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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 13:28 Uhr

Delfin in der Bucht : Großer Tümmler in Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit Sonntag hält sich ein Delfin im Hafen und im Abschnitt vor dem Kurstrand auf / „Ecki“ scheint ein Einzelgänger zu sein

Eckernförde | Hunderte von Schaulustigen pilgerten gestern an die Hafenmole und an den Kurstrand, um einen Blick auf den seltenen Gast zu erheischen, der zurzeit das Ostseebad besucht. Der Besucher heißt „Ecki“ – nach der Landeshauptstadt Kiel scheint jetzt auch das Ostseebad Ziel eines Großen Tümmlers zu sein. Sonntag um 14 Uhr wurde das Tier erstmals von Vogelsang aus in Höhe Kiosk von Fischern und Sportbootfahrern gesichtet. Kurz darauf verschwand der Delfin in Richtung offene Bucht, um nach zwei Stunden erneut zwischen Vogelsang und Schiffbrücke aufzutauchen. Spaziergänger konnten ihn sehr gut beobachten. Gestern, am Tag der Deutschen Einheit, gab „Ecki“ seine Kür. Stundenlang hielt er sich in dem Abschnitt zwischen Hafenmole und Strandnixe nahezu in der Flachwasserzone auf. Mehrere Taucher in Neoprenanzügen waren in der Ostsee, um dem Tümmler ganz nah zu sein. Einige Delfinfreunde wagten sich trotz der kalten Temperaturen und des Windes spontan in Unterwäsche ins Wasser. Der Delfin schien keinerlei Berührungsängste zu haben. „Anscheinend sucht er die Nähe der Boote und der Menschen, wenn er sich langweilt“, sagt der Walexperte Dr. Andreas Pfander. Er gibt aber zu bedenken, dass es sich um ein wildes Tier handle. Man dürfe zwar ins Wasser gehen, sollte aber nicht versuchen, den Tümmler womöglich zu streicheln. „Mit seinen 200 Kilogramm kann er auch gefährlich werden“, so Dr. Pfander und weist darauf hin, dass vor kurzem Schweinswale im Kleinen Belt gefunden wurden, die von einem Großen Tümmler getötet worden seien.

„Möglicherweise handelt es sich zwar um ein adultes, aber noch jugendliches Tier“, sagt Dr. Andreas Pfander. Es könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich um denselben Delfin handle, der sich tagelang in Kiel aufhielt. „Wir gehen davon aus, dass es ein anderer Tümmler ist“, so der Experte. Immer wieder schwimmen Große Tümmler aus dem Nordatlantik in die Nordsee, wo sie mittlerweile relativ häufig vorkommen. In der Enge zwischen Skagen und Norwegen gelangt so manches Tier dann in die Ostsee.

Sollte „Ecki “ hier genügend Futter finden, wie Heringe, Dorsch oder Meerforellen, könne er sich tatsächlich mehrere Monate in der Eckernförder Bucht aufhalten, erklärt Dr. Pfander. Er warnt aber vor zu engem Kontakt zum Delfin und erinnert an den Fall des einsamen Delfins Anfang der 90er Jahre in Cornwall (Großbritannien). Dort habe das Tier die Menschen zum Schluss gar nicht mehr aus dem Wasser gelassen. Normalerweise schließen Große Tümmler Kontakt zu Artgenossen. „Und dieser hält ein Leben lang“, so Dr. Pfander. Der Delfin in Eckernförde scheint einen derartigen Kontakt noch nicht gefunden zu haben – so wie die bekanntesten Vertreter seiner Art, Delfie und Selfie in der Flensburger Förde.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 06:14 Uhr

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