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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 03:10 Uhr

Großes Bildungs-ABC und lokale Problemfelder

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) skizziert ihre Schulpolitik und diskutiert mit Eckernförder Lehrkräften

Mit klaren Positionen und Botschaften hat Bildungsministerin Britta Ernst am Mittwochabend im Stadthallenrestaurant auf einer Veranstaltung der SPD- Eckernförde für ihre Schulpolitik geworben. Sie legte ihre Schwerpunkte – Qualitätssteigerung an den Schulen, 100-prozentige Unterrichtsversorgung, Ausbau von Ganztagsschulen, Förderung der dualen Ausbildung, der Inklusion und der Integration von Flüchtlingen – dar und diskutierte mit den Anwesenden über die Themen der Eckernförder Schulwirklichkeit. Ortsvorsitzender Jonas Kramer hatte zuvor die knapp 30 Zuhörer begrüßt. Sein Stellvertreter Heiner Petersen führte mit einem Plädoyer für die Verantwortung der Eltern, die Förderung benachteiligter Kinder und Unterstützung für die Lehrkräfte in die vielschichtige Schul- und Bildungsthematik ein.

Britta Ernst griff die für Schleswig-Holstein im Fach Deutsch erfreulichen Ergebnisse des jüngsten Ländervergleichs auf, in dem die Schüler aus dem Norden es unter die besten Drei geschafft haben. Gemessen an der letzten Studie 2009 seien die Schulen und Schüler heute „ein Jahr weiter“. Ernst wertete dies vor allem als einen Erfolg der Bildungspolitik: „So etwas bekommt man nicht von einem Tag auf den anderen.“ Es gehe darum, „niemanden zurückzulassen, an den weiterführenden Schulen alle Abschlüsse zu ermöglichen und die Qualität von Schule zu stärken.“ Oberstes Ziel sei eine „100-prozentige Unterrichtsversorgung – in drei Jahren haben wir das geschafft“, sagte die Ministerin. Dafür allerdings fehlen nach GEW-Berechnungen noch 1600 weitere Lehrkräfte. Zum 1. Februar 2017 soll es zunächst 200 neue Stellen – davon 100 für DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) – geben, zum 1. August weitere 42, ließ Ernst wissen. Mehr Lehrer ja, kleinere Klassen nicht unbedingt – die Größe der Klasse habe keinen relevanten Einfluss auf den Leistungserfolg der Schüler. Die Einrichtung von 18 zusätzlichen Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen sei hingegen der richtige Weg, um mehr Schülern den Weg zu allen Schulabschlüssen zu eben. Sehr wichtig ist ihr auch die Förderung der dualen Ausbildung über die Berufsbildungszentren. „Darüber wird zu wenig diskutiert.“ Die Ministerin wünscht sich weitere Jugendberufsagenturen, in denen den jungen Menschen gezielt neue berufliche Möglichkeiten eröffnet werden. Auch an Gymnasien müsse mehr für die Berufsorientierung getan werden, nicht jeder Abiturient wolle auch studieren. Die Themen Inklusion, digitales Lernen und Integration der 12  000 Flüchtlingskinder seien weitere Herausforderungen.

Viele Dinge hätten ihm gefallen, sagte der Eckernförder GEW-Vorsitzende Rutard Wagner, nur bei der Besoldung der Grundschullehrer müsse sich etwas ändern – A 13 für alle, „sonst schwimmen Ihnen die Felle weg“. Die Ministerin verwies darauf, dass all jene, die die reformierte Ausbildung durchliefen, A 13 bekämen. Zudem könnten sich A 12-Lehrkräfte über Fortbildung für die höhere Gehaltsstufe qualifizieren, 2000 Lehrer hätten davon bereits Gebrauch gemacht. Eine flächendeckende A 13-Besoldung für alle schloss sie aus finanziellen Gründen aus.

Kritisch sprachen Dirk Söhren, Leiter der Peter-Ustinov-Schule, und Bettina Köpke, Leiterin der Richard-Vosgerau-Schule, die fehlenden Stunden für die Integration von Flüchtlingskindern nach der einjährigen Basisstufe in den DaZ-Klassen an. Die Integration dauere deutlich länger als ein Jahr, die Schulen bräuchten weitere Unterstützung. Sabine Herrmann, Konrektorin der Fritz-Reuter-Schule, setzte sich für eine gerechtere Verteilung der Flüchtlingskinder an. Ihre Schule müsse deutlich mehr DaZ-Kinder aufnehmen, weil andere Schulen sie aufgrund voller Klassen ablehnten. Das belaste ihre Schule zusätzlich – mit möglichen negativen Folgen für das Anmeldeverhalten von Eltern, sagte Herrmann. Holger Bohrmann, Leiter des Förderzentrums, beklagte den Abbau von zehn Stellen. Wegen der vielen Heimkinder in Eckernförde sei es nicht möglich, alle inklusiv zu beschulen. Es sollte „in begrenzter Zahl“ eine Stammschule mit Klassen geben. Bernt Wellhausen, Leiter des Berufsbildungszentrums Eckernförde, wies auf die Probleme hin, Berufsschullehrer für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu gewinnen. „Es sind relativ viele Stellen unbesetzt und Fachkräfte auf dem Markt nicht zu bekommen.“ Fachkräfte könnten nur durch attraktivere Bedingungen für den Einstieg in die berufliche Bildungsarbeit gewonnen werden. Britta Ernst zeigte viel Verständnis für die Themen und sagte eine intensive Beschäftigung mit ihnen zu.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 06:48 Uhr

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