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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

„Heinzi“ fährt in den wohlverdienten Ruhestand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach 31 Jahren trat Heinz Klang (62) gestern seine letzte Dienstfahrt an

Gettorf | Als Heinz Klang am Morgen in seinen Bus steigen will, traut er seinen Augen kaum. An seinem roten Schulbus hängen Girlanden aus Eichenlaub mit blau-weiß-roten Bändern, oben auf der elektronischen Anzeigetafel steht „Heinzis Fahrt in den Ruhestand“, innen ist der Bus mit bunten Luftballons, Luftschlangen und roten Rosen geschmückt. Es ist seine letzte Fahrt. Kinder, Eltern und Kollegen haben sich das ausgedacht, um ihn nach 31 Jahren Dienst mit 64 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden.

Heinz Klang fährt ein letztes Mal die Linie 834, Fahrt 003, vom Schulzentrum Gettorf über Revensdorf, Neudorf, Borghorst, Lindhöft, Noer, Osdorf und zurück zum Schulzentrum Gettorf. Die Bushaltestellen auf seiner Tour sind mit Girlanden, Luftballons und Transparenten geschmückt. „Viel Glück, alles Gute“ steht darauf, „Noer sagt Danke“ oder „Danke Heinzi“ steht. In seinem Heimatort Noer haben Kinder die Dorfstraße für ihn bemalt, in Lindhöft muss er aussteigen, Eltern und Kinder verabschieden ihn mit Applaus, Bürgermeisterin Sabine Mues überreicht ihm ein super Zeugnis, sie spielen das Lied „Time to say Goodbye“ von Andrea Bocelli und die ersten Tränen fließen. Auf der Weiterfahrt hält die Polizei seinen Bus an, um ihn mit Blaulicht zu geleiten. Am Schulzentrum in

Gettorf empfangen ihn die Kollegen mit Kaffee und Brötchen, Schulleiterin Marion Ehrich, ihr Stellvertreter Udo Runge und Schulverbandsvorsteher Hans-Ulrich Frank mit Blumen. Schüler, die aus dem Bus steigen haben Abschiedsgeschenke dabei.

„So etwas gibt es wirklich nur hier auf dem Land“, stellt Sven Thomsen, Leiter der Autokraft-Niederlassung in Kiel anerkennend fest. „Er ist aber auch ein toller Kollege. Immer hilfsbereit, zuverlässig und ein lustiger Kerl.“ Heinz Klang fährt seit Mai 1985 für die Autokraft. Erst in Kiel, dann überregional und zuletzt, seit 19 Jahren, im Schulbusverkehr im Dänischen Wohld. Gerechnet hat Heinz Klang mit all dem nicht, weiß gar nicht so recht, was er sagen soll. „Erzählen könnte ich viel, wenn ich zurückblicke“, sagt er. Erlebt hat er genug. Schön fand er immer, wenn von den Schülern etwas zurück kam.

Ihm fällt die Geschichte eines Jungen aus Neudorf ein, der nicht nur im Bus oft richtig Ärger machte. „Dem habe ich mit ernsten Worten auf den richtigen Weg geholfen“, erinnert sich Heinz Klang. Er hat seine Schule zu Ende gemacht, hat jetzt eine Leerstelle und kam nach fünf Jahren zu ihm, um ihm zu danken. Viele Schüler schütteln ihrem Heinzi die Hand zum Abschied oder lassen sich drücken. So wie die 16-jährige Patricia Sommerfeld aus Noer. Sie hat Tränen in den Augen. „Ich fahre seit zwölf, dreizehn Jahren mit ihm, seit dem Kindergarten“, erzählt sie. „Heinzi ist einfach eine Legende. Er ist immer nett, sagt jedem hallo, schlichtet Streits und hilft den ganz Kleinen über die Straße, wenn die Eltern sie mal nicht abholen können.“ Man könne das gar nicht in Wort fassen. „Er ist einfach toll. So einen Busfahrer gibt es nie wider.“ 

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