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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 19:22 Uhr

Ein Herz für Flattermänner : Kampf um jede einzelne Fledermaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karl-Heinz Andersen arbeitet seit 30 Jahren ehrenamtlich im Fledermausschutz. Der 78-Jährige hat viel erreicht, vor allem die Winterquartiere haben Zuwachs erhalten.

Eckernförde | Der Fledermausschutz in Eckernförde hat einen Namen: Karl-Heinz Andersen. Seit gut 30 Jahren kümmert sich der Eckernförder ehrenamtlich um die „Flattermänner“, die es zunehmend schwerer haben, geeignete Quartiere und genügend Nahrung zu finden. Der 78-Jährige sucht aus Altersgründen dringend einen Nachfolger, der sich um den Schutz und Verbesserung der Lebensbedingungen der Fledermäuse kümmern möchte. Im Umweltausschuss zog er am Mittwochabend eine vorläufige Bilanz der Fledermausentwicklung in Eckernförde.

Neun Arten leben im Ostseebad. Darunter ganz kleine wie die Zwerg- oder Mückenfledermaus (Gewicht 3,5 Gramm) und deutlich größere wie der Große Abendsegler oder die Breitflügelfledermaus. Fledermäuse sind keine Kuscheltiere, aber Karl-Heinz Andersen trotzdem ans Herz gewachsen. Warum? „Es sind die außergewöhnlichen Eigenschaften dieser Tiere“, sagt Andersen, den vor allem das einzigartige Hörsystem mit dem Aufnahmevermögen von Ultraschalllauten fasziniert. Das die Fledermaus eine extrem gefährdete Art ist, motiviert den früheren Architekten zusätzlich. Und er hat sich seine Leidenschaft über die Jahrzehnte erhalten. Dabei sind die „Termine“ mit seinen „Flattermännern“ nicht eben komfortabel: Man trifft sie zumeist abends und nachts oder im Winter in feuchten Bunkern. Dort hängen sie reglos in Spalten.

Dass sie es immer noch tun und in weitaus größerer Zahl als noch vor 30 Jahren, ist zum großen Teil sein Verdienst. Als Andersen 1986 Zugang zum Stollen gegenüber der WTD erhielt, der sich 60 Meter tief in den Hang zieht, zählte er 39 Fledermäuse. Heute sind es 190 Tiere. Damit belegt der Stollen Platz 5 im Ranking der Winterquartiere in Schleswig-Holstein. Seit 2003 ist dort auch die sehr seltene Teichfledermaus zu finden, im Januar hat er sechs Exemplare gezählt. Der Schutz des Stollens ist Karl-Heinz Andersen ein wichtiges Anliegen. So hat er mit anderen Tierschützern die Einfluglöcher katzen-sicher gemacht und im Stollen Spaltensteine zum Überwintern angebracht. Außerdem gibt es dort seit 2004 eine elektronische Zählanlage. Zwei Jahre später wurden damit im Stollen 5879 Ein- und 5922 Ausflüge registriert.

Andersens Dank gilt der Stadt, die seit 30 Jahren alle Projekte zum Fledermausschutz fördert. Auch der Kreis hilft wie jetzt bei der anstehenden Erneuerung der Zählanlage, der Sicherung der Stollentür und der Stromverlegung – die 30  000 Euro wurden bewilligt. Weniger zufrieden ist er mit dem Kahlschlag am Stollen durch die Stadtgärtnerei – „da ist eine Lawine heruntergekommen“, so der Fledermausexperte. Der zuständige

Bauamtsmitarbeiter Uwe Winkelmann meinte, dass man nicht gewusst hätte, wie wichtig die Bäume und Sträucher für die Orientierung vor allem der jungen Fledermäuse beim Aufsuchen des Stollens sei. Darauf werde man künftig bei der Hangpflege natürlich achten, versprach er.

Neben dem Stollen in der Berliner Straße neben der Bahnlinie ist auch eine alte Garage auf dem Sandkruggelände, die die Stadt aus diesem Grund nicht abgerissen hat, seit 18 Jahren ein beliebtestes Winterquartier für Fledermäuse. Anfangs war dort kein einziges Exemplar zu finden, heute sind es 71. Auch im alten Salzlager der alten Straßenmeisterei an der Umgehungsstraße verbringen Braune Langohren den Winter. Nicht angenommen wurde hingegen der alte ABC-Bunker in der Stettiner Straße (3 x 2,7 m). „Das wird wohl auch nichts mehr“, hat der Fledermausexperte kaum noch Hoffnung.

Zumeist suchen sich die Fledermäuse selbst ihre Quartiere. Wie im früheren Kreiskrankenhaus, als Zwergfledermäuse massenweise die Lücken zwischen den Betonplatten besiedelten und sogar in den Zimmern der Geburtshilfe umherflatterten – man hat ihnen Ersatzquartiere auf dem Dach geschaffen. Auch im Inneren des Borbyer Kindergarten lebten Fledermäuse, die Kinder fanden teilweise lebende Babys. Da das artenschutzrechtlich nicht zulässig ist, wurden außen Ersatzquartiere geschaffen, die aber bisher nicht angenommen wurden, wie Andersen berichtete.

Carlshöhe ist ein Kapitel für sich. Als Kaserne und vor allem während des mehrjährigen Dornröschenschlafs danach war die Marinekaserne ein „hotspot“ für Fledermäuse. Sechs der neuen Arten lebten dort. Der Umbau zu einem Wohnquartier habe dort aber alles verändert, viele Quartiere seien zerstört worden, sagt Andersen. Es würden aber große Anstrengungen unternommen, Ersatzquartiere für die Fledermäuse zu schaffen. Viele der behördlich verordneten Ersatzmaßnahmen seien umgesetzt, „aber die to-do-Liste ist noch nicht abgearbeitet“. Es fehlten noch Fassadenquartiere und Winterquartiere für die Waldfledermäuse.

Karl-Heinz Andersen setzt sich für den Erhalt der Nahrungsgrundlage und eine naturnahe Gestaltung von Grünanlagen und Gärten ein. Die um sich greifende „lückenlose Vollversiegelung“ ist ihm ein Gräuel – sie zerstörten die natürlichen Lebensbedingungen für viele Tiere, auch die der Fledermäuse.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 06:29 Uhr

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