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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 13:14 Uhr

Biofleischerei Hüttener Berge auf der Zielgeraden : Hunger auf regionales Biofleisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Biofleisch-Schlachterei Hüttener Berge steht kurz vor der Eröffnung / Crowdfunding-Projekt soll für das noch fehlende Kapital sorgen

Für Jakob Gosch und seine Investoren kommt die Bank als Kreditgeber vorerst nicht in Frage. Der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Biofleisch Hüttener Berge ist überzeugt, es auch andere Möglichkeiten gibt, an Geld zu kommen. Rund 15  000 Euro fehlen noch, dann steht der Eröffnung der Bioschlachterei in Ascheffel nichts mehr im Wege.

Rund drei Jahre hat es dann von der Idee bis zur Realisierung gedauert. Im August soll es endlich so weit sein. Um erfolgreich zu sein, muss es dem 31 Jahre alten Holzbunger vor allem gelingen, potenzielle Förderer von seiner Idee, einem klassischen Handwerksbetrieb mit hoher Qualität zu überzeugen. „Crowdfunding“, auch Deutsch Schwarmfinanzierung, heißt das Prinzip, mit dem die Gemeinschaft das noch fehlende Geld einnehmen möchte. Konkret sollen mit dem Geld ein Fleischwolf und ein Kutter, mit dem feines Wurstbrät hergestellt wird, finanziert werden.

Das Crowdfunding funktioniert wie ein digitaler Klingelbeutel. Wenn jeder ein wenig spendet, ist schnell eine große Summe zusammen. Im Gegenzug erhalten die Spender ein Dankeschön. Bei der Biofleisch Hüttener Berge GmbH ist das bei 8 Euro ein Button der Kampagne, bei 18 Euro Salami-Variationen von Rind und Schaf, bei 100 Euro ein Tag auf dem Bauernhof und bei 500 Euro richten die Landwirte dem Geldgeber eine Grillparty aus. Auch wer nur 5 Euro spendet, geht nicht ganz leer aus. Jakob Gosch: „Die erhalten ewige Dankbarkeit.“ Außerdem werden die Namen aller Spender auf einer großen Unterstützungstafel verewigt. Wie gespendet werden kann, darüber informiert die Erzeugergemeinschaft auf der Internetseite www.startnext.com/biofleischhb. Verschickt werden die Geschenke nach der Geschäftseröffnung. Etwa 2000 Euro sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt gespendet worden. Bis 26. Juni läuft das Crowdfunding. Heute informiert Jakob Gosch im Biomarkt in der Eckernförder Speicherpassage darüber, außerdem am 26. Juni beim Dorf-Flohmarkt in Ascheffel. Bereits auf dem Landmarkt in Gottorf und der Regionalmesse auf dem Aschberg wurde das Projekt vorgestellt.

Die ersten Gespräche für eine zukunftsfähige Bioschlachterei gab es im Herbst 2012. Hintergrund war die Ankündigungen des Ascheffeler Schlachters Dethard Staar, sich zur Ruhe zu setzen. Landwirte und Verbraucher aus der Region Hüttener Berge lag es am Herzen, dass eine hofnahe Schlachterei erhalten bleibt. Viele Kunden wollen wissen, wo das Fleisch herkommt und Erzeuger wollen ihr Fleisch nicht anonym an Schlachthöfe verkaufen. Auch die Landwirte wollen die 100-prozentige Garantie, dass sie ihr eigenes Tier wiederkriegen.

Es gründete sich die Biofleisch-Erzeugergemeinschaft Hüttener Berge, die sich schließlich mit Dethard Staar über den Kaufpreis des Gebäudes im Förstereiweg einig wurde. Der Gesellschaft gehören die Landwirte Hans-Jürgen Gosch aus Hüsby, Ingo Tornier aus Hütten, Familie Gosch aus Holzbunge, Jürgen Mahrt-Thomsen aus Damendorf und die Familie Richert vom Hof Saelde an sowie als Verbraucher Detlef Matthiessen aus Osterby, Rolf Pieper, Dr. Michael Fleischhauer und Jörg Harder (alle aus Ascheffel). Hinzu kommen noch 17 so genannte stille Gesellschafter.

Ein langer, steiniger Weg liegt hinter der Gemeinschaft, denn um einen konventionellen Betrieb, wie ihn Staar über 50 Jahre lang führte, in einen Bio-zertifizierten Betrieb mit EU–Zulassung umzuwandeln, bedarf es Geld, Geduld und Nerven. Obwohl das Vorhaben deutlich länger dauerte als geplant und auch teurer wurde als anfangs kalkuliert, ist kein Gesellschafter abgesprungen.

„Einige Maschinen konnten wir übernehmen“, berichtet Gosch, viele mussten aber neu angeschafft werden und die Schlachterei von Grund auf modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht werden. Eine neue Hygieneschleuse musste eingebaut werden, eine Schürzenwaschanlage, neue Kühlräume und ein separater Zerlegeraum geschaffen werden. Neben dem Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart wurden, haben die Gesellschafter rund 90  000 Euro in den Umbau investiert. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Veterinäramt“, betont Gosch, schließlich müssten viele Auflagen erfüllt werden.

Und auch einen Schlachter, der viel Erfahrungen aus der Biobranche mitbringt, ist gefunden. Michael Rosenträger arbeitete zuletzt in einer Fleischerei, die die Demeter-Bauck-Höfe belieferte. „Bei der Biofleischerei kann ich arbeiten, wie ich es von der Pieke auf gelernt habe“, sagt der 44-Jährige. Er könne auf die alten Werte des Fleischerhandwerks zurückgreifen.

Das Konzept setzt ausschließlich auf Biofleisch. „Es gibt keine Vermischung mit konventioneller Fleischware“, betont Gosch, außerdem keine langen Transportwege. „Kein Tier ist länger als 30 Minuten unterwegs“. Massenschlachtungen wie in großen Fleischfabriken üblich, werde es in Ascheffel nicht geben. Drei bis Rinder sollen pro Woche geschlachtet werden, fünf bis zehn Schweine, rund 20 Schafe und Ziegen. Einen Wartestall wird es also nicht geben, unnötiger Stress für die Tiere bleibt aus. „Der Schlachter kann sich also Zeit nehmen für jedes Tier“, sagt Gosch. So werde sichergestellt, dass das Tier auch wirklich tot ist, bevor es weiter verarbeitet wird. Mit einem Bolzenschussgerät oder der Elektrozange werden die Tiere betäubt, anschließend lässt der Schlachter sie durch einen Halsstich ausbluten.

Verkauft werden die Produkte an der Fleischtheke im Biomarkt der Speicherpassage sowie im Ladengeschäft der Schlachterei. Die Landwirte nehmen das Fleisch ihrer geschlachteten Tiere wieder mit, um es im eigenen Hofladen zu vermarkten. 


>www.biofleisch-huettenerberge.de

>www.startnext.com/biofleischhb

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erstellt am 18.Jun.2016 | 06:45 Uhr

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