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Eckernförder Zeitung

30. August 2016 | 06:57 Uhr

Gilde gebärt Zwillinge: Ein Papagoy fliegt ins Museum

vom

Bürgerschützengilde stiftet Museum einen Papagoyenvogel / Der andere wird beim Vogelschießen gerupft

eckernförde | Seine Existenz ist nur von kurzer Dauer, aber es gibt ihn schon seit mehr als 400 Jahren - den "Papagoy", wie er liebevoll von der Anhängern der Bürger schützengilde von 1570 genannt wird. Diese auch "Gelbe Westengilde" genannte ehemalige Bürgerwehr und Sozialversicherung feiert in diesem Jahr am 20. und 21. Mai ihr 443. Gildefest. Traditionell gehört dazu stets die vorherige Abnahme des in Handarbeit gefertigten Vogels durch die Vorstandsmitglieder. Diese hatten allerdings im Gegensatz zu sonst, diesmal zwei der kunstvoll gefertigt und bemalten Holzvögel zu bewundern.

"Es war ein vielfacher Wunsch, und es ist wohl einmalig in unserer Gildegeschichte, dass zwei Vögel angefertigt wurden", sagte der Vorsitzende Jörg Czarnowski und nannte auch gleich den Grund: "Das zweite Exemplar ist für das Eckernförder Museum bestimmt und soll dort für Besucher und Gäste ganzjährig und im Ganzen zu bewundern sein." Gestiftet von Ex-Majestät Günter Haß, Vogelmaler Hans-Peter Klinck und Vogelbauer und Gildebruder Kelvin Stapelfeldt ist das fertige Werk zunächst im Schaufenster von Connys Frisurenladen am Ochsenkopf zu bewundern.

Rund 40 Arbeitsstunden stecken in jedem der "Papagoyen", die in Wirklichkeit je einen Adler darstellen. Ein Reichsapfel zur Linken, zur Rechten ein Zepter in den Schleswig-Holstein-Farben, auf dem der eigentliche "Papagoy" sitzt. Mit einer Krone auf dem Kopf, steht der rund 35 Kilogramm schwere, eine Spannweite von 1,63 und eine Höhe von 1,65 Meter messende Vogel für die Obrigkeit, gegen die man sich beim Königschießen zu früherer Zeit symbolisch auflehnte.

Während das Museumsstück, auf dem Reichsapfel prangt das Jahr 1570, im Aussehen nahezu identisch ist, besteht der für das Schießen vorgesehene Vogel aus frischem Erlenholz und ist aktuell datiert. "Nur frisches Holz spaltet sich beim Treffer wie erforderlich", erläutert Erbauer und Schützenmeister Stapelfeldt. Er hat den Stamm im Forst von Norbert Klagges, Gut Marienthal, selbst ausgesucht, eigenhändig geschlagen und die Teile zusammengefügt.

Hergestellt nach traditionellen Schablonen, hat sich trotz der neuen Schießstandsrichtlinie des Innenministeriums die Form und Stärke nicht geändert. "In unserem Fall greift die Richtlinie nicht, da wir am Strand in Richtung offene See schießen", erläutert der Gildevorsitzende. Das ist auch der Grund, warum der "Adlerblick" nach rechts in Richtung Stadt gerichtet ist und über dem rechten Flügel die Stadtfarben Eckernfördes als Bänder flattern. Erst in neuerer Zeit sind Visierpunkte auf Flügel und Schwanz sowie an den Zapfstellen zum Rumpf in Stadtfarben dazugekommen. "Denn bei einer Schussentfernung von 35 bis 40 Metern glaubt man gar nicht, auf welche Größe der Vogel über Kimme und Korn schrumpft", weiß Czarnowski. Rund 30 bis 35 Schützen werden am Dienstag nach Pfingsten ihre Treffsicherheit zu beweisen versuchen, damit sind die Tage des "Papagoyenvogels", der am Pfingsmontag um 16.20 Uhr am Strand vor der Stadthalle aufgerichtet wird, auch schon wieder gezählt.

Eine Ausstellung zur Schützengilde gibt es ab heute bis Mitte Juni in den Räumen der Förde Sparkasse an der Kieler Straße.

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erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

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