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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 18:53 Uhr

Lesung : Gott, Gewalt und Seelenleid

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Susanne Jensen liest am 11. November aus ihrem Erstlingswerk / Roman stark autobiografisch an eigenen Gewalterlebnissen orientiert

Holzbunge | Eine Lesung für Zartbesaitete wird es am Freitag, 11. November, auf dem Kolonistenhof nicht werden. Um 19 Uhr wird die Owschlagerin Susanne Jensen aus ihrem Erstlingswerk „Zedmanns Versuch, G zu denken“ lesen, in dem sie auf teils drastische Gewaltdarstellungen zurückgriff. Musikalisch untermalt wird der Abend von Matthias Werner. Außerdem, so hofft die Autorin, entstehen interessante Gespräche mit den Zuhörern.

Die Pastorin selbst beschreibt ihren Roman als psycho-erotischen Fantasy-Thriller. Bislang rund 800 Seiten umfasst ihr Buch, das bei der Lesung aber noch keineswegs komplett abgeschlossen sein wird. 1000 Seiten werden es wohl am Ende sein, vermutet Jensen, die alles zunächst handschriftlich verfasst und dann später beim Abtippen überarbeitet. Wichtig sei ihr auch die Meinung ihres Mannes Martin, der als „Ersthörer“ fungiert. Die ersten Kapitel können bereits auf ihrer Homepage (www.stimme-der-opfer.de) gelesen werden.

Vor allem aber ist es ein Buch mit starken autobiographischen Zügen. „Die Hauptfigur, Marius Maria Zedmann, bin ich“, sagt die 53-Jährige. Susanne Jensen ist in ihrer Kindheit in Süddeutschland über Jahre seelisch und körperlich von ihrem Vater misshandelt worden. Seit vielen Jahren kämpft sie als Missbrauchsopfer gegen das System des Verschweigens an, gibt den Opfern eine Stimme. Jensen selbst leidet durch das Erlebte an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie verletzte sich selber, begann zu trinken, versuchte sich das Leben zu nehmen. Ihr Glaube hilft ihr. Sie ist sich sicher, dass ihr Gott in den schrecklichsten Zeiten mit ihr geweint und gelitten hat. Jensen gibt auch zu, heftig mit ihrem Gott ringen zu müssen. Halt gibt ihr aber vor allem Martin, der „beste Ehemann der Welt“. Um ihr Kinderhöllenlabyrinth aufzuarbeiten, begann sie Kunstwerke zu gestalten und zu schreiben – Momentaufnahmen eines langen Befreiungsprozesses.

Dazu gehört jetzt auch ihr aktuelles Buch mit dem ungewöhnlichen Titel. Im Mittelpunkt der komplexen Handlung steht der Mord an 39 Frauen, unter den Opfern auch die Halbschwester von Zedmann. Eigentlich waren die Ermittlungen bereits eingestellt, als nach dem Tod von Zedmanns Vater die Suche nach dem Serienmörder wieder aufgenommen wird. Verbindungen zu einem Menschenhändlerring werden aufgedeckt, Theologe Zedmann selbst gerät dabei in große Gefahr. Das G in dem Titel des Buches entpuppt sich als Gott, der im Laufe des Thrillers sogar Gestalt annimmt und die Handlung dadurch auch Fantasy-Züge bekommt. Viel Wert legt Susanne Jensen aber auf die Person Zedmann, sein Inneres und seine beschädigte Seele. Sie beschreibt die Widerstände gegen die er ankämpfen musste, um Theologie zu studieren. „Es brodelt in ihm“, betont die Autorin, er erlebe eine innerliche Hölle.

„Ich habe Spaß am Thrill“, sagt Jensen über ihre Schreibe. Früher beschäftigte sie sich vor allem mit theologischer Literatur, Vor sechs, sieben Jahren begann sie Krimis zu lesen. Die Täterphantasien faszinierten sie, Jensen empfand durchaus Sympathien für die Täter. Doch irgendwann wechselte sie die Seiten, hoffte, dass das Böse besiegt wird. „Das Schreiben ist eine Auseinandersetzung mit der Gewalt“, erklärt Jensen. Doch die Owschlagerin findet in ihrem Buch nicht nur brutale Worte, sie liebt den Zynismus und Sarkasmus, aber auch menschliche, humorvolle und liebevolle Töne. Wichtig seien ihr zudem die eigenen kleinen Zeichnungen. „Bei Zedmann habe ich mich an dem Schauspieler, dem jungen Daniel Craig orientiert.“
Im kommenden Jahr will Susanne Jensen für ihr Buch einen Verlag finden, auch als Hörbuch soll es erhältlich sein.



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erstellt am 07.Nov.2016 | 12:22 Uhr

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