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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 12:45 Uhr

Kinderschutzbericht : Jugendamt prüft 483 Verdachtsfälle

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kreisjugendamt stellt Kinderschutzbericht 2015 vor / In 20 Prozent der Fälle drohte Gefahr für das Kind

Nahezu täglich klingelt bei den Mitarbeitern des Jugend- und Sozialdienstes das Telefon. Lehrer, Nachbarn, Erzieher, Polizei oder anonyme Anrufer berichten dann von Kindern, denen es nicht gut gehe, die vernachlässigt würden. Sie fürchteten um das Wohl eines Kindes. Im vergangenen Jahr waren das 483 Meldungen, 24 mehr als 2014, aber knapp unter dem Durchschnittsniveau der letzten Jahre. Eine Meldung bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein Fall von Kindeswohlgefährdung (KWG) vorliegt. Das geht aus dem aktuellen Kinderschutzbericht des Kreises Rendsburg-Eckernförde hervor, der jetzt vorliegt. Auf den 26 Seiten hat Diplom-Pädagogin Wiebke Schmitz hat in der Koordinierungsstelle Kinderschutz des Kreises alle Daten und Fakten zusammengetragen, die mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Seit 2009 stellt sie den umfassenden Bericht zusammen, der am Mittwoch, 18. Mai, den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses offiziell vorgestellt wird.

„Wir nehmen natürlich jede Meldung ernst“, sagt Norbert Schmidt, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie im Rendsburger Kreishaus. In 20 Prozent der Fälle, insgesamt 99, handelte es sich aber um eine drohende oder akute Kindeswohlgefährdung, die einen Unterstützungsbedarf zur Folge hatte. 2014 galt das für 17 Prozent (77) der Meldungen. In 205 Fällen handelte es sich zwar um keine Kindeswohlgefährdung, allerdings stellten die Kollegen vom Jugend- und Sozialdienst einen Hilfebedarf fest. In neun Fällen musste das Kind aus der Familie genommen werden (2014: 12; 2013:13). In 179 Fällen gab es keinen Grund zu handeln. Anlass für einen Hilfebedarf in den Familien war 2015 an erster Stelle Armut, gefolgt von psychiatrischen Erkrankungen.

Bei jeder Meldung wird im Jugendamt ein Formular nach einem standardisierten Verfahren erstellt, um die Situation des Kindes einzuschätzen, sagt Doris Lucke, Fachgruppenleiterin des Jugend- und Sozialdienstes. Sie leitet und koordiniert die Einsätze des Team in Rendsburg, das mit den Teams in Eckernförde und Nortorf die Familien besucht. Anhand der Auswertung des Formulars wird dann entschieden, ob ein sofortiger Handlungsbedarf besteht oder ein mittelfristiger, dem nicht innerhalb von wenigen Stunden nachgegangen werden muss. Es komme nur selten vor, dass die Mitarbeiter bei den Eltern auf Widerstand treffen. Dann müsse ein Gerichtsbeschluss her. Die Szenarien, auf die die Mitarbeiter treffen, seien unterschiedlich. Eine verwahrloste Wohnung beispielsweise, in den allermeisten Fällen seien die Eltern überfordert und überlastet. „Gemeinsam mit den Eltern wird ein Hilfeplan aufgestellt“, sagt Doris Lucke. Darin verpflichten sich die Eltern beispielsweise eine Beratungsstelle aufzusuchen. Dabei setze man auf Verbindlichkeit und Transparenz, betont Schmidt. Dabei kann der Jugend- und Sozialdienst auf ein engmaschiges Hilfesystem zurückgreifen, um die Familien in den schweren Lebensumständen zeitnah zu unterstützen. Dazu zählen die Familienhebammen oder auch die „Schutzengel“. Das Kriseninterventionsteam besteht aus ausgebildeten Mitarbeitern, die rund um die Uhr zu erreichen sind. Ihr Ziel ist es, eine Inobhutnahme des Kindes zu verhindern und die Krise mit den Ressourcen der Familie und des sozialen Umfeldes zu bewältigen.

Die Prävention spielt in der Abteilung von Norbert Schmidt eine große Rolle. Risiken für das Wohl und die Entwicklung des Kindes sollen frühzeitig wahrgenommen werden. Über das Netzwerk „Frühe Hilfen“ können sich Familien und werdende Eltern auf der Internetseite des Kreises sowie über ein Familientelefon (04331-56813) informieren.

 

>www.kreis-rendsburg-eckernfoerde.de/ verwaltungsportal/jugend-und-familie/fruehe-hilfen/info

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erstellt am 12.Mai.2016 | 06:44 Uhr

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