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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:27 Uhr

Landwirtschaftssere : Gerste und Stroh trocken im Lager

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 7 der Bauernhof-Serie: Gerstenernte, Strohgewinnung und Vorbereitung für die Neuaussaat von Raps

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Schlechte Qualität und schlechter Ertrag, die Ernte der Gerste auf rund 17 Hektar hat die Hoffnungen in diesem Jahr nicht erfüllt. Mit 80 bis 85 Doppelzentnern je Hektar liegt der Ertrag dieses Jahr rund 20 Prozent unter dem Mittel, sagt Landwirt Reimer Köhn. Aber die Ernte erfolgte bei trockenem Wetter, in diesem Jahr auch keine Selbstverständlichkeit. Dadurch muss er die Ernte nicht mehr teuer trocknen lassen und auch die Bergung des Strohs erfolgte trocken. Damit ist schon mal ein großer Vorrat für das ganze Jahr sicher eingebracht.

Die Ernte brachte der Lohnunternehmer ein. Sie ist schon abgefahren und verkauft. Er verpackte auch das Stroh in 150 Zentimeter mächtige Strohrollen. Beides erfordert spezielle Maschinen, die Köhn aber nur kurze Zeit braucht, da lohne sich die Anschaffung nicht. Das Stroh wird zum Einstreu in die Rinderställe und ein Teil auch als Futter verwendet. Und so sind Köhn und seine Mitarbeiter pausenlos im Einsatz, um die rund 200 Kilogramm schweren Rollen ins Lager am Hof zu bringen. Hoch aufgetürmt auf Hängern fahren Martin Buschkowski und Rüdiger Burkowski Fuhre um Fuhre. Früher seien die Rollen nicht gesichert worden, heute gehöre das selbstverständlich dazu. Rund 1600 Rollen braucht Köhn für ein Jahr. Damit er die Menge zusammen bekommt, hat er mit einem benachbarten Landwirt eine Abmachung. Köhn bekommt das Stroh und birgt es, dafür liefert er Gülle als Dünger für die Fläche. „Das hat sich bewährt“, sagt Köhn.

Kaum, dass die Ernte vom Feld ist, beginnt auch schon wieder das Bestellen der Flächen. So wird auf den Gerstenflächen der Boden leicht bearbeitet, sodass Stroh und vor allem in diesem Jahr viele Ähren, in die Erde gelangen und anrotten. Zusätzlich wird leicht mit Gülle gedüngt. Auf Gerstenböden wird zudem etwas gekalkt. Gut zehn Tage später wird umgepflügt, der Boden mit der Egge bearbeitet, bevor Raps eingesät wird.

Viel Zeit bleibt Köhn und seinem Team nicht, denn auch der Raps steht kurz vor der Ernte. Auch hier kommt der Lohnunternehmer zum Einsatz. Auf den Rapsflächen wird Weizen angebaut. Auf den später geernteten Weizen-Schlägen wird dann Gerste angebaut. Diese Fruchtfolge hat sich bewährt, erklärt der Landwirt. Auf die Gerste zu verzichten, sei keine gute Idee, da dadurch der Arbeitsaufwand für Weizen und Raps extrem konzentriert würde. Durch die frühere Gerste wird der Erntezeitraum entzerrt.

Eingebracht haben sie auch schon den zweiten Grasschnitt, der durchschnittlich war. Da ihr erster Schnitt so extrem umfangreich war, konnten sie auch etwas Grassilage verkaufen. Erfreulich entwickelt hat sich auch die Schweinemast. Nachdem sie gut vier Wochen ausgesetzt hatten, wurden im Juni wieder 500 Ferkel eingestallt. Anfang Oktober werden sie verkauft. Da sich der Schweinepreis seit dem Frühjahr sehr gut erholt hat, von 124 auf rund 160 Cent je Kilogramm, sei das für den Betrieb die Möglichkeit, die nach wie vor vernichtend schlechten Preise für die Milch auszugleichen, sagt Köhn. So hätten sie kleine Stellschrauben, um sich dem Markt anzupassen.

Bevor sich Reimer Köhn aber um das tägliche Geschäft kümmern kann, heißt es wieder einmal improvisieren. Am Melkstand war am Morgen ein Bauteil gebrochen. Das Melken schafften sie noch mit Ach und Krach. Das Bauteil ist bereits ausgebaut. Vater Richard Köhn kümmert sich um die Reinigung und Ersatzteilsuche. Da die Anlage aber schon etliche Jahre auf dem Buckel hat, wird Reimer Köhn wohl zum Schweißgerät greifen müssen, um es zu reparieren. „Hauptsache, heute Abend zum Melken ist es wieder einsatzbereit“, sagt er. Und auch seine Mutter, Gerda Köhn, ist fest eingeplant auf dem Hof. So hält sie seit den 60-er Jahren Enten. Inzwischen wurde der Bestand aber schon stark runtergefahren. Jetzt wird nur noch ein Gelege großgezogen, um die Tiere dann zu verkaufen. „Die laufen so mit“, sagt sie und treibt Entenmutter und Küken aus dem Stall.

Im August steht die Raps- und Weizenernte an. Außerdem fallen Feldbearbeitung, Gülledüngung und Neuaussaat an. Dabei wird das restliche Einstreustroh geborgen. Der August gehört zu den arbeitsreichsten Monaten, wo es vor allem auf das richtige Wetter ankommt.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 06:01 Uhr

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