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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

Weltgärten : Integration am Gartenzaun

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neues Projekt: In Weltgärten können Flüchtlinge in Kontakt zu Einheimischen treten.

Endlich in Sicherheit – wer aus einem Krisenland wie Syrien oder Afghanistan nach Deutschland kommt, hat die größte Hürde erst einmal geschafft, doch die nächste wartet schon auf ihn: Viele Asylbewerber müssen lange auf eine Entscheidung über ihr Bleiberecht warten. Hinzu kommt die Sprachbarriere, nicht zuletzt eine vielleicht mangelnde Ausbildung, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Für die Betroffenen heißt es deshalb zunächst einmal warten. Viele wollen arbeiten, dürfen aber laut der gesetzlichen Bestimmungen nicht. Allein in einem fremden Land ohne ausreichende Sprachkenntnisse und zum Nichtstun verdammt – vielen fällt dann die Decke auf den Kopf.

„Integration ist nicht durch Nichtstun zu bekommen“, sagt Lutz Oetker, Geschäftsführer des Vereins „Umwelt – Technik – Soziales“ (UTS), der die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit im Ostseebad über die Initiative „Willkommen in Eckernförde“ zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt koordiniert.

Deshalb setzt er große Hoffnungen in das neue Projekt der Weltgärten, das jetzt auf 1000 Quadratmetern in der Kleingartenkolonie Pupke angelaufen ist: Der Kleingärtnerverein Eckernförde stellt bislang brachliegende Parzellen zur Verfügung, die Flüchtlinge kostenlos oder günstig nutzen können. Beim Start und der Vorbereitung der Flächen werden sie von vier „Weltgärtnern“ unterstützt, die schon zuvor als „Ein-Euro-Jobber“ die Sozialgärten betreut und nun jeweils für drei Jahre eine 25-Stunden-Stelle bei der Beschäftigungsgesellschaft Pro Regio erhalten haben. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie das Jobcenter Rendsburg-Eckernförde. Projektleiter ist Klaus Schnack. Begleiten wird auch Sabine Rief vom Umwelt-Info-Zentrum die Teilnehmer im umweltgerechten Gärtnern. Zwar gilt das Projekt generell für Menschen mit einem geringen Einkommen, jedoch haben bislang nur Flüchtlingsfamilien großes Interesse angemeldet.

Tatsächlich ist es nicht in erster Linie die Möglichkeit, eigenes Gemüse anzubauen als vielmehr der Kontakt zu Einheimischen, der die Flüchtlinge an dem Angebot reizt. „Sie haben Zeit und möchten sich integrieren“, sagt Integrationslotse Mohammed Abotaleb, der bei der Eröffnung der Weltgärten als Übersetzer der Flüchtlinge aus Syrien, Irak und dem Jemen wirkte. „Denn schlimmer geht’s nicht: Die Asylbewerber haben viel Zeit, dürfen aber nicht arbeiten.“ Hinzu kommt, dass viele in ihrer Heimat auf eigenen Grundstücken Obst und Gemüse angebaut und nun keinen eigenen Garten haben. Sie hoffen auf den Kontakt mit den Nachbarn über den Gartenzaun.

Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Hermann Brütt begrüßt das Projekt und den Integrationsgedanken dahinter: „Genauso sehen wir unseren Job.“ Er bittet um Werkzeuge und Gartengeräte wie Harken, Schaufeln oder Schubkarren von Personen, die sie selbst nicht mehr benötigen. Sie können im Umwelt-Info-Zentrum am Noorwanderweg oder beim Kleingärtnerverein hinter der EMTV-Sporthalle abgegeben werden (Mi 15-17 Uhr). Hermann Brütt ist erreichbar unter Tel. 04351/44401 oder 0173/ 4038101.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 06:40 Uhr

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