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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 19:35 Uhr

Aalbesatz : Großer Bahnhof für kleine Fische

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Siebtes „Aal-Utsetten“: 67 500 Tiere für 50 500 Euro in die Schlei bei Kappeln, Maasholm und Kosel entlassen / „Goldene Reuse“ für Norbert Starck

Kosel | Punkt 12 Uhr mittags war es soweit. Plötzlich war die Schlei bei Kappeln um 50 Kilogramm Aal reicher. Zum mittlerweile siebten Mal ließen die Fischer der Region Zehntausende Aale aus, neben Kappeln waren Schleswig, Karschau, Missunde (Kosel) und Maasholm weitere Stationen. Inzwischen ist auch klar: Die jährliche Aktion trägt spürbare Früchte.

Vier Eimer voller Mini-Aale hatte Wolfgang Bandhoff an Bord. Die vorgestreckten Tiere, alle zwischen sieben und zehn Gramm leicht, stammten aus der Aal-Versandstelle in Halstenbek, Lars Renken hatte sie zuvor aus den Behältnissen auf seinem Laster in die Kübel verteilt – und exakt darauf geachtet, dass kein Aal unterwegs verloren geht. Im siebten Jahr der Aktion blickt der Kappelner Fischer Olaf Jensen zufrieden auf sein Heimatgewässer. „Was den Aalbestand insgesamt betrifft, bemerken wir einen Fortschritt“, sagte er. Immerhin war die rapide gesunkene Zahl der Tiere 2010 der Anlass, das „Aal-Utsetten“ überhaupt ins Leben zu rufen. Trotzdem gilt: Die Mini-Aale benötigen geschätzte drei bis vier Jahre, um ihr Mindestmaß von 45 Zentimetern zu erreichen. Olaf Jensen betonte: „Die Aktion lohnt sich für uns Fischer und für die Natur gleichermaßen.“ Nicht nur dass die Berufsfischer ihren Brotfisch zurück erhalten. Es schaffen auch mehr und mehr Aale zu laichen und sich so weiter zu vermehren.

Und Jensen hat noch mehr vor. Derzeit wird der Aal-Besatz zu 60 Prozent aus Mitteln der Fischereiabgabe und des Europäischen Meeres- und Fischereifonds finanziert, Olaf Jensen peilt eine Förderquote von 80 Prozent an. „Dann könnten wir unseren jährlichen Aal-Besatz verdoppeln“, wagte er einen Blick in die Zukunft. Voraussetzung dafür ist, so erläuterte es der Fischer, die Erfüllung verschärfter Kriterien, darunter etwa eine wissenschaftliche Begleitung des „Aal-Utsettens“. „Wir meinen, dass das bei uns an der Schlei der Fall ist“, sagte Jensen.

Zwei Stunden später ließ es sich im Maasholmer Hafen der auch für die Fischerei zuständige schleswig-holsteinische Minister Robert Habeck nicht nehmen, die Ärmel hochzukrempeln und dabei zu helfen, die Winzlinge in die Schlei zu entlassen. Und als ihm einige der kleinen Aale aus den Händen glitten, versuchte er, sie wieder einzufangen und kroch auf der Pier entlang – eine Szene, die reihum für Heiterkeit sorgte. Habeck zeigte keinerlei Berührungsängste – nicht gegenüber den vielen Menschen und auch nicht gegenüber den kleinen Aalen. Der Minister dankte den Fischern für die Initiative des Aalaussetzens. „Eine spannende Aktion“, betonte er in Anwesenheit einer großen Phalanx aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitikern sowie Vertretern etlicher Verbände. Habeck war es auch, der auf allgemeine umweltpolitische Themen einging und deutlich machte, dass es auf viele Fragen nicht nur eine Antwort gebe, sondern viele, die differenziert betrachtet werden müssen, um möglichst objektive Antworten zu finden. Das gelte auch für das Problem mit den Kormoranen.

Insgesamt setzten die Schleifischer aus Kappeln, Arnis, Schleswig sowie Maasholm 67  500 Jungaale aus. Zum zweiten Mal waren zehn Köche der regionalen Gastronomie mit dabei, um ihre Verbundenheit mit der Fischerei zu unterstreichen. Im April dieses Jahres hatten die Fischer und Angler bereits 180  000 Glasaale in die Schlei entlassen – Aale in einer noch früheren Entwicklungsstufe von nur rund 0,33 Gramm. Der Gesamtwert der insgesamt 247  500 Mini-Aale in diesem Jahr: 50  500 Euro. Olaf Jensen betonte derweil, dass die Gruppe der Förderer sehr vielfältig sei. Dazu gehören die Schleswiger Fischerzunft mit der Gemeinschaft der Fischer aus Arnis, Kappeln und Maasholm, aber auch alle Fischräuchereien entlang der Schlei, der Kappelner und Schleswiger Angelverein, der Flensburger Fischereiverein, viele Restaurants, die „Initiative zur Rettung des Europäischen Aals“, der Verein „Kiek in de Schlie“, der Edeka-Markt aus Kappeln, der Verein sustain seafood, Werften, Schiffsmotorenwerkstätten wie die Firma Schiffsmotoreninstandsetzung & Service Kiesow, die Firma Frydendahl aus Hvide Sande in Dänemark, die HanseWerk AG und andere mehr. Alle, so Olaf Jensen, haben erkannt, wie wichtig insbesondere die Kleinfischerei für den Tourismus an der Schlei ist: „Alle, die mitmachen, möchten mit dem Erhalt der Aalfischerei auch ein Stück ihrer Heimat bewahren.“

Mit der „Goldenen Reuse“ ehren die Fischer Personen, die sich in besonderer Weise für den Erhalt des Aales und damit auch für den Erhalt einer lokalen Kleinfischerei als Erwerbsberuf engagieren. Dieser Pokal ging an Norbert Stark aus Kappeln. Als Gastronom setzt er sich seit langem für einheimische Fischprodukte ein.

Mit Blick auf das nächste Jahr wies Olaf Jensen darauf hin, dass das Aalaussetzen dann vom Landesfischereiverband ausgerichtet wird: „Für uns eine große Erleichterung.“


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erstellt am 15.Jul.2016 | 06:52 Uhr

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