde Sparkasse in Vogelsang-Grünholz weit. Auch wenn er mit dem Auto machbar sei, so sei für die allermeisten Bürger Kappeln das nächste Zentrum. Dort kaufen sie ein und versorgen sich. Nur wegen der Sparkasse würden die wenigsten nach Vogelsang fahren, so Moeses Vermutung. Für Bürger, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind, sei die Fahrt nach Vogelsang sehr zeitaufwendig. Der Bus verkehre nur sehr selten, sagt Moese.

Selbst wenn Kunden künftig die Filiale in Vogelsang besuchen, wohin Heike Nissen, die 32 Jahre lang in der Karbyer Filiale tätig war ab dem 19. November wechselt, dann sei das auch nicht die optimale Lösung, wie Unternehmer Frank Meyer aus Brodersby feststellt. So sorge sich der Sparkassenkunde um sein Schließfach. In Karby müsse er es aufgeben, in Vogelsang solle es aber nicht genug Kapazitäten geben, sagt er. Sorgen bereitet ihm auch, dass er nicht weiß, wo er sein Bargeld einzahlen kann. Ob er dafür jeden Tag nach Vogelsang fahren will, weiß er noch nicht. „Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt er und ist enttäuscht von seiner Bank. Vielleicht wechselt er auch zu einem anderen Geldinstitut in Kappeln. Noch ist er ratlos und geschockt.

Doch nicht nur die Frage der Bargeldeinzahlung für Unternehmer stellt sich, auch Überweisungsträger müssen ab dem 19. November entweder nach Vogelsang gebracht werden oder aber Überweisungen müssen über das Internet abgewickelt werden. „Das können doch viele überhaupt nicht“, stellt der Bürgermeister fest und schüttelt den Kopf. „Mit dem Verlust der Filiale geht hier ein Stück Lebensqualität verloren“, sagt er.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 06:21 Uhr

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