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Nooröffnung : Jetzt können die Investoren kommen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Vermarktungsverfahren für das Projekt Nooröffnung steht: Ausschließlich Mietwohnungen und Barrierefreiheit light.

Eckernförde | Der Hauptausschuss hat am Mittwochabend bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung den von der interfraktionellen Arbeitsgruppe zum Projekt Nooröffnung erarbeiteten Empfehlungen mit leichten Änderungen zugestimmt (siehe EZ v. 4. Juli). Gestern Abend folgte auch die Ratsversammlung den Empfehlungen, so dass nun das Vermarktungsverfahren mit integriertem Gestaltungswettbewerb und Nutzungskonzept zur Ausschreibung vorbereitet werden kann. An der Nooröffnung sollen auf vier Baufeldern – Wasserkante, zweite Reihe, Gaehtjestraße und Schulweg – 50 bis 70 Mietwohnungen sowie gewerbliche Räume entstehen. Der Steindamm und die Noorstraße – nicht Bestandteil des Vermarktungskonzepts – werden gesondert betrachtet und sollen ebenfalls bebaut werden. Aufgrund des Zeitdrucks konnte die vorgelegte detaillierte Bewertungsmatrix für das Vermarktungsverfahren im Hauptausschuss noch nicht beraten werden.

Alle Empfehlungen, die die interfraktionelle Arbeitsgruppe in mehrmonatiger Arbeit, Workshops und Sitzungen erarbeitet hat und die durch Eingaben von Bürgern in der Einwohnerversammlung am 2. Juni ergänzt wurden, kamen noch einmal auf den Prüfstand. Alexandra Dahmen vom Sanierungsträger BIG Städtebau stellte das Ergebnis im Detail vor. Punkt für Punkt wurden die Positionen und Festlegungen diskutiert, bevor das Gesamtpaket nach knapp drei Stunden abgearbeitet und beschlossen war. Dabei ging die Verwaltung auch auf einen von Oliver Fink (FDP) eingereichten umfassenden Fragenkatalog zur Höhe der Mietpreise für Sozialwohnungen, Barrierefreiheit und zum weiteren Verfahren ein.

Ein viel diskutiertes Thema war die Barrierefreiheit der Wohnungen. Bürgermeister Jörg Sibbel, Bürgervorsteherin Karin Himstedt (CDU) und weitere Redner äußerten ihre Besorgnis, dass durch zu hohe Anforderungen eine „ernsthafte Gefahr“ (Sibbel) bestehe, an der Nooröffnung wie gewünscht bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Ein Optimum an Barrierefreiheit nach DIN-Norm würde die Baukosten deutlich in die Höhe treiben“, so der Bürgermeister. Er plädierte für die Umsetzung des weniger reglementierten Grundstandards nach der Landesbauordnung, wonach die Wohnungen barrierefrei erreichbar sein müssten und eine Barrierefreiheit in Mehrfamilienhäusern nur im Erdgeschoss vorgehalten werden müsse, so dass damit auch keine (teure) Fahrstuhlpflicht verbunden sei. Werner Huß vom Beirat für Menschen mit Behinderung sprach sich für die Festsetzung eines barrierefreien Wohnungsanteils aus, um so zu verhindern, dass eventuell Investoren zum Zug kämen, die auf die Barrierefreiheit verzichten würden und sich die dadurch entgangenen Bewertungspunkte an anderer Stelle wieder hereinholten. Oliver Fink (FDP) wies auf den „Zielkonflikt“ zwischen günstigem Bauen und Barrierefreiheit hin. „Wir müssen versuchen, es in der Bewertungsmatrix zusammenzubringen.“

Auf Anregung von Frauke Piechatzek (SPD) wurde bei der Empfehlung „Es ist vorrangig Mietwohnungsbau zu erstellen“ das Wort „vorrangig“ gestrichen – demnach werden ausschließlich Mietwohnungen an der Nooröffnung entstehen. Nach kurzer Diskussion wurde zudem die Traufhöhe für die zweigeschossigen Gebäude an der Gaehtjestraße um einen auf sieben Meter erhöht, um einer gewerblichen Nutzung mehr Raum zu geben. Einig waren sich die Kommunalpolitiker über die Wertigkeiten der Bewertungsbereiche der ersten und zweiten Stufe des Vermarktungsverfahrens:

>Stufe 1: Nutzungskonzept 40 %, Städtebau, Referenzen des Investors und Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit jeweils 20 %;

>Stufe 2: Nutzungskonzept 25 %, Städtebau/Gestaltung 25 %, Nachhaltigkeit/Energie 15 %, Freiraumgestaltung 15 %, Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit 20 %.

„Der erste Aufschlag ist ein Teilnahmewettbewerb, in dem wir wissen wollen, was das für Investoren sind, und ob sie es überhaupt stemmen können“, sagte Karin Himstedt. In der ersten Stufe sei das Nutzungskonzept mit 40 % das wichtigste Kriterium, in der zweiten Stufe werde dann „die konkrete Umsetzung wichtiger“, so Himstedt.

Irritationen löste Matthias Huber (Bürger-Forum) bei den übrigen Ausschussmitgliedern aus, als er sich in der Sitzung beschwerte, die Liste mit den Empfehlungen das erste Mal zu sehen, und dass es das Bürger-Forum aufgrund der knappen Zeit nicht geschafft habe, sich seit der Sitzung der interfraktionellen Arbeitsgruppe am 2. Juli damit zu befassen. Für diese Beschwerde hatten die anderen Fraktionen, die allesamt zu einem Beratungsergebnis gekommen waren, kein Verständnis. Zumal das Bürger-Forum mit zwei Mitgliedern in der Arbeitsgruppe vertreten war und alle Informationen vorgelegen hätten. Huber wollte zudem wissen, inwieweit Ratsmitglieder schadensersatzpflichtig seien, wenn Investoren jetzt Versprechungen gemacht würden, die später durch ein mögliches Bürgerbegehren eventuell wieder zurückgenommen werden müssten. Bürgerentscheide seien immer möglich, darauf könne man keine Rücksicht nehmen, sagte der Bürgermeister. Ein Bürgerbegehren würde sich im konkreten Fall ohnehin nur gegen ein Vollgeschoss in der Gaehtjestraße richten können.

Die Empfehlungen werden jetzt mit dem Innenministerium abgestimmt, der Text für das Vermarktungsverfahren formuliert und zusammen mit einem Vorschlag für die Zusammensetzung der Jury nochmals der Ratsversammlung vorgelegt.

Vorgaben und Eckdaten zur Nooröffnung:

Die wesentlichen Vorgaben für das Vermarktungsverfahren mit integrierten Gestaltungswettbewerb und Nutzungskonzept für die Bebauung der Nooröffnung mit 50-70 Wohneinheiten auf den vier Baufeldern Wasserkante, zweite Reihe, Gaehtjestraße und Schulweg:

>Investoren können sich für ein oder mehrere Baufelder bewerben, die Stadt behält sich vor, die Baufelder an mehrere Investoren aufzuteilen. >Wärmeversorgung über BHKW oder andere regenerative Energie. >Wohnbebauung in zwei Halbringen zur Nooröffnung. >Innere Erschließung des Quartiers über Spiel- und Wohnstraßen, keine Durchgangsstraße. >Pkw der Bewohner sollen nicht im öffentlichen Raum sichtbar sein, Stellplätze in Garagen oder Tiefgaragen. >Es werden ausschließlich Mietwohnungen gebaut.>Wohnungsmix, Mehrgenerationenwohnen und Wohngemeinschaften sollen möglich sein. >Mindestens 25 % der Wohnfläche sind als sozial geförderter Wohnungsbau im 1. Förderweg mit einer Mietobergrenze von 5,20 Euro/Quadratmeter zu erstellen. Die geförderten und die frei finanzierten Wohnungen sind zu mischen. >Der öffentliche Raum ist barrierefrei zu planen. Die Barrierefreiheit der Wohnungen richtet sich nach den Vorgaben der Landesbauordnung, ein Geschoss soll barrierefrei (rollstuhlzugänglich, schwellenfrei, ausreichende Türbreiten und, Bewegungsräume) werden. >Bebauung an der Wasserkante mit zwei Vollgeschossen und Dach (Flachdach oder Dachgeschoss). >Bebauung im Innenbereich dreigeschossig und Dach (Flachdach oder Dachgeschoss) >Wohnen im Kernbereich der Fläche, Gewerbe eher am Schulweg. >Bebauung der Gaehtjestraße mit zwei Vollgeschossen bis zu 7 Meter Traufhöhe und Satteldach ohne Vorgabe eines Baustils (Stichwort Kleine Speicherstadt), Erdgeschoss gewerblich-maritime Nutzung, Café, Nutzung obere Geschosse offen. >Baufeld MI 2 (Gaehtjestraße) ist in mindestens drei Baukörper zu teilen, um Sichtachsen zum Wasser und öffentliche Durchgänge zu schaffen. >Herstellung einer Sichtachse Reeperbahn - neue Wasserfläche, Anbindung des Quartiers ans Wegenetz Fußgänger und Radfahrer.

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erstellt am 10.Jul.2015 | 06:37 Uhr

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