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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 11:34 Uhr

Edle Bohne : Kakao aus Peru – verpackt in Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Besuch bei Kompass 98: Die Geschäftsführer der Firma Peru Puro berichten über Anbau und Erzeuger.

Eckernförde | Was hat Kompass 98, eine Werkstatt für psychisch behinderte Menschen in Eckernförde, mit Kakao aus Peru zu tun? Rund 10  700 Kilometer (Luftlinie) legen die Kakaobohnen aus dem südamerikanischen Land zurück, um in Eckernförde von Hand liebevoll für den Einzelhandel verpackt zu werden. Geröstete und geschrotete Kakaobohnen liegen offen vor Dr. Frauke Fischer (50) und Dr. Arno Wielgoss (34) auf dem Tisch im Versammlungsraum von Kompass 98. Sie sind Geschäftsführer der Firma Peru Puro, in deren Auftrag die Eckernförder die Produkte aus der Region 200 Kilometer nordöstlich von Cusco, einem Landstrich an der Ostseite der Anden im peruanischen Bergregenwald, verpacken. „Wir wollen Ihnen erzählen, welche lange Reise dieser Kakao hinter sich hat“, begründet Wielgoss den Besuch, „und wir möchten Ihnen zeigen, woher das kommt, was Sie jeden Tag verarbeiten.“

Rund 140 Bauernfamilien leben in der schwer zugänglichen Region. 40 sind in der Kooperative Apecmu organisiert. Deren Mitglieder haben sich verpflichtet, ihre Erzeugnisse ausschließlich biologisch und ökologisch, ohne jeglichen Einsatz von Insektiziden und Pestiziden, anzubauen. Sie müssen ein Betriebstagebuch führen und Versammlungen zwecks Weiterbildung besuchen. „Transparenz ist ganz wichtig“, so Wielgoss, „jede Bohne kann zu 100 Prozent zu ihrer Ursprungsplantage zurückverfolgt werden.“ 2015 gründeten Arno Wielgoss und Frauke Fischer die Direktimportfirma Peru Puro, die den Bio-Kakao direkt von den Kleinbauern der Kooperative kaufen. Im Februar erreichte die erste Lieferung Deutschland.

Ökologische, klimafreundliche und nachhaltige Landwirtschaft in diesem Teil der Erde gab es bis vor wenigen Jahren nicht. Statt des jetzigen Agro-Forstsystems, das den Anbau vieler verschiedener Früchte und unterschiedlicher Schattenbäume vorsieht und somit für den Schutz des Regenwalds und einen gesunden Boden durch Aufforstung sorgt, herrschte Brandrodung, Monokultur, der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden sowie Artenarmut. Höchstens 12 Jahre sei eine gerodete Fläche ertragreich, dann tauge sie nur noch als Viehweide. „So frisst sich eine kleine Familie durch den Regenwald“, erzählt Arno Wielgoss und sorge für große Schäden.

Für die Veränderungen ist der Verein „Frederic – Hilfe für Peru“ verantwortlich. Seiner Gründung liegt ein trauriges Ereignis zugrunde. Vor 16 Jahren wurde Frederic Wielgoss, der Bruder von Arno Wielgoss, im Alter von 20 Jahren beim Baden im Urwaldfluss Urubamba von einem Strudel erfasst und verschwand. Frederics Freunde riefen für eine Suchaktion zu Spenden auf. Die Suche wurde erfolglos beendet. Familie Wielgoss beschloss, mit den überschüssigen Spenden den Menschen in der Region zu helfen. Zwei Jahre später wurde der Verein „Frederic – Hilfe für Peru“ gegründet. Dieser setzt sich sowohl für eine Verbesserung der Lebensumstände der Kleinbauern (Selbstversorgung, Gesundheit, medizinische Versorgung, Bildung und Landwirtschaft als Einkommensquelle) als auch für einen konsequenten ökologischen Landbau zum Erhalt des Regenwalds ein.

Die Firma Peru Puro ist anerkannter Lieferant der Weltläden und trägt das Biosiegel Fairband. Arno Wielgoss ist jedes Jahr mehrere Wochen selbst vor Ort und pflegt den direkten Kontakt zu den Bauern. Er überzeugt sich, dass auch wirklich alles von Hand sortiert wird. Die Gründung der Firma sei erforderlich geworden, da der einzige Abnehmer von Kakao in der Region keinen höheren Preis trotz einer viel höheren Qualität zahlen wollte, so Wielgoss.

Die Produktpalette ist vielfältig. Neben rohen Kakaobohnen (Rohkost) werden geröstete und geschrotete Bohnen angeboten, „die wie Chips gegessen werden können“, sagt Frauke Fischer. Kakaonibs eignen sich ihrer Auskunft nach vorzüglich für Müsli und Kuchen. Eine Spezialität ist der Kakaotee, der süß wie Schokolade schmeckt, aber null Kalorien hat. „Verwendungsideen würden keine Grenzen gesetzt“, so Fischer. So habe der Inhaber der Clara Hof Destillerie angekündigt, einen „Kakaogeist“ kreieren zu wollen. „Wir sind stolz darauf, dass wir Sie verpacken dürfen“, so Marita Kahn, Geschäftsführerin von Kompass 98, „und sehr beeindruckt, was Sie vor Ort leisten“.

>In Eckernförde sind die Produkte bei „Gaumenfreuden“, Nicolaistr. 17, erhältlich.

Weitere

Infos: www.frederic-hfp.de; www.perupruro.de

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erstellt am 27.Aug.2016 | 06:08 Uhr

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