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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 17:35 Uhr

Angeln im Holtsee : Gezielt Weißfische im Visier

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zweites Hegeangeln des Angelsportvereins Sehestedt / 120 Kilogramm Weißfische sollen pro Jahr abgefischt werden

Seit dem frühen Morgen sitzt Frank Matthiesen grün gekleidet im komfortablen Campingstuhl am Ufer des Holtsees, schaut ruhig auf das Wasser und hält seine Angel still. In seinem Setzkescher tummeln sich bereits zahlreiche Rotaugen, auch Plötze genannt. Gegen ein Gespräch hat er nichts. „Es ist schön heute“, sagt er. „Ein paar Tropfen habe ich schon abgekriegt. Aber das stört einen Angler nicht.“ Außer ihm sitzen noch zwölf weitere Angler vom Angelsportverein (ASV) Früh auf Sehestedt rund um den Holtsee. Sie haben sich zum zweiten Hegeangeln am See verabredet.

Der rund 150 Mitglieder starke Angelsportverein ist seit Anfang des Jahres Pächter der Fischereirechte in Holtsee und hat auch die Hege und Pflege des drei Hektar großen Badegewässers und des Fischbestandes übernommen. In enger Absprache mit dem Diplom-Biologen Rüdiger Neukamm vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein, Hegegemeinschaft Gewässersystem Nord-Ostsee-Kanal, wurde ein Bewirtschaftungsplan erarbeitet, um im Holtsee einen artenreichen, gesunden und heimischen Fischbestand aufzubauen und zu erhalten. Der Gemeinde Holtsee ist mit der Verpachtung vor allem daran gelegen, die Wasserqualität des Sees zu verbessern. Denn das Baden im See soll Priorität behalten. „Der See ist viele Jahre nicht bewirtschaftet worden“, weiß Frank Matthiesen, der in Holtsee wohnt und Sportwart im Verein ist. Raubfische sind rar. Barsche seien gar keine drin, Zander und Hechte nur vereinzelt. Dafür viele Weißfische. „Die vermehren sich ohne Ende“, sagt er. „Wenn man keinen Raubfischbestand hat, kann es passieren, dass der See umkippt.“ Als Weißfische bezeichnen Angler verschiedene, meist kleinere, silbrig-weiß gefärbte Arten der Karpfenfische, die zu den Friedfischen gehören. Friedfische ernähren sich im Gegensatz zu Raubfischen nicht von anderen Fischen, sondern von kleinen Pflanzen, Larven und Kleinkrebsen, die sich wiederum von Algen ernähren. Ein hoher Bestand an Friedfischen, die die Larven und Krebse wegfressen, kann demnach indirekt das Algenwachstum begünstigen, ein hoher Raubfischbestand indirekt die Gewässerqualität verbessern. „Wir versuchen das ein bisschen zu regulieren“, erklärt Frank Matthiesen.

Die Weißfische, die er fängt, kommen in seinen Setzkescher, der, wie gesetzlich vorgegeben, mindestens 3,50 Meter lang ist und einem Durchmesser von mindestens 50 Zentimeter hat. Die Fische holt später der befreundete Angelverein Pose 69 aus Osterrönfeld ab, um damit ein eigenes Gewässer zu besetzen. „Wir sollen jedes Jahr mindestens 120 Kilogramm Weißfische aus dem See holen“, sagt Frank Matthiesen. Beim ersten Hegeangeln im Holtsee hätten sie immerhin schon 27 Kilogramm Weißfisch gefangen mit acht Leuten. Für ihn ist das Angeln ein besonderes Naturerlebnis. Es geht ihm nicht nur um den Fang. Es ist auch die Natur und die Ruhe. Er angelt seit seinem zwölften Lebensjahr, seit nunmehr 48 Jahren. Sein Onkel hat ihn damals infiziert. Mitglied im Sehestedter Angelsportverein Frühauf ist er seit 22 Jahren. „Aber es ist nicht nur das Angeln“, merkt er an. „Sondern auch der Zusammenhalt im Verein.“ Er lächelt zum Abschied. Dann schaut er wieder auf das Wasser. 



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