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Tender Main zurück : Heiratsantrag nach Schmugglerjagd

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Tender Main ist nach seinem Einsatz zur Verhinderung von Waffenschmuggel im Mittelmeer zurückgekehrt. Gleich nach der Begrüßung gab es einen Heiratsantrag auf der Mole.

Eckernförde | Der Tender Main ist am Donnerstag nach sechs Monaten von seinem Einsatz im Mittelmeer zurückgekehrt. 105 Besatzungsmitglieder waren dort im Kampf gegen Waffenschmuggler im Einsatz. Doch bei ihrer Heimkehr stahl ihnen ein Mann die Schau: Smut Kurt Lißmann (27) machte seiner Freundin vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag – und fiel dafür ganz klassisch auf die Knie.

„Privat kann ja jeder“, hat er sich während des EU-Einsatzes gedacht und den Plan entwickelt, seiner Freundin Franziska Kubiczeck (27) gleich nach der Ankunft im Heimthafen die alles entscheidende Frage zu stellen. Doch zunächst musste er warten: Erst begrüßte der Kommandeur des 1. U-Boot-Geschwaders, zu dem das Marineschiff „Main“ gehört, die Mannschaft, dann spielte das Marinemusikkorps Kiel die Nationalhymne, bevor Kurt Lißmann seinen großen Auftritt hatte. Vor seinen Mannschaftskameraden und deren über 100 Angehörigen kniete er auf der Mole vor seiner Freundin nieder und öffnete die Schachtel mit dem Ring. Das „Ja“ kam sofort, wegen der Freudentränen mehr gehaucht als gesprochen.

Für Kurt Lißmann war es ein dreifach freudiger Tag, denn zusätzlich zur Verlobung hatte er an diesem Tag noch Geburtstag und konnte seine erst sechs Monate alte Tochter Leonie wieder in die Arme schließen. Sie war erst zwei Wochen vor Auslaufen des Tenders zur Welt gekommen, weshalb der Smut erst im Dezember zu seinen Kollegen im Mittelmeer stieß.

Dort waren 105 Männer und Frauen auf der U-Boot-Unterstützungseinheit „Main“ im Rahmen der EU-Operation „Eunavfor Med – Sophia“ im Einsatz. Sie haben vor der libyschen Küste den Schiffsverkehr in einem Gebiet überwacht, das halb so groß ist wie Deutschland, um Verstöße gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen zu verhindern. Jedes Schiff wurde dazu angefunkt und gegebenenfalls durchsucht, allerdings nur im gegenseitigen Einvernehmen. „Etwa 70 bis 80 Schiffe haben wir in dieser Zeit abgefragt“, sagte Kommandant Kapitänleutnant Christian Meyer (33). Die meisten Besatzungen haben sich kooperativ gezeigt. Ein dringender Verdacht des Waffenschmuggels, der eventuell den Einsatz von Boardingkräften auch ohne Einverständnis verlangt hätte, habe es jedoch nicht gegeben.

Für die Mannschaft war der Einsatz in mehrerer Hinsicht fordernd: Neben den operativen Anforderungen musste das Schiff 105 statt wie üblich 69 Besatzungsmitglieder aufnehmen, denn neben der eigenen Besatzung wurden auch Ärzte, Militärpolizei, Sprachmittler und ein österreichisches Boarding-Team eingeschifft. Zum anderen herrschte während knapp der Hälfte der Zeit im Mittelmeer ein höherer Seegang als zwei Meter. „Das Schiff bewegt sich dann in drei Dimensionen“, erklärte Christian Meyer, der sich stolz auf die Leistungen seiner Mannschaft zeigte, die 178 Tage und 29  000 Seemeilen lang rund um die Uhr im Einsatz war.

Auch der Kommandeur des 1. U-Boot-Geschwaders, Fregattenkapitän Lars Johst, zeigte sich angesichts der „hervorragenden Leistung“ stolz und zollte der Mannschaft Respekt. Und er dankte den Angehörigen, die den Soldaten den Rücken stärken.

Diese standen bei der Ankunft des Tenders mit selbstgebastelten Begrüßungsplakaten und Spruchbändern an der Mole und winkten ihre Lieben sehnsüchtig herbei. Nach dem halbjährigen Einsatz folgt nun erst einmal der Urlaub für die Mannschaft, bevor es in einigen Monaten zu Manövern und Ausbildungsfahrten nach Island, Schweden und Norwegen geht. Für Christian Meyer nichts Besonderes: „Nach der Seefahrt ist vor der Seefahrt.“

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erstellt am 15.Apr.2017 | 06:14 Uhr

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