zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 05:01 Uhr

Gerald Grote: Naturfilm statt Fußball – mehr Geld für die Filmemacher

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Es ist das Jahr 2007, genauer gesagt: der Vorabend des ersten Green-Screen-Festivals: „Wir saßen beim Bier zusammen und wussten gar nicht, ob überhaupt jemand kommt“, erinnert sich Festivalleiter Gerald Grote. „Vielleicht würde es ja auch niemanden interessieren.“ Die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, das Festival legte seinen Grundstein und wurde seitdem von Jahr zu Jahr größer und professioneller.

Zum Auftakt der 10. Auflage des Internationalen Naturfilmfestivals warf Gerald Grote einen Blick zurück: Bei der Erinnerung an die erste Preisverleihung verzieht er das Gesicht: „Die war grenzwertig. Wir hatten minderwertige Kristallkugeln als Trophäen für nur fünf Preise, und es gab noch Musikunterbrechungen.“ Dennoch haben die Filmemacher vom ersten Moment das Potenzial der Veranstaltung erkannt. „Hier erleben die Filmemacher, wie ihr Film beim Publikum ankommt“, sagt die Vorsitzende des Green-Screen-Fördervereins, Ulrike Lafrenz. „Eckernförde ist der Ort, wo sie das Herz der Besucher am meisten schlagen hören.“ Und wo sie am meisten Kollegen treffen. 130 Filmschaffende haben sich für das aktuelle Festival bislang angemeldet – so viele wie nie zuvor. „Und es kommen immer noch die hinzu, die spontan erscheinen“, sagt Green-Screen-Geschäftsführer Markus Behrens.

Und genau für sie will sich das Festival starkmachen: „Die Filmemacher erfreuen uns mit ihren Werken, die sie unter großen Entbehrungen drehen, und verdienen selbst erschreckend wenig Geld“, so Gerald Grote. Von dem Geld, das allein die Übertragung eines Spiels bei einer Fußball-Europameisterschaft koste, könne man 22 Naturfilme drehen lassen und die Filmer besser bezahlen. Das sei der Jahresetat eines gesamten Senders. „Ich finde das ganz bedenklich. Deshalb wollen wir den Filmemachern Mut machen, auch mal Forderungen zu stellen.“ Für das Geld, das ein Filmemacher in der Ödnis erhält, so Grote, würde ein Fußballer kein Trainingsspiel absolvieren. „Die Naturfilmredaktionen müssen mutiger werden, sich gegenüber anderen Redaktionen durchzusetzen.“

Ein großes Missverhältnis herrsche beispielsweise zwischen Naturfilm und Sportberichterstattung. „Ich habe Bedenken, dass der Naturfilm durch die Sportberichterstattung weiter unterbezahlt wird“, sagt Grote. „Im nächsten Jahr möchte die Fußballbundesliga 1,1 Milliarden Euro für die Übertragungsrechte haben, zurzeit liegen sie bei 760  Millionen Euro. Das wird zulasten aller anderen Redaktionen gehen. Da sind wir als publikumsstärkstes Naturfilmfestival Europas mit der Kraft unserer Besucher gefordert, Partei zu ergreifen. Bei diesen Summen muss mehr möglich sein als die Überfrachtung des Fernsehprogramms mit Banalitäten.“

zur Startseite

von
erstellt am 14.Sep.2016 | 09:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen