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Eckernförder Zeitung

26. September 2016 | 17:35 Uhr

Honig-Misere : Imker fühlen sich im Stich gelassen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kreisverband Eckernförde wirft Stiftung Naturschutz mangelhafte Kreuzkraut-Bekämpfung vor

Eckernförde | Noch immer ist die Verärgerung unter den Imkern groß. Anlass zur Sorge gaben Laborproben von Honig, bei denen eine überhöhte Belastung mit den in Kreuzkräutern enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden (PA) festgestellt wurde. PA werden in der Leber von Mensch und Tier zu giftigen Substanzen umgewandelt und schädigen das Organ. Gesetzliche Grenzwerte gibt es dafür nicht, lediglich einen Richtwert von 140 Mikrogramm pro Kilogramm Honig.

Der Kochendorfer Berufsimker Harald Jazdzejewski hat jetzt aufgrund erhöhter Werte rund 1300 Pfund seines Sommerhonigs vernichtet (wir berichteten). Gleiches gilt für seinen Kollegen Reiner Thietje. Bei dem Hobby-Imker sind es zwölf Kilogramm und bei Reimer und Elke Reimers, ebenfalls aus Kochendorf weitere zwölf Kilogramm. „Ich habe meinen Honig gar nicht mehr untersuchen lassen“, erzählt sie. Als sie von dem Drama um die Ernte ihrer Kollegen hörte, hat sie sofort reagiert. Denn sie geht davon aus, dass ein Massenbestand an Jakobskreuzkraut (JKK) in unmittelbarer Nähe zu ihren Ständen die Ursache für die hohe Belastung ist. Eine Fläche, die der Stiftung Naturschutz gehört und verpachtet ist. Diese wurde nicht, wie vorgesehen, ab dem 21. Juni gemäht, sodass das JKK in Blüte stand und von den Bienen aufgrund fehlender Alternativtrachten in diesem Sommer angeflogen wurde.

Aiko Huckauf, Leiter des Kompetenzzentrum für Jakobskreuzkraut bei der Stiftung bedauerte dies, begründete das Ausbleiben der Mahd mit der Witterung und der Sperrung der B76, die dazu geführt hätten, dass die Fläche von dem Pächter nicht angefahren werden konnte.

Die Imkerschaft vermisst eine konsequente Linie bei der Stiftung Naturschutz und beruft sich auf deren Selbstdarstellung. So erkläre diese, dass Stiftungsflächen gemäht werden, wenn eine Betroffenheit gegeben ist, also ein Imker seine Stände in der Nähe stehen hat, und wenn die Fläche von landwirtschaftlichem Gerät befahrbar ist. Dass sich die Stiftung, in Person von Aiko Huckauf als erster Ansprechpartner für die Imker, auf Witterung und Straßensperrung beruft, ist für den Kreisimkerverband Eckernförde ebenso ein „Ablenkungsmanöver“, wie Huckaufs Behauptung, es könne nicht einwandfrei bewiesen werden, ob die JKK-Belastung tatsächlich in der Kochendorfer Fläche ihre Ursache habe und ob die PA hauptsächlich vom JKK herrühren. In einem Brief an die Stiftung hat der Kreisverband seinen Unmut deutlich gemacht und fordert in dem Schreiben eine strikte Umsetzung der angekündigten Mähoffensive des Landes. „Die Stiftung weiß seit November 2014 von uns Imkern in Kochendorf. Dennoch wurde kein JKK gemäht, obwohl die JKK-Fläche und auch Zufahrtswege von 21. Juni bis Mitte Juli befahrbar waren“, heißt es darin. „Die JKK-Massenbestände müssen eingeschränkt werden“, fordert Heinz Neubert, Vorsitzender des Ortsverbands der Imker aus Eckernförde. Im Moment sei für den Verbands nicht zu erkennen, dass die Sorgen der Imker rund um JKK ernst genommen würden. Wenn die Hobby-Imker frustriert die Imkerei aufgeben, muss Schleswig-Holstein das Obst und Gemüse importieren“, betont Thietje deren Bedeutung für die Natur.

Natürlich sind nicht alle JKK-Flächen Stiftungsflächen. Der Kreisvorsitzende Hauke Heistermann kennt Imker in Dänischenhagen und Altenholz mit hoch belastetem Honig. Hier wachse das JKK an Straßenrändern, Kieskuhlen und im Naturschutzgebiet Stodthagen. So auch bei Karl-Heinz Petersen, der jetzt auf 180 Kilogramm seines Honig verzichtet – zu hoher PA-Wert. „Das Kraut wächst hier auf einer Kieskuhlenfläche“, so der Osdorfer, der zu dem dringend eine gesetzliche Regelung fordert, belasteten Honig nicht in Verkehr bringen zu dürfen.

Aiko Huckauf hat bereits auf das Schreiben des Imkerverbands geantwortet. „Die besagte Fläche wird seit rund zehn Jahren jedes Jahr gemäht. Das JKK scheint das nicht zu beeindrucken.“ Warum die Mahd dieses Jahr erst sehr spät erfolgt ist, habe er bereits mehrfach erläutert. Dem sei nichts hinzufügen.

Dass die Kochendorfer Fläche als „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ Einfluss auf die Ergebnisse hatte, will Huckauf so nicht stehen lassen. „Wir wissen schlicht nicht, wie groß der Einfluss einzelner Vorkommen ist“, betont er. Eine eindeutige Zuordnung sei nicht möglich. In diesem Jahr seien die PA-Belastungen an zahlreichen Standorten deutlich höher als in den Vorjahren, auch dort, wo sich an dem JKK-Beständen nichts verändert hat und JKK sogar keine oder nur kleine Bestände gebildet hat. Die ungünstige Witterung in diesem Jahr habe die Bienen verzweifeln lassen. Linde und Weißklee seien nahezu komplett ausgefallen. Die Bienen hätten daher alles genutzt, was sie finden konnten – nicht nur JKK-Massenbestände. „Inklusive Borretsch, Wasserdost und Beinwell, die ebenfalls PA enthalten.“ Das können genauere Pollenanalysen zeigen.

Huckauf wünscht sich einen runden Tisch zu dem Thema, hofft dabei auf einen konstruktiven Dialog und nicht auf die Wiederholung derselben Vorwürfe.

 

>www.stiftung-naturschutz.de

>http://kreuzkrautgefahr.de

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erstellt am 16.Sep.2016 | 06:21 Uhr

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