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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 19:14 Uhr

Windkraft : Jetzt entsteht Windrad Nummer 5

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Setzen sich die Bauherren im Windpark Loose über behördlich verhängten Baustopp hinweg?

Loose | Trotz eines seinerzeit verhängten Baustopps wächst seit gestern Morgen im Windpark Loose eine weitere Windkraftanlage in die Höhe. Die Windparkbetreiber verstoßen damit möglicherweise erneut gegen Vorlagen des zuständigen Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Dieses hatte den Baustopp verhängt, war aber gestern am späten Nachmittag nicht mehr erreichbar.

Alle Zufahrtswege zum Gelände wurden von der Baufirma Nordex weiträumig abgesperrt. Bei der im Bau befindlichen Anlage handelt es sich um die letzte von insgesamt fünf geplanten auf dem Gelände. Auch für die übrigen vier Windkrafträder hatte es in der Vergangenheit Baustopps gegeben. Diese wurden nach fachlicher Prüfung durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises (UNB) aufgehoben – nicht jedoch für die Anlage Nummer 5.

Hier gilt – Stand gestern Nachmittag – der das Bauverbot weiterhin, weil der Standort des Fundamentes laut Martin Schmidt, Pressesprecher des LLUR, von der genehmigten Stelle abweicht. Damit sei eine Genehmigung vom Eigentümer des Nachbargrundstückes notwendig. Für einen Kommentar, ob diese Einigung zwischen eben jenem Grundstückseigentümer und den Windparkbetreibern inzwischen vorliegt, waren die Parteien bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Der Bauleiter der Firma Nordex sagte gestern lediglich: „Wir geben keine Informationen.“

Frank Dreves wurde gestern gegen 7.30 Uhr auf die Arbeiten aufmerksam. Er ist Teil des Vorstands vom Verein Seeadlerschutz Schlei, der seit Monaten gegen den Bau des Windparks aktiv ist und das LLUR in der Vergangenheit wiederholt auf Verstöße hingewiesen hatte. So auch gestern auf den aktuellen. „Ich habe heute Morgen umgehend das LLUR informiert.“ Das Amt hat laut Dreves daraufhin mit den Parkbetreibern gesprochen – offenbar ohne Resultat. Die Arbeiten an Anlage 5 liefen bis in den Abend hinein fort. Um 18 Uhr stand bereits ein drittes Turmsegment.

Gegen die Windparkbetreiber läuft bereits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Dieses war eingeleitet worden, weil jene während der Brut- und Setzzeit (zwischen März und Oktober) mit dem Bau der Anlagen 2, 3 und 4 begonnen hatten, ohne die Behörden hierüber zu informieren. Eine Baupause während dieser Zeit war zuvor als eine Nebenbedingung mit der Baugenehmigung vom LLUR, in Absprache mit der UNB, erlassen worden, um auf den Artenschutz Rücksicht zu nehmen (wir berichteten). Zudem seien Getreidefelder längsseits der Fahrwege der Baufahrzeuge zerstört worden.

Auch der Nabu-Ortsverband hatte wiederholt Verstöße im Zusammenhang mit den Arbeiten im Windpark Loose beklagt. Aus Sicht des Nabu seien Bestimmungen und Gesetze ignoriert worden. Die Organisation forderte vergeblich eine Rücknahme der gesamten Baugenehmigung als einzig wirkungsvolle Zeichen, um der Bevölkerung und auch allen Betreibern zu zeigen, dass nicht jeder Gesetze missachten dürfe und am Ende sogar noch wirtschaftliche Vorteile dadurch genieße. „Bitte helfen Sie uns, und schreiten Sie hier ein“, heißt es in einem Brief im Juli an Landesumweltminister Dr. Robert Habeck.

„Wir hatten gedacht: So frech werden die Betreiber nicht sein, dass sie einfach weiterbauen“, so Dreves vom Seeadlerschutzverein. „Aber sie beziehen die Strafe offenbar in ihr Kalkül mit ein“, so seine Vermutung. Denn nachträglich abbauen werden die Windparkbetreiber die bereits stehenden Anlagen wohl nicht. „Eine solche Strafe stünde nicht im Verhältnis zum wirtschaftlichen Schaden“, so Dreves.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 05:56 Uhr

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