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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Rettungsschwimmer in Eckernförde : Im Urlaub ein Retter: Unterwegs mit den Freiwilligen der DLRG

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Am Strand von Eckernförde machen Rettungsschwimmer Ferien auf ihre Weise: Sie sorgen sieben Tage die Woche, neun Stunden am Tag, ehrenamtlich für Sicherheit im und am Wasser.

Eckernförde | Nein, dass früher alles besser war, findet Christopher Berger nicht und die Statistik gibt ihm recht. „Früher – also 1950 –, hatten wir rund 28.000 Mitglieder, heute sind es fast 550.000“, sagt der DLRG-Wachführer am Strand von Eckernförde. Zählt man noch die Förderer dazu, sind es mehr als 1,3 Millionen Menschen, die der DLRG inzwischen treu sind. So viel Engagement ist aller Ehren wert, und dass Lebensretter am Wasser dringend gebraucht werden, zeigt ein weiterer Blick in die Statistik: Knapp 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen und ein Viertel der erwachsenen Deutschen können nach eigenen Angaben nicht gut schwimmen. „Jetzt schließen in vielen Städten auch noch die öffentlichen Bäder. Wo findet dann Schwimmunterricht statt?“

Der 27-jährige Christopher Berger ist für zwei Wochen Chef der Wasserretter in Eckernförde. Zwei Wochen seines Jahresurlaubes gibt der Dortmunder Beamte dafür her. Ehrenamtlich engagiert wie er sind auch die anderen 17 Frauen und Männer in seiner Schicht. Gemeinsam haben sie den knapp drei Kilometer langen Badestrand im Blick – vom Hafen über den Hauptstrand, bis hin zum Südstrand. Drei Türme und zwei Stationen halten sie von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend besetzt. Zwei Motorboote sind ständig einsatzbereit. „Unsere jüngste Kollegin ist 17 Jahre alt und der älteste Kollege... – Paule, wie alt bist Du eigentlich?“ Der Angesprochene lacht: „44, wa’“, antwortet er dann im schönsten Berlinerisch. Damit ist klar: Der Zentrale Wasserrettungsdienst der DLRG hat hier eine ziemlich bunt gemischte Truppe – Männer, Frauen, junge Leute, ältere, aus der Stadt, vom Land und aus allen Ecken Deutschlands.

DLRG-Wachstation Eckernförde: Von hier aus wird die Strandwache organisiert.
DLRG-Wachstation Eckernförde: Von hier aus wird die Strandwache organisiert. Foto: Anette Schnoor
 

„Die DLRG ist bunt und Eckernförde beliebt“, erklärt Paule. Er muss es wissen. Schließlich verbringt der erfahrene Rettungsschwimmer „bestimmt schon den zwanzigsten Sommer“ in Eckernförde und hat die gesamte Familie dabei. Frau und Kind sind im Gästehaus der DLRG untergebracht. „Besser geht’s ja nicht“, findet der Vater. Während er Wache schiebt, weiß er die beiden gut versorgt und unterhalten. „Ist das Wetter gut, können sie ein bisschen am Strand schmoren und wenn’s regnet, dann ist Kiel nicht weit.“ Außerdem sei Eckernförde inzwischen „sehr familienfreundlich. Alles ist nah beieinander, da findest du dich schnell zurecht. Also, eigentlich ist das hier schon so gut wie unser zweites Wohnzimmer geworden“.

Sind seine Leute zufrieden, ist es auch der Chef. Christopher Berger sitzt zwischen Monitor und Funkgerät am Schreibtisch der Wachstation. Die Stimmung ist gut. Es werden Witze gerissen, während die Augen der Wachhabenden unablässig über Meer und Strand wandern. „Das schaffst du 30, maximal 45 Minuten konzentriert, dann brauchst du eine Pause.“

Was muss man eigentlich können, um mitmachen zu dürfen?

Schon ab 16 Jahren sei es möglich, als Wachgänger dabei zu sein. „Bewerber müssen das Rettungsschwimmabzeichen in Silber und einen gültigen Ersthelfer-Schein mitbringen. Danach kannst du dich weiter qualifizieren, zum Bootsführer etwa oder zum Wachführer.“ Das ist leicht gesagt, aber wer diesen Weg einschlägt, ist bereit, viel Freizeit zu opfern. Kurse und Prüfungen sind zeitintensiv und setzen körperliche und geistige Fitness voraus. Die Prüfungsordnung der DLRG ist streng. Und das alles nur, um in seiner Freizeit ehrenamtlich zu arbeiten? „Es bringt eben sehr viel Spaß“, ist sich das Retter-Team in Eckernförde einig. „Du lernst viel, kennst Leute in ganz Deutschland, kommst rum und überhaupt erlebst du was.“ Mehr als neun Stunden in der Woche investiere er bestimmt für sein Hobby, meint Stationschef Berger. Seitdem er 2006 Rettungsschwimmer wurde, hat er sich kontinuierlich weitergebildet. Jetzt ist er schon zum dritten Mal der verantwortliche Wachführer in Eckernförde und hatte in „seinen“ zwei Wochen die meiste Zeit ziemlich schlechtes Wetter. „Aber auch dann gehen Menschen ins Wasser und auch dann kann was passieren“. Deshalb ist der Strand zur Ferienzeit selbst bei schlimmstem Wetter besetzt – auch wenn Wind und Wellen das Baden eigentlich zu gefährlich machen. „2014 hatten wir so eine Lage. Da mussten wir sogar hier, in der sonst gut geschützten Bucht, die rote Flagge setzen.“

Soweit ist es in dieser Saison noch nicht gekommen. Im Gegenteil, das schlechte Wetter war für die Ehrenamtler der DLRG gar nicht so übel, denn: „Wenn nicht ganz soviel los ist am Strand, sind wir weniger gefordert und haben Zeit für ein bisschen Fortbildung.“ Etwas Theorie-Input und praktische Übungen im Wasser sind beliebt. „Mir ist wichtig, dass jeder hier von seinem Einsatz auch etwas für sich selbst mitnimmt.“ Ansonsten sind die Männer und Frauen mit den signalroten T-Shirts für die Strandgäste da: Sie trösten Kinder auf der Suche nach ihren Eltern, helfen bei kleineren Wunden oder schmerzhaften Begegnungen mit Feuerquallen, sind Ansprechpartner für alle möglichen Fragen und als Erst-Helfer vorort, wenn es lebensgefährlich wird. Herzinfarkt, Unfälle mit schweren Verletzungen, Nichtschwimmer, die plötzlich in tiefes Wasser geraten und panisch werden – auch das kommt vor am Strand. „Und für all diese Fäller sind wir hier gut ausgerüstet, gut ausgebildet und gut vernetzt.“

Kontrolle vom Wasser aus: Bootsführer Dennis Lühr mit Wachführer Christopher Berger.
Kontrolle vom Wasser aus: Bootsführer Dennis Lühr mit Wachführer Christopher Berger. Foto: Anette Schnoor

Christopher Berger zeigt die Diagnoseinstrumente, den Koffer zur Wundversorgung, Beatmungsgerät und Defibrilator. Bewusstlose Patienten können auf speziellen, schwimmenden Tragen liegend aus dem Wasser geborgen werden. „In Eckernförde ist alles sehr gut organisiert“, lobt er die Ausstattung und das Netzwerk, das die Rettungsschwimmer vorfinden. „Das ist ja nicht unser Verdienst. Wir bewerben uns über den Zentralen Wasserrettungsdienst und kommen dann aus allen Teilen Deutschlands her. Für die gute Infrastruktur sorgen andere“ – die Kurverwaltung zum Beispiel und natürlich die Kollegen der Ortsgruppe, die „uns ohnehin viel Arbeit abnehmen“, etwa Wache schieben, wenn es während der An- und Abreisen zu Engpässen beim Wachdienst kommt.

Gut zusammen zu arbeiten sei wichtig, wenn es um Rettungsarbeit geht, findet Christopher Berger und ist sichtlich froh, dass er auf die Frage, ob es denn nicht doch störende Eitelkeiten gebe, verneinend den Kopf schütteln kann. „Hab ich hier noch nicht erlebt.“ Viel lieber verweist er lächelnd noch ein letztes Mal auf die Statistik. Da liefert eine Forsa-Umfrage (2007) besonders erfreuliche Zahlen: 87 Prozent der Bevölkerung finden die DLRG danach sympathisch und 92 Prozent halten sie für „dringend notwendig“.

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