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Eckernförder Zeitung

23. März 2017 | 15:24 Uhr

Schüleraustausch : Interkulturelles Lernen in der Ukraine

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In diesem Jahr wird die Kiewer Partnerschule wieder besucht/ Treffen mit Weltklasseboxer und Bürgermeister Vitali Klitschko geplant

Altenholz | Diesen Monat geht es los. 14 Schüler des Altenholzer Gymnasiums reisen nach Kiew und besuchen dort ihre Partnerschule das Gymnasium Nummer 59 in Kiew. „Wir haben viel dafür getan, damit diese Partnerschaft trotz des Krieges weiter bestehen bleibt“, sagt Henning Schröder, der das Projekt gemeinsam mit seiner Kollegin Nadine Köhler koordiniert. Die Schulpartnerschaft besteht seit über 20 Jahren. Auf Grund der politischen Lage, fanden ab 2013 keine Besuche mehr statt. Für Schröder war klar, dass, sobald sich die Lage wieder beruhigt, der Austausch weiter gehen soll. „Wir haben viel Werbung gemacht und erreicht, dass wir im Juni letzten Jahres wieder ukrainische Schülern empfangen konnten. Dazu braucht es Gastfamilien. Zunächst war der Andrang nicht so groß, zu groß war die Angst und Verunsicherung, die durch die verschiedenen Medien vermittelt wurden. Schröder wollte nicht aufgeben und sagte, dass die Aufnahme eines ukrainischen Schülers nicht gleichzeitig bedeute, dass das eigene Kind im Folgejahr auch in die Ukraine fahren müsse. Daraufhin konnten zehn Gastfamilien gefunden werden.

Der Besuch war ein voller Erfolg, fast alle Kinder, die besucht wurden, fliegen diesen Monat nach Kiew, um ihre Austauschpartner zu besuchen. Gestern fand eine Fachtag statt, wo die Schüler sich auf die Projektarbeit in der Ukraine vorbereiteten. Die gegenseitigen Besuche finden unter einem bestimmten Motto statt, wozu die Schüler ein Projekt gestalten. Schon beim Besuch der Kiewer Schüler, sollten medial geprägte Verzerrungen abgebaut werden. „Selbstbilder, Fremdbilder, Medienbilder–Annäherungen zwischen friedlicher Tradition und aktueller Bedrohung lautet auch in diesem Jahr der Projekttitel, mit dem sich das Gymnasium bei der Stiftung West-Östliche Begegnungen beworben hat. „Die Anknüpfung unter den Schülern hat hervorragend geklappt, obwohl die Verständigung nicht immer einfach ist“, sagt Schröder. Um die Schüler auf den Besuch vorzubereiten gab es im Februar schon mehrere Treffen. Gestern beschäftigten die Schüler sich einen ganzen Vormittag mit ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Austausch und und ihren Erwartungen an die Zeit, die sie in den Gastfamilien verbringen. Des Weiteren setzten die Schüler sich mit Akteuren des politische- und gesellschaftlichen Wandels in der Ukraine auseinander. Die Schüler vergleichen die unterschiedlichen Zukunftserwartungen von Deutschen und Ukrainern, welche im Juni 2016 thematisiert wurden. Ausgehend von prominenten Akteuren des Wandels soll versucht werden, auszuloten, welche Schritte jeder Einzelne unternehmen kann, um innerhalb der politisch- und gesellschaftlichen Strukturen nun im Kleinen positive Veränderungen der Zivilgesellschaft hervorzurufen. „Wir wollen die Schüler sensibilisieren, damit sie die Lage und die verschiedenen Ansichten dort verstehen“, so Schröder. Dazu werden sich die Schüler mit verschiedenen Akteuren treffen. Geplant ist eine Begegnung mit Vitali Klitschko, dem Weltklasseboxer, Maidanaktivisten und Bürgermeister von Kiew, sowie Natalia Boikiv von der Selbsthilfegruppe der „Himmlischen Hundertschaft“, die ihren Ehemann durch die Schüsse auf dem Maidan im Februar 2014 verloren hat. „Sie möchte sich mit uns auf dem Maidan treffen, das ist eine einmalige Gelegenheit für die Schüler.“ Des Weiteren bereiten die Schüler sich auf die Projektarbeit vor, indem sie sich mit Poroschenko aber auch dem rechten Sektor der Ukraine auseinander setzen. Dazu saßen die Schüler gestern in Gruppen zusammen und sammelten Informationen. Jesse, Mateo und Fynn erkundigten sich über Poroschenko. Sie freuen sich schon auf die Reise, sind aber auch ein bisschen aufgeregt. Den Besuch der ukrainischen Schüler haben sie noch genau vor Augen. „Die kamen mit haufenweise Gastgeschenken und waren sehr höflich“, erzählt Mateo. Der 15-Jährige ist schon sehr gespannt.

Schröder, der selbst zum zweiten Mal mit nach Kiew fährt, freut sich auf die Reise. „Das ist einfach interkulturelles Lernen par excellence. Krtikern kann ich immer nur sagen, dass dies keine Sprachreise ist, wir arbeiten gesellschaftswissenschaftlich.“ Auch für Nadine Köhler ist diese Art von Austausch eine der lehrreichsten: „Das sind einfach Erfahrungen, die kann man nicht aus einem Lehrbuch ziehen.“ Köhler war gleich angetan von dem Projekt, es sei so wichtig, auch in östliche Länder zu fahren, über den Tellerrand hinaus zu blicken.

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erstellt am 11.Mär.2017 | 07:29 Uhr

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