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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 13:26 Uhr

Neue Ausstellung im Museum : Gesägte Kunst und begehbare Objekte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Laubsägekünstler Peter F. Piening zeigt im Museum Eckernförde 31 Bildobjekte. Zwei begehbare Großobjekte stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Es ist die Ausstellungspremiere der neuen Museumsleiterin.

Eckernförde | Wer bislang der Meinung war, Laubsägearbeiten mit Sperrholz seien allenfalls etwas für die staubigen Hobbykeller und nur denjenigen vorbehalten, die es handwerklich, geschweige denn künstlerisch nicht weiter gebracht haben, der wird beim Besuch des Museums in den nächsten zwei Monaten eines Besseren belehrt werden. Die Ausstellung „Der Stand der Dinge“ von Peter F. Piening ist nicht nur handwerklich herausragend, sie erfüllt auch hohe künstlerische Ansprüche und ist darüber hinaus „eine Ausstellung, die einfach Spaß macht“, wie die neue Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske gegenüber unserer Zeitung sagte. Die Ausstellung wird am Sonntag, 22. Mai, um 11.30 Uhr eröffnet und ist bis zum 24. Juli u sehen. Zur Ausstellung erscheint kein Museumsblatt, sondern eine 12-seitige Broschüre mit vielen wissenswerten Informationen über den Künstler und seine Arbeit, einem Interview, einem Werkverzeichnis und zehn Bildern. Sie ist für 2 Euro zu haben und ist ein erster „Versuch“, die Museumsblätter zu ersetzen.

Wie es scheint, hat Dorothee Bieske mit ihrer Premierenausstellung im Eckernförder Museum am Rathausmarkt gleich einen Volltreffer gelandet. Die 31 ausgestellten Bildobjekte des in Ahrensburg lebenden Künstlers dürften die Besucher in ihren Bann ziehen und ihnen viel Freude bereiten. Die Werkschau ist eine sonderbar faszinierende Mischung aus handwerklichen Fertigkeiten, künstlerischer Kreativität sowie humorvollen und (selbst)ironischen Anspielungen auf die Menschen, die Gesellschaft und den Künstler. Piening wickelt den Betrachter förmlich ein in eine auf den ersten Blick bieder wirkende, heile und klischeehafte Laubsäge-Welt, um ihn dann aber mit hintersinnigen, teilweise skurrilen Sinnsprüchen und bewusst herbeigeführten Brüchen in seinen Arbeiten zu irritieren, zu verblüffen und zu erheitern. Auf diese Weise wird der Besucher nicht nur intellektuell gefordert, sondern auch emotional berührt. Eine Kombination, die in der meist so ernsten und verkopften Kunstszene ebenso selten ist wie inspirierend und befreiend wirkt. Piening liebt es, diese Einseitigkeit aufzubrechen und „unseren Umgang mit Kunst zu ironisieren“. Ein – zugegeben drastisches – Beispiel dafür ist seine Arbeit mit dem Titel „Knete - Käste – Kunst – und Kacke“. Piening kann auch Selbstironie: In „Peter Effpunkt und alle seine Freunde“ ist sein Konterfei als „Hans Wurst“ in 21-facher Ausführung zu sehen.

Neben den vielen sehenswerten kleineren Arbeiten fallen die beiden Großobjekte auf, die die beiden Ausstellungsräume dominieren. „Laterne“ heißt das eine, „Laube“ das andere. Das Bemerkenswerte: Sie sind begehbar. Und jeder Ausstellungsbesucher tut gut daran, dieser Einladung ausgiebig nachzukommen. „Der Besucher, der sich in die Gehäuse zurückziehen kann, findet eine Spielwiese für seine Fantasie, ein gelaubsägtes Universum, das zugleich vertraut und geheimnisvoll erscheint“, schreibt die Museumsleiterin in der Einladung – eine sehr treffende Beschreibung dessen, was das Museumspublikum erwartet.

Die Laterne – Piening nennt sie wegen ihrer sakralen Ausstrahlung auch „Home Cathedral“ – sind allerlei berühmte Helden des Zeitgeschehens Elvis Presley bis Donald Duck, von John Lennon bis Asterix, von Charlie Chaplin bis Micky Maus verewigt. Auch ein paar Heilige und Götter, aber in jedem Fall eine sehr illustre, aber auch skurrile Gesellschaft, die überhaupt nicht zusammenpasst, und gerade daraus seinen besonderen Reiz bezieht. Die transparente Außenwände ermöglichen den Lichteinfall, der mit bunten Folien im Inneren zum Leuchten gebracht wird.

Im Raum dahinter steht die Laube – ein Zweisitzer, in dem die Betrachter nicht wissen, wo sie zuerst hinschauen sollen. Figuren, gewagte Liebesszenen, Tiere, kleine Wohnwelten mit Tisch, Bett und Stehlampe und viel- oder unsinnige Laubsäge-Sprüche wie „Mir kann keiner, und ihr könnt mir Alle“, „Ich bin überall ein bißchen ungern“ oder „Alles ist gut. Nur nicht immer. Nur nicht überall. Nur nicht für alle.“ Dazu gibt es zwei Bücher mit laubgesägten Seiten zum Umblättern mit lauter Fragesätzen wie „Erledigt sich alles von selbst“, einen dirigierenden Bruckner und vieles andere mehr. Eine kleine Wunderkammer, die sich zu entdecken lohnt und an der der Künstler ein Jahr lang gearbeitet hat – wer’s sieht, wird’s glauben. Den Kaufpreis nennt Peter F. Piening allerdings nur bei ernsthaften Kaufinteresse.

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erstellt am 20.Mai.2016 | 06:53 Uhr

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