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Plattdeutsche Kultur : Harte Bandagen im Wellness-Tempel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dreimal ausverkauft – Mitreißende Show und Theater Premiere mit dem Riesby Schlietheater bei „Vergnöögliches op Platt“

Rieseby | Im Saal des Riesby Krog gab es keinen freien Platz mehr. Alle drei Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Ein Zeichen, wie sehr sich das Riesby Schlietheater unter der Leitung von Gunda Gey in die Herzen der Zuschauer gespielt hat. Die Vorfreude und Spannung auf den Abend unter dem Motto „Vergnöögliches op Platt“ war den Besuchern anzumerken. Enttäuscht wurde das Publikum nicht, schon in der Begrüßung durch Gunda Gey sprang der Funke über. Herzlich, familiär und mit dem richtigen Ton wurde das vielversprechende Programm mit einem Feuerwerk an Höhepunkten vorgestellt.

Erika Bornhorst freute sich mit ihren Schwestern Hilde und Ilse, die eigens zu einem Familientreffen aus Mallorca und Amerika angereist waren, auf den Abend. Verspricht der Theaterbesuch doch ein Stück Heimat und vertraute Sprache für die drei Geschwister. Die Musikgruppe Querfeldein aus Bohnert eröffnete den plattdeutschen Abend traditionell und begeisterte die Zuhörer mit einer Homage an Knut Kiesewetter. Sinnig und voller Heimatgefühl erklangen die bekannten Weisen, darunter Drees, de Wunnerdraken un Fröhjohr op de Diek.

Gunda Gey traf mit ihrer Geschichte „Se hett dat passig“ aus ihrem kürzlich erscheinen Buch „Jümmer ik“ sofort den Lachnerv der Plattdeutschfans. Die Schlange an der Kasse, wenn „dor en utmerkelte Oolsch mit pumucklfarvt Hoor, mit Fingers un Nees in ehr Geldbüdel wöhlt as wenn se na Perlen dükert“, wurde bildhaft vor Augen geführt.

Der Mix des Abends aus Musik, Vertellen, Show und Theater ist das, was diese Veranstaltung ausmacht, war sich Erika Graf aus Eckernförde sicher. Viel Zeit zum Luft holen zwischen den einzelnen Lachsalven hatten die Besucher nicht. Wer die plattdeutsche Vertellerin Christel Kock kennt, weiß, dass sie mit ihrem ganz eigenen, trockenen Humor den Nagel auf den Punkt trifft, wenn sie ihre Mitmenschen und das Leben genau beobachtet. Es blieb kein Auge trocken bei ihren Geschichten um die Automatisierung im Alltag. Vor der Pause noch schnell in den Wellness-Tempel Riesebys abtauchen und erleben, wie die findige Leiterin (Christel Kock) und ihr Helfer (Marvin Haß) ihren Wellness-süchtigen Kunden in allen Lebenslagen helfen sich zu verschönern. Ob Körperreinigung mit Abführmitteln, Abnehmen mit Salatblatt, Pediküre mit Heckenschere und Säge und als Höhepunkt ein Kleopatrabad mit Schrubber und Gartenschlauch. Die einzigartige Behandlungsweise, untermalt mit der passenden Musik, sorgte für tosenden Applaus.

„Was soll nun noch nach der Pause kommen, eine Steigerung kann es kaum geben“, stellten begeistert Bürgermeister Jens Kolls und Frau Andrea fest. Doch es kam noch ein Höhepunkt. Mit dem Einakter aus der Feder von Gunda Gey „Moni weet Bescheed“ fanden sich die Zuschauer auf dem Bahnhof wieder. Hier ist allerhand los, einer kommt, einer geht und alle warten sie.

Eugen (Olaf Petersen) sucht seine große Liebe und wartet seit 17 Jahren immer – noch. Mittendrin Scarlett (Christel Kock). Sie nutzt den Bahnhof als provisorischen Schlafplatz, da der Haussegen mit ihrem Alfred schief hängt. Kioskbesitzerin Moni (Gunda Gey) sorgt für Verwirrungen, indem sie ihre Heiratsabsichten mitteilt. Alle fragen sich was sie mit Theo (Hermann Hebekerl), der Reinigungskraft für sanitäre Anlagen, will. „De Moni kann doch wat ganz anners hebben as so’n Pischkeramikheini as du een büst“, ist Scarletts Meinung. Am Ende klärt sich alles auf und es gibt ein romantisches Ende.

Man spürte, dass Gunda Gey die Rollen auf ihre Mitspieler zugeschnitten hat. Jeder überzeugte auf seine Art und erntete Zwischenapplaus. Gunda Gey gestand lachend: „Mir fällt immer noch etwas ein und dann bin ich froh, wenn alle so spontan mitmachen, einschließlich unserer Tosnackerin Martina Goos. Besonders freuen wir uns über unseren Nachwuchs. Marvin verjüngt uns ungemein.“

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erstellt am 11.Apr.2017 | 06:18 Uhr

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