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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 18:35 Uhr

Zu wenig Kinderärzte : Imland-Klinik Eckernförde: Ab November keine kinderärztliche Behandlung mehr

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die niedergelassenen Kinderärzte suchen eine Alternative zum Belegsystem. Die Geburtshilfe ist nicht betroffen.

Eckernförde | Es ist nur ein kleines Stück Papier, aber es hat eine große Wirkung: „Aufgrund eines akuten massiven Personalmangels der Kinderärzte in Eckernförde und der imland-Klinik Rendsburg, wird es ab dem 1.11.2016 in der imland-Klinik Eckernförde keine kinderärztliche Behandlung (mit Ausnahme der Neugeborenen-Versorgung auf der Entbindungsstation) mehr geben.“ So steht es seit Montag auf einem Zettel an der Tür der Gemeinschaftspraxis der Kinderärzte Dr. Sven-Arne Zeller, Dr. Gabriele Falliner-Valentin und Dr. Maik Welzel am Ochsenkopf.

Ein Foto des Zettels auf Facebook hat sofort Wellen geschlagen. Umgehend wurde in Kommentaren von Demonstrationen gesprochen, dem Gesundheitssystem der Bankrott erklärt, die Politik ins Spiel gebracht. Dabei werden viele Fragen schon mit dem Satz am Fuß des Zettels beantwortet: „Momentan stehen wir mit der Kassenärztlichen Vereinigung im Gespräch, um Alternativen zu dem bisherigen Modell zu entwickeln.“

Dr. Gabriele Falliner-Valentin bestätigt, dass der ambulante kinderärztliche Bereitschaftsdienst, der bisher täglich an 365 Tagen im Jahr außerhalb der Praxisöffnungszeiten in der Imland-Klinik angeboten wurde, ab November eingestellt wird. Und auch die stationäre Behandlung von Kindern wird ab November nicht mehr in Eckernförde, sondern in umliegenden Kinderkliniken erfolgen. „Beide Aufgaben werden in Zukunft vorrangig von der Kinderklinik Rendsburg übernommen.“

Die Imland-Klinik hat in diesem Fall nichts mit der Entscheidung zu tun. „Die ambulante Notfallversorgung ist allein Sache der niedergelassenen Ärzte“, sagt der Geschäftsführer der Imland-Klinik Dr. Hans-Markus Johannsen. Diese hatten sich in der Vergangenheit dazu entschieden, sowohl Notfallversorgung als auch stationäre Behandlung in den Räumen des Krankenhauses sicherzustellen und dort neben der Arbeit in ihren Praxen als Belegärzte tätig zu sein. Ursprünglich waren es mal mehr als vier Belegärzte, in den vergangenen Jahren ist ihre Zahl immer weiter gesunken, bis mittlerweile die Grenze des Machbaren erreicht ist. Nun wird nach Alternativen gesucht. „Grundsätzlich gilt aber“, so Dr. Johannsen, „dass jeder, der die Schwelle unserer Klinik überschreitet, auch Hilfe erhält.“

Dabei muss unterschieden werden zwischen der ambulanten und der stationären Behandlung. In schweren Fällen wählt man wie bisher weiterhin die Notrufnummer 112. Im Krankenhaus wird dann zwar kein ausgewiesener Kinderarzt die Untersuchung übernehmen, aber auf jeden Fall ein Arzt, der kompetent ist, einen Notfall abzuwenden. Er entscheidet, ob das Kind wieder nach Hause kann oder ob es stationär behandelt werden muss, zum Beispiel bei einer Lungenentzündung oder Brechdurchfall mit großem Flüssigkeitsverlust. Diese stationäre Behandlung wird dann aber nicht mehr in Eckernförde möglich sein, sondern in Rendsburg, Kiel oder Schleswig.

Sowohl die Kinderärzte in Eckernförde als auch die Leitung der Imland-Klinik betonen, dass die Geburtshilfe von den Veränderungen definitiv nicht betroffen ist. „Die Geburtshilfe hat immer einen Rund-um-die-Uhr-Rufdienst gehabt, und den gibt es auch nach wie vor“, erklärt Dr. Johannsen. „Wenn also ein Facharzt für Pädiatrie erforderlich ist, ist er unverändert da.“

Wie die Alternative für das bisherige Versorgungssystem in der kinderärztlichen Behandlung aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die Kinderärzte in Eckernförde und die Kassenärztliche Versorgung befinden sich in Gesprächen.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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