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Eckernförder Zeitung

28. Mai 2016 | 13:46 Uhr

Flüchtlingskinder auf Heimatexkursion : In Afghanistan gibt es kein Meer und keine Muscheln

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

30 Kinder und Jugendliche lernen ihre neue Heimat bei Ausflügen der DaZ-Klasse (Peter-Ustinov-Schule) kennen. Im neue Unterrichtsprojekt dreht sich alles um die Flora und Fauna an der Ostsee.

Eckernförde | Vor vier Monaten ist Mojtaba in Deutschland angekommen. Der 15-Jährige ist mit seinen Eltern aus Afghanistan vor den Taliban geflohen. Zwei Monate waren sie unterwegs, sind die meiste Zeit auf dem Landweg gereist, zu Fuß gegangen, nur selten mit dem Auto gefahren. In der Türkei hat er seine Eltern verloren, er schaffte es allein nach Deutschland, lebt jetzt in einer Einrichtung mit anderen Jugendlichen in Osterby. Seine größte Hoffnung ist, dass seine Eltern überlebt haben und er sie eines Tages wiedersieht. Solange muss er warten, ist dankbar, in Deutschland in Sicherheit zu sein. Und obwohl er erst seit vier Monaten hier lebt, spricht er schon erstaunlich gut Deutsch.

Das ist nicht zuletzt auf die Arbeit an der Peter-Ustinov-Schule zurückzuführen, die seit August 2015 als DaZ-Zentrum anerkannt ist. DaZ ist die Abkürzung für Deutsch als Zweitsprache. Hier erhalten insgesamt 30 Flüchtlinge im Alter von 10 bis 15 Jahren in vier Stunden pro Tag gesonderten Deutschunterricht in einer Anfänger- und einer Fortgeschrittengruppe. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Armenien und dem Irak. „Drei Kinder konnten wir schon vollständig in den Schulunterricht integrieren“, sagt Lehrerin Renate Schmidt.

Am Montag hat die Kompaktwoche an der Schule begonnen. Die DaZ-Klasse beschäftigt sich unter der Überschrift „An und in der Ostsee“ mit der heimischen Flora und Fauna, um den Kindern und Jugendlichen ihre neue Heimat näherzubringen. Viele hatten, bevor sie nach Deutschland kamen, noch nie das Meer gesehen – so wie Mojtaba. „Es ist schön“, sagt er. Doch bei manchem löst das Wasser auch schreckliche Erinnerungen aus. Fischkutter seien nicht gut, sagt ein syrisches Mädchen. Damit seien sie auf der Flucht im Mittelmeer umgekippt und mussten in letzter Minute gerettet werden. Todesangst habe sie ausgestanden. „Die Flüchtlinge kümmern sich rührend umeinander“, erzählt Renate Schmidt. „Wer schon länger da ist, hilft den Neuankömmlingen.“

Gestern machten die Kinder und Jugendlichen eine Exkursion: Am Strand von Altenhof erklärten ihnen Johannes Jannsen und Svenja Tuchtenhagen vom Geotanium in Gettorf, was sie alles am Strand finden können: Steine, Muscheln, Seegras. Für Mojtaba eine neue Erfahrung: Muscheln kennt er aus Afghanistan nicht.

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