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„Ich bin ein hochzufriedener Mensch“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der frühere Eckernförder Bürgermeister und Landesminister a.D. Klaus Buß feiert heute seinen 75. Geburtstag

Der Weg vom „klapperdürren“ Flüchtlingsjungen aus dem pommerschen Schlawe zum gestandenen Landesminister und „hochzufriedenen Menschen“ war lang, oft steinig und entbehrungsreich, aber vor allem erfüllt von Einsatz, Ehrgeiz und Entschlusskraft. Klaus Buß hat die Herausforderungen angenommen und sein Leben in die richtigen Bahnen gelenkt. Heute feiert der frühere Eckernförder Bürgermeister und Landesminister a.D. seinen 75. Geburtstag.

Sein Leben war sehr bewegt, von Verantwortung und intensiven Erfahrungen geprägt. Dazu zählt auch die Flucht aus Pommern als dreijähriger Knirps. Klaus Buß kann sich noch an einzelne Begebenheiten auf dem kleinen Kohlenfrachter von Kolberg nach Swinemünde erinnern, an die Zugfahrt nach Stralsund und die Überfahrt mit dem in Russland verwundeten Vater und seiner Mutter auf einem Lazarettschiff nach Dänemark. Von dort gleich weiter nach Eckernförde – Vater ins Lazarett Carlshöhe, Klaus mit seiner Mutter in ein winziges Zimmer in Borby. „Wir hatten nichts!“ Später bezog die kleine Familie eine Dachwohnung in der Admiral-Scheer-Straße. Als Flüchtlinge wurden sie nicht überall mit offenen Armen begrüßt, erinnert sich Buß. Sein Vater, einst Stadtkämmerer in Schlawe, wurde Leiter des Rechnungs- und Prüfungsamts beim Kreis Eckernförde. Sohn Klaus kam 1948 in die Willers-Jessen-Schule, an der 2000 Schüler in zwei Schichten beschult wurden. Über 45 Schüler in einer Klasse und Lehrer, die den Kindern etwas beigebracht haben. „Die bewundere ich noch heute“, sagt Klaus Buß: seine Klassenlehrerin, Frau Panzer, die Sportlehrerin, die im Kleid auf dem Exer unterrichtet hat, oder die Musiklehrerin, „die mir die Liebe zur Musik eingeimpft hat“. Die Kindheitsjahre haben ihn geprägt, seinen Charakter geformt. Er hat gelernt, für Überzeugungen einzutreten, sich durchzubeißen, gegen Widerstände anzugehen, Chancen zu nutzen.

1952 kam er auf die Jungmannschule, machte Abitur. Das „Vater-Sohn-Verhältnis“ war angespannt. Der 18-Jährige arbeitete bei Behn in der Schnapsherstellung, verschwand „bei Nacht und Nebel“ Richtung Schweden. Sein Ziel: die Volksuniversität Lund und eine junge Schwedin. Buß blieb fünf Wochen, kehrte zurück und fuhr Brötchen in Reinbek aus. Später wurde der abenteuerlustige, junge Mann Hilfsbademeister im Hallenbad St. Pauli und erfüllte sich mit seinem nächsten Job einen Jugendtraum: uniformierter Liegewagenbetreuer im Expresszug nach La Spezia in Italien. „Eine tolle Zeit, das erste Mal raus!“, schwärmt Buß. Als er wegen eines Führungszeugnisses zurück nach Eckernförde musste, „war die Flucht beendet“.

Das hatte aber auch sein Gutes: Vater und Sohn sprachen sich aus, „sehr lange und sehr bewegend“. Seitdem stimmte es zwischen den beiden. Sohn Klaus erfüllte nun sogar den väterlichen Wunsch und wollte Studienrat werden. Am 1. November 1961 begann sein Lehramtsstudium in Deutsch und Geografie. Ein kurzes Intermezzo. Am 13. November starb sein Vater, Sohn Klaus gab sein Studium sofort auf, nahm eine Stelle beim Kreis an und ging am 1. April 1962 als Z2 zur Bundeswehr – Panzergrenadierbataillon in der Flensburger Grenzlandkaserne, Stube 60, drei mal drei Betten. Im Bett unter ihm schlief Kay Nehm, der spätere Generalbundesanwalt (1994 bis 2006). Nehm animierte Buß zum Jura-Studium. Ab 1964 vier Semester in Freiburg („Ich habe mich da sauwohl gefühlt“), dann weiter in Kiel. Er war Referendar beim Amtsgericht Eckernförde, wo er Rechtsanwalt Dr. Günther Loerke kennenlernte, der seine Qualitäten erkannte und ihm noch vor dem 2. Staatsexamen eine Anstellung in seiner Sozietät anbot. Buß ergriff die „einmalige Chance“, machte sein Examen und arbeitete von 1972 bis 1987 als Anwalt in Eckernförde.

Es gab noch einen anderen Klaus Buß, einen, der 1963 in die SPD eingetreten und 1970 als jüngster Ratsherr in die Eckernförder Ratsversammlung eingezogen war. Die Namen Kurt Schulz und Jürgen Anbuhl sind eng mit seinem Engagement verbunden. Als Bürgermeister Schulz 1987 in den Ruhestand ging, stand mit dem Fraktionsvorsitzenden Klaus Buß sein Nachfolger bereit. Es rumpelte zwar mächtig in der SPD-Fraktion – einigen war Buß seinem Vorgänger zu ähnlich, so dass Björn Engholm als Schlichter einspringen musste –, aber an dem kantigen Realpolitiker kamen auch die heimischen Sozialdemokraten nicht vorbei: Mit 14 von 27 Stimmen, die eigene inklusive, wählte die Ratsversammlung Klaus Buß am 25. Mai 1987 zum Bürgermeister, Dienstbeginn 1. November. Es sollten elf erfolgreiche Jahre werden. Unter seiner Regie hatte Eckernförde als steuerschwache Stadt mehr Rücklagen als Schulden, der ökologisch wertvolle Norden wurde geschont, die Stadt entwickelte sich durch Eingemeindungen gen Süden, er öffnete das Rathaus für die Menschen und förderte die Kunst.

Seine gute Arbeit blieb auch Ministerpräsidentin Heide Simonis nicht verborgen. Per Telefon bot sie ihm das Amt des Landwirtschaftsministers an. Buß beratschlagte sich mit seiner Frau Margit und ergriff auch diese Chance. Am 5. Mai 1998 begann er seine dritte Karriere als Landesminister. Zunächst im Landwirtschaftsressort. Kaum im Amt, hatte er auf der Norla schon „ein Schaf im Arm“ und die Bauern wartete auf die Rede des Quereinsteigers. „Ich konnte immer gut wechseln“, so Buß – schlagfertig, blitzgescheit, durchsetzungsfähig, drei seiner Markenzeichen. Er hielt seine Rede, und als ein Bauern ihn dann auf den Deichbau an der Westküste ansprach, antwortete Buß schlagfertig, dass er den Deichbau allenfalls aus Storms Schimmelreiter kenne – er hatte alle verblüfft, die Bauern akzeptierten seine entwaffnende Offenheit.

Nach der Landtagswahl 2000 wurde Buß Innenminister. Es folgten von 2000 bis 2005 die fünf arbeitsreichsten Jahre seines Lebens. 2003 war er Vertreter des Bundesrates in Brüssel und nahm dort auch an den internen Sitzungen der europäischen Justiz- und Innenminister teil. „Eine ganz spannende Zeit“, sagt Buß. Ein Mann ist ihm in dieser Zeit und auch im Folgejahr als Vorsitzender der Bundesinnenministerkonferenz besonders vertraut geworden – Bundesinnenminister Otto Schily. „Einer der großartigsten Menschen, die ich kennengelernt habe.“

Hautnah hat der Eckernförder am 17. März 2005 das spektakuläre Regierungsende von Heide Simonis miterlebt, als ihr auch im vierten Wahlgang eine Stimme aus dem eigenen Lager zur Wahl als Ministerpräsidentin fehlte. Wer der „Heide-Mörder“ war, ist eines der größten Geheimnisse im Land. „Jeder hat seine Theorie“, so Buß, seine behält er für sich. Dem Kabinett Carstensen gehörte Buß nicht mehr an, er schied aus freien Stücken am 27. April 2005 aus der Regierung aus. Die Polizei bereitete ihm einen unvergesslichen Abschied: Die Bigband spielte für ihn den Marinemarsch „Anchors Away“. Buß kämpft noch heute mit den Tränen, wenn er darüber spricht. Und es kam noch besser: Klaus Buß bekam für seine letzte Dienstfahrt von Kiel nach Eckernförde als erster und bisher einziger Innenminister eine komplette Motorradeskorte. Ein Beweis für die Hochachtung der Landespolizei für ihren obersten Dienstherrn.

Seit 2005 genießt Klaus Buß seinen Ruhestand. Ganz ohne Juristerei geht es aber nicht, er hat noch ein Büro in einer Kieler Kanzlei. Er engagiert er sich ehrenamtlich für die von ihm mitgegründete Elisabeth-Eifert-Stiftung, als Vorstandsvorsitzender beim GWU oder als Kommodore beim Segelclub Eckernförde. Entspannung findet er auf dem Wasser mit seinem Motorboot.

„Ich bin ein hochzufriedener Mensch. Es ist was Wunderbares, so etwas sagen zu können.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 06:34 Uhr

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