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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 14:59 Uhr

BLÜHENDE OASEN IM HINTERHOF : Jeder Quadratmeter entsiegelte Fläche zählt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Aufgrund einer privaten Initiative blühen im Bleicherhof jetzt kleine Wiesen. Die Ansiedlung von Wildblumen schafft Platz für Wildbienen in der Stadt.

Eckernförde | Bunte Blühwiesen statt graue Betonplatten, summende Insekten statt Autolärm – wenn die Mitarbeiter des Augenarztzentrums Eckernförde jetzt ihre Mittagspause im Freien verbringen wollen, müssen sie nur die Treppe hinuntergehen, um eine kleine, aber feine grüne Oase zu finden. Im Hinterhofbereich des Augenarztzentrums (Bleicherhof) wachsen und gedeihen in sieben Blühkästen rotleuchtende Mohnblumen, Wegwarten mit ihren himmelblauen Blüten, weiße Kamille und viele andere Wildblumen. Wildbienen und Schwebfliegen sind ständige Besucher der sieben Blühkästen – eine grüne Idylle in dem Hinterhof. „Das bedeutet ein Stück mehr Lebensqualität für uns “, sagt die Augenärztin Dr. Katharina Föry. Die Idee für die Begrünung des Bleicherhofs stammt von Anja Rolf, die im Rahmen ihrer Hausmeistertätigkeit im Bleicherhof aktiv wurde. Nicht nur die Eigentümergemeinschaft signalisierte sofort Unterstützung, auch Dr. Katharina Föry und ihre Kollegen Dr. Ellen Lippek, Dr. Patricia Kübek und Dr. Moritz Pünder waren sofort von der Idee angetan.

Anja Rolf hat eine Vision: „Jeder Quadratmeter entsiegelte Fläche zählt“, sagt das Nabu-Mitglied. Sie beklagt den besonders „lebensfeindlichen Gartentrend, Vorgärten aus Stein“ zu schaffen, in denen Blütenvielfalt fehle und somit auch jeglicher Lebensraum für Insekten. Die Teilnahme an einem Bienenbotschafter-Seminar beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume habe ihr die Augen geöffnet, so Rolf. Ein Viertel der 296 in Schleswig-Holstein lebenden Wildbienenarten ist bereits ausgestorben, ein weiteres Viertel ist stark gefährdet. Die Ursachen: intensive Landwirtschaft, Einsatz von Pestiziden, Verlust spezifischer Lebensräume und Blütenarmut. „Wenn man dann mit offenen Augen durch die Wohngebiete Eckernfördes fährt, muss man leider feststellen, dass das Blütenangebot auch hier in den letzten Jahren stark abgenommen hat“, sagt Anja Rolf. Naturnahe Gärten mit heimischer Artenvielfalt seien kaum noch anzutreffen. Stattdessen gebe es immer mehr kurz gemähte Rasenflächen und blühlose Hecken.

Die 39-Jährige wollte nicht länger zuschauen und selbst aktiv werden. Die Hinterhoffläche im Bleicherhof bot sich geradezu an. Nach dem Einverständnis der Eigentümergemeinschaft baute sie gemeinsam mit Ehemann Felix sieben Blühkästen aus Baubohlen aus dem Baumarkt. 70 Gehwegplatten wichen für 17,5 Quadratmeter Blütenvielfalt. Die Kästen wurden mit regionalem Tragschichtkies (0-32mm) gefüllt. Oberflächlich wurde etwas zertifizierter, steriler Kompost eingearbeitet. Im März wurde heimisches Saatgut aufgebracht und nur leicht angedrückt. Ab Mai entfaltete sich die ganze Blütenpracht. Das Projekt hat Nachahmungscharakter: „Natürlich, nachhaltig und pflegeleicht – das ist mein Motto. Jeder kann das selbst machen“, ist sich Rolf sicher. Die Pflege ist leicht, nur einmal im Jahr muss die Blühwiese im Holzkasten abgeharkt werden.

Nicht nur die Wildbienen und andere Insekten fühlen sich neuerdings wohl im Bleicherhof, auch Läuse an den Blüten dürfen gerne bleiben. „Sie sind Nahrung für die Vögel“, weiß Rolf. So hat sie schon ein Hausrotschwanzpärchen und einen Zilpzalp beobachten können.

Der Abteilungsleiter Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde, Michael Packschies, ist voll des Lobes angesichts der privaten Initiative. „Das passt genau zum Konzept der Stadt“, so Packschies. Eckernförde sei das nördlichste Mitglied im Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt und unterstütze jegliche Initiative für die Begrünung privater Flächen.

>Auf rund 1000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten für 7 Blühkästen. Nähere Informationen gibt Anja Rolf, Mail:

anja.rolf@posteo.de


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erstellt am 05.Jul.2016 | 05:15 Uhr

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